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Abu Azaitar: „Strus hat nur gekuscht, ich hatte die Treffer!“

Piotr Strus (l.) und Abu Azaitar (Foto: Dorian Szücs/Groundandpound.de)

Niemand mag Unentschieden, auch Abu Azaitar und Piotr Strus nicht. Beide Mittelgewichte standen sich bei KSW 27: Cage Time gegenüber, am Ende wertete ein Punktrichter den Kampf für Azaitar, zwei konnten sich nicht entscheiden. Groundandpound-TV hat mit Azaitar, Strus und KSW-Chef Martin Lewandowski über das Urteil gesprochen.

Am Morgen nach dem Kampf zeigte sich Abu Azaitar noch immer wenig begeistert vom Urteil des Punktgerichts, blieb jedoch gelassen und schätzte die Situation folgendermaßen ein:

„Das ist in Polen besser, als eine Niederlage zu kriegen. Normalerweise musst du in polnischem Hoheitsgebiet jemanden K.o. schlagen um klarer Sieger zu sein, nach Punkten ist das sehr, sehr schwer. Es hätte auch anders kommen können“, so Azaitar. „Strus hat mich nur ein, zweimal mit dem Jab auf der Stirn getroffen und zwei, dreimal einen Lowkick gelandet. Dann hat er immer den Clinch gesucht. Ich habe die klaren Treffer und mehr Aktionen gehabt. Er hat nach jeder Aktion runtergekuscht und nicht mitgeschlagen. Das macht einem die Linie kaputt, man kann im Ring nicht allein kämpfen, man braucht auch einen Gegner.“

In der Tat war das Duell Azaitar-Strus deutlich weniger actiongeladen, als man von beiden Kämpfern erwartet hätte, viele Aktionen zum werten gab es nicht. Während Azaitar die erste Runde klar mit seiner Aggressivität bestimmt hatte, kontrollierte Strus den Kampf später häufig am Käfig. Über das Urteil gab es anschließend geteilte Meinungen:

„Im Internet gibt es Leute die so schreiben und so schreiben, vielleicht seine Fans und meine Fans“, so Azaitar. „Auch unser Ringrichter (Herb Dean) hat mir gesagt, er würde den Kampf 2:1 geben. Aber ich kann nichts dazu sagen, ich muss mir selber erst mal das Video vom Kampf angucken.“

Das komplette Interview mit Abu Azaitar:



Auch KSW-Besitzer Martin Lewandowski kam zu keinen eindeutigen Ergebnis: "Ich will das nicht beurteilen, ich arbeite während der Show und kann den Kampf nicht im Detail verfolgen. Das hätte aber auch keinen Einfluss auf den Entscheid der Punktrichter. Ich habe mich mit einigen Leuten unterhalten, die mir gesagt haben, das Urteil ging in Ordnung.  Aber es gibt natürlich auch immer die andere Hälfte, die sagt, das war Bockmist. Das ist ja immer so. Es kommt darauf an, wie man MMA sieht, wie man es versteht, was man erwartet, wie man Takedowns und Aggressivität wertet – ich bin froh, dass ich kein Punktrichter bin.“

„Ich bin sehr überrascht, ich dachte, ich hätte den Kampf gewonnen!“, zeigte sich direkt nach dem Kampf auch Piotr Strus enttäuscht. „Wenn ich in der ersten Runde aktiver gewesen wäre, hätte es sicher ein eindeutigeres Ergebnis gegeben. [...] Ich denke, wir werden in Zukunft einen Rückkampf haben.“

Das Interview mit Piotr Strus:



Einen Rückkampf hält auch KSW-Chef Martin Lewandowski für wahrscheinlich: „Die beste Idee wäre es natürlich, diese Geschichte zu Ende zu bringen und denbe einen Rückkampf zu geben. [...] Jetzt warten wir ein wenig ab, lassen die Emotionen runterkochen und dann sehen wir mit klarem Kopf weiter. Vielleicht bekommen beide auch erst einmal andere Gegner und treffen danach noch einmal aufeinander, mal sehen. Der Kampf wird kommen, die Frage ist nur wann.“

Das Gespräch mit Martin Lewandowski: