Boxen

Smokin' Joe Frazier

Smockin' Joe Frazier (Foto: abc News)

Er war ganz sicher einer der Größten im Boxsport – Joe Frazier. Jener Mann, der sogar den legendären Muhammed Ali schlagen konnte und in seiner Karriere vor allem vom Hass gegen ihn angetrieben wurde. Nie konnte er seinem übermächtigen Schatten entkommen. Im Alter von 67 Jahren ist Joe Frazier an den Folgen einer Leberkrebserkrankung  gestorben.

Der Hass trieb ihn jahrelang an – er saß ganz ganz tief bei Joe Frazier. Seine Abneigung gegen Cassius Clay (Muhammed Ali) hielt bis zum Lebensende, und er nahm diesen Hass sogar mit ins Grab. Bis zum letzten Atemzug brachte „Smokin' Joe“ es nicht übers Herz, sich mit seinem Gegner von einst zu versöhnen. Auch als Ali an Parkinson erkrankte, konnte er sich zu einer versöhnlichen Geste nicht hinreißen lassen. Wie tief dieser Hass auch nach der aktiven Karriere in ihm schlummerte, beschreibt wohl jene legendäre Szene aus dem Jahr 1996.  Der sprichwörtliche Feind war auserkoren, das olympische Feuer in Atlanta zu entzünden. Für viele Menschen auf der Welt ein unvergesslicher Moment, wie der inzwischen fest von seiner Krankheit gezeichnete Muhammed Ali die Flamme zum Lodern brachte. Über Joe Fraziers Lippen kam dabei nur eines: „Ich hätte ihn einfach in die Flamme geschoben...“

Bis zuletzt tiefer Hass. (Foto: dpa)

Vom Nesthäkchen zum olympischen Gold

Als jüngstes unter zwölf Kindern erblickte Frazier am 12. Januar 1944 in Beaufort/South Carolina das Licht der Welt. Später sollte die eigentliche Farmer-Familie erst nach New York ziehen, dann nach Philadelphia. Dort begann der damals 15-Jährige auch mit dem Boxen. Trainiert und entdeckt von den Trainerlegenden Yancey Durham und Willie Reddish, schuftete er nebenbei in einem Schlachthof. Wie später von Sylvester Stallone im Film „Rocky“ kopiert, soll er dort auf Rinderhälften eingeprügelt haben. Immer und immer wieder – mit den nackten Fäusten, bis die Knöchel blutig waren.

Aber nicht nur die Rinderhälften mussten den Dampf seiner Fäuste spüren, auch seine Gegner im Ring. Auf eine hervorragende Amateurkarriere kann Frazier verweisen. Gekrönt wurde diese 1964 in Tokio mit olympischem Gold im Schwergewicht. Im Finale besiegte er den Deutschen Hans Huber. Er gewann das Turnier, obwohl er nicht mal erste Wahl im Team gewesen war. Er wurde herangezogen, nachdem Buster Mathis sich verletzt zurückziehen musste. Sowieso war Mathis der Mann, der Frazier eine perfekte Amateurkarriere verbaute. Zweimal hatte er „Smokin' Joe“ nach Punkten besiegen können. Aber es sollte schließlich Frazier sein, der im Profisport zu höherem berufen schien.

Joe Frazier 1964 gegen den Deutschen Hans Huber. (Foto: USA Today)


Revanche gegen Mathis

Bereits kurz nach seinem Olympia-Sieg in Tokio ging der ehrgeizige Frazier ins Profilager. In seinem ersten Jahr schickte er drei Gegner schnell ins Land der Träume. 1966 steigerte er dies noch mal und stieg neunmal ins Seilquadrat. Nur ein einziger von ihnen musste nicht auf der Barre nach draußen getragen werden. Es war der zähe Argentinier Oscar Bonavena, der nicht nur über die volle Distanz mit Frazier ging, sondern ihn in Runde zwei auch zweimal zu Boden schickte. Am Ende stand dennoch ein nie gefährdeter Punktsieg. Im Jahr darauf erledigte der 1,82 Meter große Mann weitere sechs Kämpfer.

Inzwischen war Joe Frazier für alle ohne jeden Zweifel auf dem Weg zu einem Titelkampf, einem Fight also mit Muhammed Ali. Allerdings wurde diesem vor einem möglichen Gefecht der Titel abgenommen, weil der sich strikt weigerte, seinen Wehrdienst anzutreten. Zu dieser Zeit organisierten die unterschiedlichsten Boxorganisationen, auf der Suche nach einem Nachfolger, eigene Wettbewerbe. Frazier selbst nahm am New Yorker Turnier der WBC teil.

Dort traf der damals 27-Jährige im Madison Square Garden auf seinen alten Widersacher Buster Mathis. Frazier revanchierte sich für seine beiden Niederlagen, indem er Mathis in der elften Runde ausknockte und sich zum neuen Champion kürte.

Aber Frazier übertraf das ganze noch am 16. Februar 1970. Erneut im Madison Square Garden sollte er sich zum unumstrittenen Champion fighten. Gegner war der WBA-Titelträger Jimmy Ellis. Für viele ein heiß erwarteter Showdown, der klären sollte, wer der wirkliche Nachfolger von Muhammed Ali ist. Nach kurzen Anfangsschwierigkeiten legte Frazier Ellis in Runde vier flach.

Immer wieder trifft Fraziers linker Haken das Kinn von Ali. (Foto: Guardian)


The Fight of the Century

Joe Frazier war angekommen – angekommen im Boxolymp. Dennoch blieb ein Makel am sonst lupenreinen Kampfrekord. Er mag zwar unbestrittener Weltmeister auf dem Papier gewesen sein, aber alle hielten sie den großen Muhammed Ali für den wahren Champion. Er war anscheinend ein Weltmeister ohne Glanz, hatte er zwar die Titel geholt, dennoch den weltbesten jener Epoche bisher nicht vor den Fäusten gehabt. Lautstark verlangte nun auch alle Welt nach einem Kampf zwischen den beiden, den jeweils ungeschlagenen Titanen des Rings. Frazier selbst rechte sogar eine Petition bei Präsident Richard Nixon ein, dass man Ali doch bitte zurück in den Ring ließe. Sein Ruf sollte erhört werden.

Ali hatte nun seit seiner Rückkehr zwei Fights bestrittenen und forderte endlich ein Duell. Und auch die Zeiten, als Promoter es eigentlich scheuten, zwei Schwarze in den Ring zu schicken, waren vorbei. Zudem versprach das Aufeinandertreffen finanziell eine damals neue Dimension. Je 2,5 Millionen US-Dollar wurden für die Kontrahenten aufgerufen.

Es sollte in jeder Hinsicht also der Kampf des Jahrhunderts werden, ein Duell, das ganz New York elektrisierte. Und beide heizten das Duell im Vorfeld mit ihrem unbändigen Hass immer mehr an. So nannte Frazier Ali hartnäckig bei dessen Geburtsnamen Cassius Clay, den dieser als seinen sogenannten „Sklavennamen“ abgelegt hatte. Ali konterte immer wieder mit neuen Beleidigungen. Für ihn war Frazier eine Marionette, der liebe nette Champion des weißen Mannes.  „Smokin' Joe“ verkörperte in seinen Augen alles, wogegen er protestierte.

Am Ende musste Ali erstmals in seiner Karriere auf die Bretter. (Foto: dpa)


Sinatra besorgt sich Fotografen-Job

Es sollte ein gigantisches Spektakel werden, und wirklich jeder wollte dabei sein. Selbst Bundeskanzler Willy Brandt soll sich mitten in der Nacht haben wecken lassen, um den Fight live im Fernsehen zu verfolgen. Um dabei zu sein, hat sich zudem Hollywood-Superstar Frank Sinatra einen Auftrag als Fotograf besorgt. Alles war also angerichtet für den Kampf der Kämpfe.

Am Ende gab es keinen Kampf, sondern eine Schlacht. Über 15 Runden lang prügelten beide Männer auf sich ein. Immer wieder traf Ali mit seinen stechenden Jabs, Frazier wiederum traf seltener – dafür aber heftiger. In Durchgang elf erwischte er Ali derartig hart mit einem linken Haken, dass dieser beinahe auf dem Ringboden gelandet wäre. In der letzten Runde gab es dann den gleichen Schlag nochmal für den ehemaligen Weltmeister aller Klassen. Diesmal musste er zu Boden, wirkte dabei schwer getroffen. Wundersamerweise sollte er aber vor dem Ende des Zählens wieder auf den Beinen sein, danach rettete ihn die Uhr. Das sollte aber keine Rolle mehr spielen, denn alle drei Kampfrichter sahen am Ende Frazier eindeutig vorn, und dieser schwang sich auf den nun unumstrittenen Thron.

Gegen Foreman hatte Frazier keine Chance. (Foto:sportsnet)


Fraziers Ruf am Boden

Der größte aller Zeiten war geschlagen – was sollte „Smokin' Joe“ nun noch eigentlich aufhalten? Die Antwort gab es ein paar Kämpfe später! Frazier suchte nach einem neuen hungrigen Gegner, den er im aufgehenden Stern George Foreman fand.

