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Aiemann Zahabi nimmt bei UFC Halifax einen großen Namen mit ins Octagon

Kleiner Bruder ganz groß: Am Sonntag wird Aiemann Zahabi im Rampenlicht stehen (Foto: Florian Sädler).

Die offensichtlichste Frage zuerst: Was hält Firas davon, dass er jetzt in der UFC kämpft? „Er wird es mich nach dem Kampf wissen lassen“, lacht Aiemann Zahabi, kleiner Bruder des populären MMA-Coaches Firas Zahabi. „Wir hatten vor dem Kampf nicht die Gelegenheit, darüber zu sprechen. Wir haben uns einfach darauf fokussiert, den Job zu erledigen und zu gewinnen und über alles weitere werden wir anschließend sprechen.“

Zahabi, 29, wird am Sonntag im Vorprogramm der UFC Fight Night 105 in Halifax, Kanada, zum ersten Mal als Wettkämpfer zum Octagon marschieren. Während Firas, der mit Georges St. Pierre und Rory MacDonald  einige der größten Stars des Sports trainiert, vor Jahren im Thaiboxen und Jiu-Jitsu aktiv war und sich seitdem als Headcoach des Montrealer Tristar Gyms einen Namen als einer der kompetentesten Trainer der Szene gemacht hat, hat Aiemann den Weg des Kämpfers gewählt. Mittlerweile ist auch Firas Zahabi überzeugt, dass sein kleiner Bruder bereit für die großen Jungs in der UFC ist.

Und obwohl es auf den ersten Blick merkwürdig anmuten mag, dass die beiden nie wirklich über die Leistung gesprochen haben, es in die UFC zu schaffen, hat dieser nüchterne Ansatz zwischen den Brüdern Wunder bewirkt für Zahabi, der seit seinem Profi-Debüt 2012 in sechs Kämpfen ungeschlagen ist. Und während sein Nachname und die Reputation des Tristar Gyms seinen Fortschritt bisher eher verlangsamt haben, weil es so schwieriger war, an Kämpfe zu kommen, könnte der geruhsame Karrierestart sich nun als Stärke herausstellen.

„Es ist ein fantastischer Zeitpunkt, (mein Debüt zu geben)“, so Zahabi. „Ich denke, ich bin mehr als bereit. Ich bereite mich seit langer Zeit auf das hier vor. Körperlich habe ich mich nie besser gefühlt. Gott sei Dank hatte ich bisher in meiner Karriere keine großen Verletzungen, also will ich noch 20 Kämpfe in meiner Karriere bestreiten.“

Als erstes allerdings steht sein UFC-Debüt an, an diesem Sonntag in Halifax. Und während die erste Chance auf der großen Bühne selbst die härtesten Kämpfer zu nervösen Wracks werden lassen kann, bleibt Zahabi ruhig und genießt, dass er lediglich die Aufregung spürt, die ihn sowieso vor jedem Kampf befällt, und keinen Deut mehr. Zahabi schreibt das seiner Erfahrung als Coach zu, die ihn schon länger zu UFC-Shows reisen lässt als er selbst professionell kämpft.
 
“Die Kampf-Woche fühlt sich nicht anders an als die Male, als meine Jungs gekämpft haben. Mir bedeuten die Jungs viel, die ich hierher begleite, deswegen spüre ich die gleiche Aufregung wie sie am Kampfabend. Ich bekomme genauso den Adrenalin-Kick, das meiste wird also (für meinen Kampf) ähnlich sein. Bisher habe ich zumindest keinen Unterschied gespürt. Ich denke, der einzige Unterschied wird sein, dass ich dieses Mal tatsächlich das Octagon betrete und darin bleibe, um zu kämpfen. Abgesehen davon sind die Nerven genau die gleichen.“

Ohne sich den Kopf darüber zerbrechen zu müssen, wie es sich wohl anfühlt bei der UFC, kann Zahabi sich auf das konzentrieren, was er unter Kontrolle hat: seine eigene Leistung, wenn er am Sonntag ins Octagon steigt und darin bleibt, um zu kämpfen. Sein Debüt wird er gegen „The Ultimate Fighter: Brazil“-Finalist Reginaldo Vieira bestreiten, einen Veteranen mit 17 Kämpfen, der alles mitgemacht hat – auch Niederlagen, von denen Zahabi im Profi-MMA bisher noch keine verzeichnen musste. Und Sonntag wird nicht der Tag sein, an dem er dieses Gefühl kennenlernen wird, so der Kanadier.

„(Vieira) ist zäh, er macht Leute müde und ich erwarte, dass er gegen mich verbissen den Takedown suchen wird. Ich habe also viel an meiner Fitness gearbeitet und erwarte, dass ich die vollen fünfzehn Minuten mit ihm gehen werde. Er ist nicht leicht zu stoppen – ich würde ihn gerne in der zweiten Runde besiegen, das wäre mein Ziel für diesen Kampf, zweite oder dritte Runde. Aber wenn ich fünfzehn Minuten kämpfen muss, werde ich das tun. Er wird Schmerz und Druck spüren, ich will den Spieß umdrehen und ihn müde machen. Ich will da drinnen nicht verprügelt werden.“

Ironischerweise ist Zahabi dabei gerade für die Chance dankbar, ab jetzt regelmäßiger eventuell verprügelt warden zu dürfen. Im UFC-Bantamgewicht werden seine potentiellen Kontrahenten dank seines Namens wohl jede Chance ergreifen wollen, ihn in die Finger zu kriegen. In der regionalen Szene war in den letzten Jahren häufig das Gegenteil der Fall.

„Es ist jetzt andersherum“, vergleicht Zahabi den Effekt seines Nachnamens vor und in der UFC. „Jetzt redet jeder über mich, weil ich Firas Bruder bin. Das ist gut, man geht durch die harten Zeiten, um zu den guten zu kommen. Ich freue mich, dass jeder so viel von mir erwartet – Erwartungen sind ein Privileg, mir verschafft das Aufmerksamkeit und lässt die Leute sich an mich erinnern. Ich will relevant bleiben und trotz allem noch alle überraschen.“

So, wie es bisher für ihn läuft, wäre die effektivste Überraschung wohl eine Niederlage am Sonntag. Das allerdings steht nicht zur Debatte für das Bantamgewichts-Talent.

„Ich will nicht einfach nur gewinnen. Die Hälfte der Kämpfer dieser Show wird gewinnen – ich will eine gute Leistung zeigen und hoffentlich in meinem allerersten UFC-Kampf gleich den Bonus für die „Performance of the Night“ holen.“