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Abeku Afful: Ich war einfach unglaublich glücklich!

Abeku Afful (Foto: GNP1.de)

We Love MMA 43 ist Geschichte. Den Fans wird der Event vom 26. November 2018 in Hamburg aber sicher noch lange in Erinnerung bleiben. Eines der größten medialen Scheinwerferlichter war aber sicherlich auf das Comeback von Abeku Afful gerichtet. Vor heimischer Kulisse trat dieser nach mehr als zwei Jahren Abstinenz gegen Veselin Dimitrov zurück auf die MMA-Bühne.

Bis zu seiner Zwangspause konnte sich Afful eine Bilanz von neun Siegen bei drei Niederlagen erkämpfen und hatte sich bis dato unter anderem enge Auseinandersetzungen mit bekannten deutschen Kämpfern wie Anatoli Baal oder Kerim Engizek geliefert. Vor ausverkauften Rängen, unter den Augen seiner Fans, Familie, Teammitgliedern und zahlreichen Medienvertretern stellte er sich nun dem versierten Ringer Veselin Dimitrov von der Fightfabrik Bremerhaven.

Erst stellte er sich dem Ringer Dimitrov, eine Woche später unseren Fragen.

GNP1.de: Hallo Abeku, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu deinem Sieg. Für deine Fans, die zu größten Teilen live vor Ort waren, ist dein Erstrundensieg jetzt keine Neuigkeit mehr, aber schildere uns doch bitte deine ganz persönlichen Eindrücke des Kampfes.
Abeku Afful: Hallo. Nun ja, ich habe mich sehr gefreut auf diesen Kampf, diesen Moment in dem ich endlich wieder im Cage stehen konnte. Aber so direkt vor dem Kampf war ich zwar sehr fokussiert, aber irgendwie auch etwas nachdenklich. Aufgrund der Umstände, unter denen er zustande gekommen ist, warum er überhaupt so eine Bedeutung für mich hat und nicht zuletzt auch wegen der Stimmung in der Halle. Im Kampf selber waren meine Gedanken dann aber wieder sehr klar, doch ich habe auch deutlich den berühmten Ringrost gespürt. Das hat mich dann wohl auch etwas nervös werden lassen und ich hatte dadurch bei einem Kick nicht die richtige Stabilität. Ich habe meinen Gegner zwar gar nicht mal schlecht getroffen, aber ich bin dabei auch ausgerutscht und wir landeten beide am Boden. Mit ihm in meiner Guard habe ich dann gemerkt, dass Veselin noch etwas durcheinander war. Da sagte ich zu mir selbst: Jetzt musst du es probieren! Tja und dann hat es eben auch geklappt.

Mit „geklappt“ meinst du, du konntest einen Armbar anbringen und dein Gegner musste nach 3:09 Minuten in der ersten Runde aufgeben. Doch um die Bedeutung des Sieges wirklich einschätzen zu können, lass uns doch noch einmal gedanklich ein paar Schritte zurückgehen. Vielleicht sogar ganz an den Anfang deiner sportlichen Karriere. Wie hat das denn alles mal angefangen bei dir?
Also dann fange ich mal ganz am Anfang an (lacht). Geboren wurde ich in Ghana und ich kam dann im Alter von einem Jahr nach Deutschland. In Hamburg habe ich dann meine Heimat gefunden und wuchs dort, sportlich gesehen, eher mit Fußball auf. Ich spielte bis etwa zu meinem 25. Lebensjahr in verschiedenen Hamburger Mannschaften. Meinen ersten Kontakt mit Kampfsport hatte ich mit 16 Jahren bei einem Probetraining. Ich habe mir direkt die Nase gebrochen und hatte dann erstmal keine große Lust mehr auf diesen Sport (lacht). Wie viele meiner gleichaltrigen Freunde war auch ich damals ein großer Fan vom Catchen (Pro-Wrestling). Aber, ebenso wie viele meiner Freunde damals, war auch ich sehr enttäuscht, als wir alt genug waren um zu erkennen, dass die Kämpfe nur gestellt waren. Doch die Faszination am Boden-orientierten Kampf blieb und mit der großen Zeit von Pride FC, mit Namen wie Fedor Emelianenko, Wanderlei Silva und „Rampage“ Jackson, kam auch die Begeisterung für das MMA noch dazu. Tja und damit ging es dann los.

Also damit hatte es dich dann gepackt, wie man so sagt, und du hast mit dem Training begonnen?
Naja, also begeistert war ich dann auf jeden Fall von den Kämpfen. Aber zunächst eigentlich nur als Fan. Denn wo sollte ich denn trainieren? Es gab damals noch keine MMA-Gyms in Hamburg. Meine ersten sportlichen Schritte in dem Bereich machte ich dann, durch Vermittlung meines Cousins, bei Marcus Karallus. Doch das war ja eher Aikido und Kung Fu. Aber der Anfang und der Sprung vom Fan zum aktiven Sportler war damit zumindest gemacht. Mit Stationen über verschiedene bekannte Hamburger Kampfsportstudios, wie Gym-Kwan und dem Siamstore, machte ich dann auch meine ersten Kampferfahrungen, unter anderem sogar in Holland.

Was du beschreibst ist ja im Grunde beispielhaft für ähnliche Entwicklungen der damaligen Zeit, in vielen deutschen Städten und für viele Kämpfer aus den Anfängen des MMA in Deutschland. Wir haben aus anderen, ähnlichen Berichten davon gehört, dass es zu der Zeit schwierig war, an einem bestimmten Punkt dann auch den letzten entscheidenden Entwicklungsschritt hin zum MMA heutiger Prägung zu gehen. Wie hast du das erlebt?
Das ist ein sehr guter Punkt. Ich habe mir damals oft die Frage nach dem nächsten Level gestellt. Gerade im BJJ-Bereich steckte zu der Zeit vieles noch in den berühmten Kinderschuhen. Aber ich war mit der Frage nicht allein. Es entwickelten sich dann viele Teams, mit wirklich guten Kämpfern. Die sich auch mit der Sache beschäftigten und den Sport nicht nur als Nebensache ansahen. Es gab Jungs die da wirklich „all in“ gegangen sind. Wir trainierten alle zusammen und konnten so, uns und auch das MMA an sich, auf ein neues Level heben. Ich erinnere mich da an viele harte Sparrings! (lacht)

Das klingt nach einer spannenden Zeit. Aber so harmonisch, wie du es da beschreibst zeigt sich  die Hamburger Kampfsportszene doch nicht immer, oder?
Leider hast du da sehr recht. Es hielt dann auch nicht sehr lang mit dem gemeinsamen Training und viele gingen dann getrennte Wege, mit teilweise sogar starkem Konkurrenzdenken. So gründete ich nach der Trennung eben auch mein eigenes Team und sammelte damals meine ersten Erfahrungen als Trainer.

Wie ging es den im Ring bzw. Käfig für dich weiter?
Ich war damals viel unterwegs und kämpfte auf unterschiedlichen Veranstaltungen. Auch bis nach Österreich und versuchte, nicht nur erfolgreich zu sein, sondern mich dabei auch immer wieder weiterzuentwickeln.

Zeitlich befinden wir uns nun etwa im Jahr 2016, oder? Das war doch dann auch die Zeit, des Ereignisses, welches dein bisheriges Leben komplett verändern sollte? Kannst du uns dazu etwas erzählen?
Ja, du sagst es. Schon seit einiger Zeit hatte sich der Konkurrenzkampf unter den verschiedenen Hamburger Teams weiter verschärft. Man kämpfte nicht auf den selben Veranstaltungen und versuchte sogar, Druck auf die jeweiligen Veranstalter auszuüben. Im Mai 2016 kam es dann zu einem Überfall auf mich. Mehrere, mit verschiedenen Gegenständen, unter anderem auch mit Macheten bewaffnete Männer stürmten in das Gym, in dem ich gerade trainierte und griffen mich an. Dabei wurde mir mit der Machete fast die linke Ferse abgehackt und der Wadenmuskel durchtrennt.

Diese Ereignisse hallten damals medial durch ganz Deutschland, ich kann mich noch gut an die schockierenden Bilder erinnern. Aber wie ging es mit dir abseits der sensationsorientierten Berichterstattung weiter?
Naja, nach zunächst einmal zehn Wochen im Krankenhaus und acht Operationen teilten mir die Ärzte mit, dass ich eventuell wieder gehen könnte, aber das Gefühl im Bein und Fuß, sieben Zentimeter oberhalb des Knöchels, wohl nie wieder zurückkehren würde.

Das muss, gerade für einen Sportler, eine erschütternde Nachricht gewesen sein. Wie bist du damit, vor allem auch mental, umgegangen?
Also ich habe eigentlich bereits im Krankenhaus schon angefangen, mit Therabändern wieder leichte Übungen zu machen. Ich wollte mich damit nicht abfinden und habe mir dann in einer Art Trotz nach und nach kleine Ziele gesetzt. Als Erstes wollte ich einfach nur wieder auf den eigenen Beinen stehen. Als ich das geschafft hatte, wollte ich gehen. Und so weiter. Nach neun Monaten war es dann endlich soweit und ich konnte wieder ein paar wackelige Schritte ohne Hilfe gehen. Ab dem Moment wollte ich auch wieder kämpfen.

Allein bis zu diesem Punkt erscheint mir das schon als eine fast unglaubliche Geschichte. Aber das eigentliche Training, der Weg zurück in den Cage ging doch  nun erst richtig los, oder wie hast du das empfunden?
Ich habe mich die erste Zeit nur darauf konzentriert, Trainer zu sein. Ich hatte ja immer noch mein eigenes kleines Team. Bei meinem eigenen Training habe ich mich zunächst auf Grappling fokussiert. Darüber hinaus musste ich mich erst einmal wieder auf ein vernünftiges Fitnesslevel bringen. Meine ersten Versuche im Stand zeigten mir, dass ich vieles an meinen Bewegungsabläufen ändern muss. Ich musste zum Beispiel meine Auslage wechseln. Erstes Kampffeeling spürte ich dann wieder bei einem Grappling-Turnier. Dies gab mir viel Hoffnung. Einen Rückschlag erlitt ich dabei dann allerdings auch in Form einer Schulterverletzung. Aber ich fühlte mich dann zumindest so fit, dass die Suche nach einem Gegner starten konnte.

Wie ist es dann zu dem konkreten Kampf gekommen und wie lief die spezielle Vorbereitung?
Es war nicht nur schwierig, einen Gegner für den Kampf zu finden, sondern allein Sparringspartner zu bekommen, stellte sich schon als eine Herausforderung dar. Viele hatten Bedenken einhundert Prozent zu gehen. Auf der Suche nach einem Gegner für einen Kampf musste ich auch Abstriche machen. Ich kann einfach nicht mehr gegen jeden Gegner kämpfen. Noch dazu war es mir sehr wichtig, in Hamburg zu kämpfen.

Deine Wahl auf Hamburg für den Austragungsort, erscheint etwas verwunderlich. Ist der sowieso schon hohe Druck in so einem Comeback nicht zu Hause noch höher?
Ja das schon, aber ich liebe es einfach zu kämpfen, wenn die Leute hinter dir Stimmung machen. Da gehst du einfach weiter, über deine Grenzen hinaus auf ein ganz anderes Level.

Das mit Hamburg hat am Ende dann ja auch geklappt. Wie ist es denn zu Veselin Dimitrov als Gegner gekommen?
Es gab im Vorfeld unglaublich viele Gegnerwechsel. Bis kurz vor dem Kampf gab es noch ständig Veränderungen. Dabei mental konzentriert zu bleiben, war nicht einfach. Ich bin Veselin daher auch sehr dankbar, dass er den Kampf angenommen und mir damit die Möglichkeit zum Comeback gegeben hat. Da war es dann auch nicht mehr so entscheidend, dass er gut sechs Kilo mehr auf der Waage hatte. Ich wollte einfach wieder kämpfen.

Nun liegt der Kampf schon ein paar Tage zurück und der medial aufgewirbelte Staub konnte sich etwas legen. Wie schaust du rückblickend auf den Abend?
Ich war nach dem Kampf erst einmal unglaublich glücklich. Aber es kam dann auch schnell die Frage auf, was jetzt passiert. Ich möchte meinem Team und meinen Schülern, die mir soviel Kraft in der schweren Zeit gegeben haben und damit aber selbst in der Warteschleife festsaßen, etwas zurückgeben und werde mich daher auf meinen Job als Trainer konzentrieren. Ich habe ein, zwei Jungs versprochen sie fit zu machen für ihre eigenen Kämpfe.

Wird dein Comeback-Kampf somit auch gleichzeitig dein letzter Kampf gewesen sein?
Ja, eigentlich sollte dieser Kampf auch mein letzter Kampf sein. Aber bei einem „eigentlich“ klingt immer auch schon ein „aber“ mit (lacht). Ich mach das nur noch für mich, für den Spaß. Veselin war ein guter Gegner, aber für die Besten reicht es dann eben doch nicht mehr. Da muss ich auch ehrlich zu mir selbst sein. Allerdings sehe ich da auch noch einige in den German Top Ten, die ich kämpfen könnte. Und auch wenn ich auf solche Dinge normalerweise nichts gebe, aber es gibt da ja auch noch Kämpfer, die sich ungerecht behandelt fühlen und daher meinen, mich in den Sozialen Medien beleidigen zu müssen. Auch da kann man sich sicher einigen.

Das klingt jetzt alles eher noch ziemlich vage. Aber deine Fans würde es sicher freuen, dich auch weiterhin im Cage zu erleben. Wir werden also gespannt sein, wie deine sportliche Reise weitergeht. Wir bedanken uns an der Stelle sehr für das Gespräch und wünsche dir alles Gute, ob nun als Trainer oder doch noch einmal als Kämpfer.
Vielen Dank für eurer Interesse. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Ich bedanke mich aber auch sehr herzlich bei allen, die mich in der schweren Zeit unterstützt haben. Jede noch so kleine Aufmunterung hat mich motiviert weiter zu machen. Sport hält am Leben.

Das Interview führte Jens Hensen