In Kingston sollten beide am 22. Januar 1973 in den Ring steigen. Einen Tag zuvor war Foreman gerade einmal 25 Jahre alt geworden. Frazier selbst hatte vor dem Kampf mit der Dampfwalze aus Texas schon die Bedingungen für einen Rückkampf mit Muhammed Ali ausgehandelt. Allerdings zu früh, denn der Kampf gegen Foreman sollte Fraziers Ruf als „Iron Man“ des Seilquadrat zerstören!

Gerade einmal fünfeinhalb Minuten dauerte das Spektakel. In dieser Zeit wurde der Weltmeister Frazier ganze sechsmal brutal zu Boden gefördert. Es war der Fight, in dem Foreman jeglichen Zweifel an seiner furchtbar erregenden Schlagkraft zerstreute. Am Ende wackelte Frazier wie in Trance durch den Ring.

The Thriller in Manila.


Setz dich mein Sohn...

Noch einmal wollte Frazier nach seiner schrecklichen Niederlage gegen Foreman Weltmeister werden. Einen Rückkampf gegen Foreman verhinderte Fraziers Niederlage im zweiten Gefecht gegen Ali, der dafür gegen den Weltmeister antreten durfte und diesen entthronte. Was nun folgen sollte, ging erneut in die Boxgeschichte ein – als sogenannter „Thriller in Manila“ – dem dritten Aufeinandertreffen von Muhammed Ali und Joe Frazier.

Es sollte eine epische Schlacht werden, ein Duell, das wahrhaftig im Angesicht des Todes ausgetragen wurde. Wie Ali später der Welt mitteilen ließ, soll die Pforte zum Himmel für ihn schon weit aufgestanden haben. Aufgrund der Hitze auf den Philippinen und der TV-Übertragung in den USA, fand der Kampf am schwülheißen Vormittag des 1. Oktober 1975 im Arenesta Kollosseum statt.

In der Pause zur letzten Runde war es dann Trainer Eddie Futch, der seinen Schützling Frazier nicht mehr hinaus in den Ring lassen wollte. „Nein Eddie, das kannst du mir nicht antun“ soll ein völlig entstellter Frazier entgegengesetzt haben. Am Ende siegte die Vernunft des Coaches über den Ehrgeiz des Schülers. „Es ist vorbei. Setz dich mein Sohn. Du kannst nichts mehr sehen, der nächste Schlag kann tödlich sein...“.

Es sollte die bis dahin dritte Niederlage für Frazier sein, seine letzte gab es in einem anderen Rückkampf. Gegen George Foreman wollte er es noch mal wissen und wurde auch im zweiten Duell vernichtend geschlagen. Die große Boxkarriere des Joe Fraziers war vorbei. Ein Comebackversuch 1981 sollte mit einem Unentschieden gegen Floyd Cummings scheitern.

Das Gym von Joe Frazier zum Verkauf. (Foto: USA Today)


Am Ende Pleite

Als Boxer verdiente Frazier über die Jahre Millionen von Dollar, am Ende blieb ihm davon nicht viel. Mit Fehlspekulationen bei Immobiliengeschäften verlor er sein Vermögen. Auch die falschen Freunde waren zur richtigen Zeit da, um ihn um sein Geld zu bringen. Bis 2008 betrieb er dann noch ein Gym in Philadelphia und lebte in normalen Verhältnissen.

Joe Frazier war ganz sicher nicht der größte Champion aller Zeiten, aber ganz sicher wohl einer der Größten! Sein Leben war spannend, von den Anfangsjahren über diverse Ringschlachten. Frazier galt als boxerisch limitiert, der allerdings wahnsinnig einstecken konnte und dann austeilte. Er war das typische Paradebeispiel für den Fighter, der erstmal zwei-drei Schläge nimmt, um dann einen entscheidenden landen zu können.

Nicht umsonst galt Fraziers Stil zu boxen Sylvester Stallone bei vielem als Vorlage für seine Filmfigur Rocky Balboa. Die Rinderhälften wurden schon genannt und Frazier durfte sich im ersten „Rocky“-Streifen zudem selbst spielen. Auch verwundert es nicht, dass der große Gegenspieler im Film – Apollo Creed – sehr an Muhammed Ali erinnert. Bei Stallones Filmsaga werden die Kontrahenten später gute Freunde. Auf Muhammed Ali und Joe Frazier sollte es bis zum letzten Atemzug beim tiefgründigen Hass bleiben.