Interviews

Aggrelin zu 100% von der GEMMAF sanktioniert

Die GEMMAF und das Label Aggrelin arbeiten ab sofort enger zusammen. Jüngst wurde jetzt vereinbart, dass die GEMMAF den kommenden Aggrelin-Event zu 100 Prozent sanktioniert. Am Samstag, dem 20. Februar, wird in München die nächste Veranstaltung ausgetragen. Wir sprachen mit den Verantwortlichen.

GNP1.de: Die GEMMAF arbeitet ab dem kommenden Event in München erstmals mit Aggrelin zusammen. Wie kam es zu diesem Deal?
Raphael Vogt: Wir traten bereits wegen des letzten Events in Rosenheim in Verbindung. Ein gemeinsamer Bekannter stellte uns den Kontakt her. Für Rosenheim kamen wir jedoch aufgrund der Kurzfristigkeit nicht mehr zusammen. Ich habe Agggrelin als alteingesessene und sehr professionell aufgestellte Veranstaltungsreihe in München schon länger im Blick. Ich freue mich für die GEMMAF, zusammen mit Aggrelin, den Süden erschließen zu können. 

Andreas Ramsauer: Ja, der Promoter von Sprawl and Brawl hat mir geholfen und kurzfristig den Kontakt von Raphael gegeben, da es im Vorfeld von Rosenheim Probleme mit dem Referee-Team gab. Wir haben dann nach Rosenheim Rücksprache gehalten und entschieden, mit der GEMMAF einen Neuanfang zu starten. Die Referee-Truppe zuvor aus Saarbrücken hat bei fünf Aggrelin-Events hervorragende Arbeit geleistet, insbesondere der Main-Referee ist für uns einer der besten im deutschsprachigen Raum. Ich schätze ihn sehr.

Ich denke jedoch, dass wir den Schritt nun wagen müssen, da die GEMMAF sehr breit aufgestellt ist und wir den Kämpfern die bestmöglichen Strukturen liefern müssen. Wir stehen zudem in gesunder Konkurrenz mit anderen äußerst professionellen deutschen Eventreihen, weshalb wir an der Stelle keinen Deut schlechter sein dürfen. Überzeugt hat mich letztlich aber das Gespräch mit Raphael, da man an der Art der Kommunikation gleich merkt, dass er ein guter, egofreier Botschafter für das MMA ist.  

Wie kann man sich die Zusammenarbeit im Einzelnen vorstellen?
Raphael Vogt: Wir bieten als Verband die Möglichkeit vollständige Aufsichten zu übernehmen. Nur dann können wir einen reibungslosen Ablauf garantieren und wirklich zu 100% sanktionieren. Angefangen bei den Sicherheitsvorkehrungen, den Vorbesprechungen und der Regelbesprechung. bis zum Abschluss der Kämpfe, nebst etwaigen Einspruchsprozederen. Im Februar bedeutet das konkret, dass die GEMMAF Torsten Hass als Referee und Clemens Richter, Victor Wolf und Nico Türpe als Judges stellt. Das ist das kleinstmögliche Team für eine Sanktionierung. Da es sich aber um erfahrene und kompetente Leute handelt, reicht das völlig aus. Unsere Offiziellen werden Vorort mit den Mitarbeitern von Andreas Ramsauer ein Team bilden. 

Andreas Ramsauer: Hier kann ich nichts mehr hinzufügen. Wir werden noch zwei Leute bereitstellen, die schon seit Jahren bei uns dabei sind und viel MMA-Sachverstand mitbringen. Das Regelwerk habe ich bereits mit Torsten Hass an die doch etwas speziellen Münchner-Anforderungen der Behörden angepasst. Sehr wichtig ist für uns auch, dass die GEMMAF die Brücke zu GNP1.de geschlagen hat, was wir an diesem Interview ja schon sehen. Für die Kämpfer ist es schichtweg wichtig, dass die Kämpfe auch auf Deutschlands größtem Kampfsportportal gewürdigt werden und sie in den Rankings Beachtung finden. Ich hoffe, dass wir damit ein Zeichen setzen, dass alle Portale eingeladen sind, über Aggrelin zu berichten.  

Der MMA-Sport hat in Deutschland eine wahnsinnige Fahrt aufgenommen. Was machen GEMMAF und Aggrelin für diesen Sport?
Raphael Vogt: Die GEMMAF freut sich über diese Entwicklung. Wir gehen auch dieses Jahr im Veranstaltungsbereich einige, aber nicht zu viele Partnerschaften ein. Derzeit laufen bei uns noch die Anmeldungen für die nationalen und die internationalen Meisterschaften, welche in Aschaffenburg im Schaffenskreis von Franco de Leonardis stattfinden werden. Was daran spannend ist: Jeweilige Gewinner werden ihre Titelkämpfe in Zukunft auch bei unseren Veranstaltungspartnern austragen und ihre Titel verteidigen können. Wer als Veranstalter mit uns kooperiert, wie in diesem Fall Aggrelin, profitiert zukünftig auch davon. Ich persönlich versuche wo und wann ich kann Pressearbeit zu leisten und weiter über den Sport aufzuklären. Auch dabei sind mir professionelle Veranstaltungspartner wie Andreas Ramsauer behilflich. Wir kennen uns noch nicht persönlich, aber ich habe ein wirklich sehr gutes Gefühl bei der Sache. Außerdem planen wir neben ausgefeilten Trainerausbildungen noch einiges mehr. Lutz Heyden ist hier im Team federführend. Bei Allem wollen wir uns gegenwärtig noch nicht in die Karten sehen lassen. 

Andreas Ramsauer: Ich denke, wir haben bisher speziell in Bayern sehr viel getan für den MMA-Sport. Wir haben in der Vergangenheit mehrfach unseren “Kopf hingehalten“ und wussten oftmals bis kurz vor den Events selbst nicht zu 100%, ob wir die Genehmigung bekommen. Dass dies natürlich einen finanziellen Schaden sowie einen Reputationsverlust zur Folge gehabt hätte, brauche ich niemand sagen. Durch diese harten Jahre in Bayern haben Heinz Einsiedler und ich allerdings sehr viel Erfahrung gewonnen. Letztes Jahr haben wir zudem mit dem Rechtsanwalt Branko Ulaga einen starken Zugang bekommen, der uns fachlich enorm weiterhilft, was man in der professionelleren Umsetzung der Events auch gleich merken konnte. Trotzdem bin ich noch lange nicht zufrieden. Ich habe 2009 das Ziel ausgegeben, viele Kämpfer in die internationalen Ligen zu bringen, da die deutsche Szene nur ein Sprungbrett sein kann. Das haben bisher leider erst wenige geschafft – wir arbeiten deswegen sehr hart daran und werden den bayerischen Talenten verstärkt Gegner aus dem Ausland suchen. Vielleicht kann uns auch hier die GEMMAF helfen, wie etwa Amateure verstärkt auf internationale Meisterschaften zu schicken.  

Beide verfolgen die gleichen Interessen, wird die Zusammenarbeit eine Ehe für die Ewigkeit?
Raphael Vogt: Keiner kann heutzutage sagen, ob eine Ehe eine Ewigkeit anhält. Aber wir haben großartige Pläne und schauen in eine gemeinsame Zukunft an mehreren Standorten. Derzeit konzentrieren wir uns aber erst mal auf eine erfolgreiche erste Zusammenarbeit, auf die wir dann aufbauen wollen. Andreas hat in München Pionierarbeit geleistet im MMA-Sport. Bayern ist kein leichter Standort gewesen, um sich dort mit diesem Sport zu etablieren. Kein Vergleich zum Ruhrpott oder zu Berlin. Er hat dort einen soliden Grundstein gelegt. Wir möchten diesen Wegbereiter Vorort unterstützen und freuen uns über das entgegengebrachte Vertrauen. 

Andreas Ramsauer: Wir von Aggrelin setzen darauf, dass es so sein wird. Es wird die Frage sein, wie die Berliner mit unserer bayerischen Mentalität zurechtkommen. In Bayern sagt man sich alles direkter, man streitet auch mehr. Danach geht man allerdings auch wieder ein Bier trinken und es passt wieder. Dies kann jedoch auch falsch interpretiert werden und führt dann zu Unzufriedenheit. Entscheidend wird auch sein, wie schnell wir ein Team in Bayern aufstellen können, da es für die regionalen Events bekanntlicherweise sehr wichtig ist, Kostenoptimal zu arbeiten.   

Was sollte jetzt noch angepackt werden? 
Raphael Vogt: Mit wachsendem Interesse am MMA, wächst auch die Konkurrenz. Wir freuen uns über die Zusammenarbeit und möchten uns gegenseitig befruchten. Zusammenschlüsse wie diese machen uns auf dem Markt stärker. Wir planen ein Offiziellen-Team in München und Umgebung aufzustellen, um dort in der Region mittelfristig besser zum Einsatz kommen zu können. Andreas hat sehr fähige Mitarbeiter, die an den sehr hochwertigen GEMMAF Referee u/o Judge Schulungen bei Wolf Menninger (UFC Referee, von Herb Dean zertifizierter Ausbilder) in Berlin teilnehmen werden. Bei Erfolg, die Anforderungen sind hoch, stehen den schlussendlich zertifizierten Referees und Judges die Türen für alle großen IMMAF-Events und auch für Reihen wie z.B. der UFC offen. Aber in erster Linie profitieren Veranstalter aus Süddeutschland davon. Und schauen wir wieder auf Aggrelin: Dort kann Andreas dann zukünftig auf seinen eigenen Pool an zertifizierten und top ausgebildeten Vertrauten zugreifen. 

Andreas Ramsauer: Ja, genau. Ich habe bereits konkrete Namen im Kopf von Personen aus München, die ich im Referee-Bereich sehe. Die werde ich motivieren, sich von der GEMMAF ausbilden zu lassen.

An welcher Stelle seid ihr in den Planungen?
Raphael Vogt: Die GEMMAF ist bemüht Bluttests in Deutschland weiter durchzusetzen. Dabei geht es im Wettkampf um die Gesundheit und Sicherheit der Kämpfer. Diesen Standard streben wir weiter an. Es ist uns ein Anliegen, diese Tests vor allem den Kämpfern ans Herz zu legen. Grundsätzlich freuen wir uns auch über die Anwendung der Unified Rules. Diese sind in München aber nicht ganz so anwendbar wegen der regionalen Einschränkungen seitens der Ämter. Das ist für uns kein Problem, im Gegenteil, wir helfen dem Veranstalter gern, diese Verantwortung abzugeben und achten auf die Durchsetzung des angepassten Regelwerks auf der Wettkampffläche, damit es da keine Probleme gibt. 
 
Andreas Ramsauer: Ja, hinsichtlich der Bluttests wurde ich bereits aufgeklärt von Raphael. Mir war dann zwar gleich etwas schwindlig, da ich Angst vorm Blutabnehmen habe, allerdings hat er mich schon überzeugt. Wir müssen versuchen, dass auch bei Aggrelin mittelfristig durchzusetzen. Schon allein aus persönlicher Sicht, habe ich bereits selbst mehrfach Blutspritzer bei meinen Events ins Gesicht bekommen, sozusagen “Aggrelin“ am eigenen Leib zu spüren bekommen. Bei den Unified Rules sind uns etwas die Hände gebunden, das könnte noch dauern, bis die Behörden uns wieder einen Schritt entgegenkommen.

Wie kann man dem MMA noch mehr Durchschlagskraft verleihen?
Raphael Vogt: Partnerschaften, wie diese, sind ein erster Schritt. Die Entwicklung ist rasant wie eingangs erwähnt. Ich glaube der MMA-Sport wird bald noch breitentauglicher. Ähnlich wie das Boxen, welches wiederum etwas nachlässt, gemessen am öffentlichen Interesse. Ich könnte mir vorstellen, dass MMA hier einen wichtigen Platz einnehmen kann in Zukunft. Wir arbeiten mit Tom Madsen als Schnittstelle eng mit der IMMAF, unserem Dachverband, zusammen. Hier schnuppern wir internationale Luft. Andreas bietet auf seiner Fight Card übrigens etwas sehr Interessantes an: Bavarian Boxing. Die Fighter treten in 10oz Handschuhen gegeneinander an, Ellenbogen, Knie, Lowkicks, Würfe und Submissions im Stand sind erlaubt. Der Kampf geht dann aber am Boden nicht weiter. ich persönlich finde es spannend dem Publikum ein paar MMA-nahe Kämpfe anzubieten, die nicht unter Grappling fallen. Gute Idee!

Andreas Ramsauer: Bavarian Boxing war eine der typischen Ideen von Heinz Einsiedler, der Name zumindest. Den Rest haben wir schon seit den Cage Fight Series 2009 in Planung, als Gerhard Ettl, der für mich immer noch der beste Promoter hierzulande ist, BURMA Fights angeboten hat. Wir werden anders als in Graz aber mit 10 Unzen kämpfen lassen, vorläufig zumindest. Und das passt genau zum Motto, um auf die Frage zurückzukommen. MMA steht immer noch einem starken Profi-Boxen gegenüber, welches noch lange nicht tot ist, was wir in München jetzt bei Patrick Simon gesehen haben, der hierzu gewechselt ist. Um dagegen anzukommen, müssen wir Top-Kämpfe liefern. Es ist zwar schön, dass jeder Kampf auf die Minute anfängt oder der Ringsprecher jedem an dem Abend zusagt, entscheidend ist aber immer noch die Qualität der Fights. Deswegen haben die Leute auch Kämpfer wie Patrick Simon, Ruben Wolf oder zuletzt Markus Grosse in Rosenheim bei Aggrelin geliebt, die immer eine große Show liefern. Wir werden deshalb das Budget erhöhen, um tolle Kämpfer nach Bayern zu bekommen, was 2015 mit den Fightern aus Paris schon gut geklappt hat, die Qualität hereingebracht haben.  

Vielen Dank für das Interview.
Raphael Vogt: Ich wünsche Andreas mit unserem Team viel Erfolg und eine ausverkaufte Halle im Februar. ich wäre in München gern selbst als Judge und zur Aufsicht Vorort, kann aber leider aus beruflichen Gründen diesmal nicht dabei sein. Aber beim nächsten Mal. In München kenne ich ein paar Leute, die dort MMA trainieren. Von denen wurde mir immer wieder berichtet wie toll Aggrelin als Veranstaltungsreihe ist. Darauf ist Verlass. Lasst Euch das nicht entgehen. Sport frei. 

Andreas Ramsauer: Danke an unseren Hauptsponsor Betionaire sowie an unseren langjährigen Sponsor Sportnahrung.de, denen wir das Comeback 2013 mit zu verdanken haben. Zudem bedanken wir uns bei Emma Entertainment, dem Contact Sports Erfurt, Sonnenklar, Top Ten MMA sowie Justyfight für das tolle Eventshirt. Ebenso geht mein Dank an unsere Fotographen Angie Baumgartner, Alexandre Gorodny und Roel Fleuren (rollingandthepunches.com), die seit Jahren sehr viel Einsatz zeigen und unglaubliche Qualität liefern.