Interviews

5. la familia Fightnight: Why so serious?

Christopher "Joker" Henze

Am 3. Mai wird Christopher „Joker“ Henze zum ersten Mal seit über einem Jahr wieder in den Ring steigen, und das auf einem der größten Events des Jahres: der 5. la familia Fightnight in Halle. Im exklusiven Interview holt er zum verbalen Rundumschlag aus.

Groundandpound.de: Am 3. Mai steigst du nach langer Zeit wieder in den Ring. Freust du dich oder bist du aufgeregt?
Christopher Henze: Ich freue mich, wieder kämpfen zu können. Ich habe mich wirklich gut vorbereitet und viel Zeit und Geld investiert. Die Vorbereitung startete mit einigen meiner Leipziger Trainingskameraden beim Phuket Top Team in Thailand. Seitdem bereite ich mich unter professionellsten Bedingungen und Top-Betreuung beim la lamilia Fightclub Halle und beim Boxclub Lokomotive vor. Die Diät läuft auch nach Plan, der 3. Mai kann kommen! 

Immerhin liegt dein letzter Auftritt über ein Jahr zurück. Kein Ringrost?
Sicher sind mehrere Kämpfe im Jahr von Vorteil, um eine gewisse Routine zu bekommen. Dennoch sind nach einer Auszeit der Wille und die Freude größer. Der schwerste Kampf war der erste, da man sich dort erst mal beweisen musste. Nun habe ich schon einige Kämpfe hinter mir und weiß daher eigentlich, was mich erwartet. 

Woran liegt es, dass man dich so selten kämpfen sieht?
Im letzten Jahr scheiterte es vor allem an mangelnden Angeboten. Als Debütant einen Kampf zu bekommen, ist definitiv einfacher. Ein Haufen Kämpfer wollen ihre Bilanzen nicht versauen und scheuen sich daher, gleichwertige Gegner zu kämpfen. Für mich sind Bilanzen für Mathematiker und spielen im Sport keine Rolle. Wer der bessere Kämpfer ist, erfährt man nur, wenn man direkt gegeneinander kämpft. Ich habe in erster Linie aus Selbstverteidigungszwecken mit MMA angefangen. Wenn man außerhalb von Leuten angegriffen wird, steht auch kein Kampfrekord und Ranking auf der Stirn geschrieben. Das sind Dinge, die mir nicht wichtig sind, auch wenn ich mich natürlich geehrt fühle, in meiner Gewichtsklasse aktuell auf Platz sechs der deutschen Rangliste gelistet zu sein. 

Du hättest gegen deinen ehemaligen Teamkameraden Ric Schreiter kämpfen sollen. Warum hat das nicht geklappt?
Vor zwei Wochen hatte dieser Kampf noch gar keine Brisanz, aber nun ist er mir wichtiger denn je. Schon nach der Kampfansetzung zweifelten einige daran, dass die Gegenpartei diesen Kampf ernst nehmen würde. Am 11. April kam die Meldung von Schreiter, dass er sich eine Verletzung an Knie oder Schulter zugezogen hätte. Er vertagte eine Entscheidung auf Montag, wo er einen Arzt aufsuchen wollte. Jeder, der sich ernsthaft wochenlang hart vorbereitet, will so schnell wie möglich Gewissheit über die schwere und Art seiner Verletzung. Wir leben auch im Jahr 2014, wo es in Deutschland im Umkreis von ein paar Kilometern für jeden eine erreichbare Klinik mit Röntgen/MRT-Geräten gibt, die auch am Wochenende geöffnet haben. Am Montag schaffte er es dann nicht zum Arzt, Dienstag war sein Handy aus und Mittwoch kam dann die Absage. Dieses Verhalten ist hochgradig unsportlich, unprofessionell und respektlos. Ich glaube, dass Schreiter diesen Kampf nie ernsthaft machen wollte. Um die Leute dennoch vom Gegenteil zu überzeugen, habe ich für ihn bereits mehrere Veranstalter kontaktiert. Zur Auswahl steht die Nachholung des Kampfes im Juni in Leipzig, im September bei la familia oder Ende des Jahres bei einer westdeutschen Organisation. Falls Schreiter das Rückgrat hat, soll er über mein Team – la familia Halle – mitteilen, wo wir diesen Kampf schnellstmöglich nachholen oder einen Zeitraum nennen, ab wann er bereit ist. Ein passender Veranstalter wird sich sicher finden. Ich brenne darauf und appelliere an Schreiters Ehre!

Für Schreiter ist Johnny Kruschinske eingesprungen, ein erfahrener Mann. Was für einen Kampf erwartest du?
Johnny ist für mich ein Paradebeispiel für die vorherigen Aussagen. Er hat viermal so viel Kämpfe wie ich und einen durchwachsenen Kampfrekord. Seine Niederlagen stammen aber ausschließlich aus Kämpfen gegen Top-Ten-Gegner aus Polen, der Schweiz, Österreich und Deutschland. Ein Großteil dieser Kämpfer schaffte es aber dennoch nicht, Johnny vorzeitig zu besiegen. Johnny ist ein wahrer Krieger, der sich vor keinem Namen scheut, sondern alle auf die Probe stellt. Für mich ist er ein wichtiger Prüfstein für meinen weiteren Weg und ich bin dankbar, dass er diesen Kampf angenommen hat. Da er vor einem Monat noch einen vorzeitigen Sieg gegen Andreas Braun in München einfahren konnte, denke ich, dass er fit ist und wir den Zuschauern einen ansehnlichen Kampf bieten können. Wie der endet, sehen wir am 3. Mai in der Halle Messe in Halle an der Saale. Am besten live vor Ort, wo ihr euren jeweiligen Favoriten zum Derbysieg treiben könnt. Da Johnny aus Dresden kommt, wird er auch sicher ein paar Leute mitbringen. Möge der Bessere gewinnen!

Die la familia Fightnight wird die größte Bühne, auf der du je gekämpft hast. Befürchtest du Lampenfieber?
Eine wirklich imposante Veranstaltung mit einer Menge europäischer Top-Kämpfer steht vor der Tür. Zusätzlich noch in einer Messehalle vor 3.000-4.000 Leuten. Dass la familia so etwas in Deutschland ermöglicht und mir dort eine Plattform bietet, erfüllt mich mit Stolz. Das Gefühl zu kämpfen ist aber immer das gleiche. Egal, ob vor zwei oder 2.000 Leuten. Die Konzentration gehört ausschließlich dem Kampf, denn jede Unachtsamkeit, jeder Fehler kann zum Ende führen. Eine Niederlage ist, was die meisten Kämpfer fürchten, aber das gehört zum Sport dazu, wenn man sich Herausforderungen stellt. Die Leute, die sich über eine Niederlage bei mir freuen würden, besitzen größtenteils nicht einmal die Fähigkeit eine gerade Faust zu schlagen oder kennen die Guard nur von Baywatch. Daher mache ich mir über solche Leute keine Gedanken! Jeder Athlet im Ring trainiert monatelang täglich hart für einen Kampf. Unabhängig davon, welcher Arm am Ende des Kampfes beim Urteil in die Luft gestreckt wird. Die individuellen Fähigkeiten nach der Vorbereitung und dem Kampf haben beide Kämpfer verbessert und darauf kommt es an. Mein Ziel ist es, immer besser zu werden und dafür muss man sich Herausforderungen stellen. Wenn man nur mit einem Sandsack trainiert, wird man seine Fehler nie aufgezeigt bekommen. Beim Sparring mit gleichwertigen oder besseren Kontrahenten spürt man dann schon, was man falsch macht. 

Schon einen Monat später kämpfst du bei Imperium FC. Ein straffes Programm.
Wenn ich die Location und die Vielzahl der starken Kämpfer sehe, wird dort tatsächlich ein neues Imperium im ostdeutschen MMA-Sport gegründet. Zusätzlich findet die Veranstaltung noch in meiner Heimat und im Cage statt. Die Kulisse wird sicher einzigartig und ich freue mich, dort kämpfen zu dürfen. Mein Gegner sollte ursprünglich ein ungeschlagener Kämpfer aus dem von seinem Trainer selbst ernannten "besten Team des Ostens" werden (First Fight Team, d. Red.). Leider kam da wochenlang keine konkrete Antwort. Offensichtlich waren sie damit beschäftigt, sich selbst zu feiern. So kann man seinen Rekord auch sauber halten. Glücklicherweise kam das Angebot gegen den Magdeburger Tobias Nierlich zu kämpfen. Er selbst blickt auf eine ungeschlagene Box- und K1-Karriere zurück und stand beim letzten la familia Grapplingcup auf dem Treppchen. Wenn ich mir anschaue gegen wen er im MMA verlor, handelte es sich dabei um wirklich starke Kämpfer. Zusätzliche Brisanz bietet der Kampf, da Nierlich vor ein paar Jahren einen guten Freund und Trainingskameraden von mir schlagen konnte. Ich nehme den Kampf sehr ernst und brenne auf die Rache und den Sieg für unsere Mannschaft. 

Das wären dann zwei Kämpfe 2014 – kommt da noch was?
Der Fokus liegt erst mal auf den zwei nächsten Kämpfen! Danach werde ich mir auch Gedanken um mein Gewicht machen. Derzeit nehme ich für die Kämpfe nur fünf Kilo ab. Meine Begegnungen mit europäischen Top-Kämpfern in jüngster Vergangenheit haben mir aber gezeigt, dass das viel zu wenig ist. Von daher werde ich mich nach den Kämpfen erst mal darum kümmern, ein paar Kilo draufzubekommen. Vorzugsweise nicht durch vermehrte Gänge zu diversen Fast-Food-Ketten. Danach sind ein paar Sachen im Gespräch, aber noch nichts, was spruchreif wäre.

Der letzte Satz gehört dir.
Zum Abschluss möchte ich jedem Kampfsport-Fan ans Herz legen, die Veranstaltungen vor Ort zu besuchen. Da sich die Veranstaltungen in Deutschland größtenteils über die Zuschauereinnahmen finanzieren, müssen wir die Hallen füllen, um solche Top-Kämpfe und tollen Shows auch zukünftig sehen zu können. Daumen drücken oder gefällt-mir klicken auf diversen Plattformen reicht leider nicht aus.
Ich danke meinen Trainern Benjamin Brinsa, Ferenc Schmidt, Mathias Weber, Tim Rödel, Kamil Wilk und Luc Rousseau für die gute Vorbereitung. Den Jungs von la familia Halle, Boxclub Lokomotive, Planet Eater Balingen und der Fight Academy Merseburg für das gute Sparring und meinen Sponsoren, die mich immer unterstützen, so dass ich mein Gewicht nicht durch Hungern erreichen muss.

Die 5. la familia Fightnight findet am 3. Mai in der Messe Eins in Halle/Saale statt. Weitere Informationen un Tickets gibt es unter www.la-familia-fightclub.de. Die komplette Fightcard im Überblick:

5. la familia Fightnight
3. Mai 2014
Messe, Halle

Einlass: 16:00 Uhr
Beginn: 18:00 Uhr

IKBO-Weltmeisterschaft / K-1
Max Birkner vs. Valdet Gashi

IKBO-Deutsche Meisterschaft / K-1
Heino Bögelsack vs. Marek Ljastschinskij

La Familia Championtitel / K-1
Nico Jänecke vs. Dalibor Music

K-1
Leo Bönniger vs. Chris Baya
Marco Piqué vs. Berat Aliu
Hakan Kilinc vs. Taylan Yesil
John Kallenbach vs. Waldemar Wiebe
Falk Monzel vs. Enrico Rogge
Oguz Övgüer vs. Jerry Otto
Kai Durak vs. Bruno Kabus
Florian Löwe vs. Toni Thes
Dave Herold vs. Robert Lemke
Dennis Schuster vs. Edgar Manz
Max Wiedemann vs. Maik Mittasch

MMA
Marcin Bandel vs. Musa Jangubaev
Benjamin Brinsa vs. Marif Piraev
Christopher Henze vs. Jonny Kruschinske