Kolumnen

Zweiklassengesellschaft bei Zuffa

Ein Grund, warum Mixed Martial Arts in den letzten Jahren so beliebt geworden ist, ist die Nähe der Kämpfer zu ihren Fans. Besonders Zuffa legt Wert darauf, dass ihre Kämpfer einen Account bei Twitter und Facebook haben und dort mit ihren Fans kommunizieren. Die Organisation gibt sogar Boni an Kämpfer aus, die auf Twitter besonders aktiv und kreativ sind. Dass diese Politik aber auch ihre Schattenseiten hat, konnte man in den vergangenen Tagen sehen, als Muhammed „King Mo“ Lawal zum zweiten Kämpfer wurde, der aufgrund einer Nachricht auf Twitter von Zuffa gefeuert wurde.

„King Mo“ bezeichnete Pat Lundvall, die ihn bei seiner Anhörung vor der Sportkommission von Nevada gefragt hatte, ob er englisch versteht und lesen kann, als „rassistische Schlampe“. In wie weit die Aussage verständlich und die Worte von Lundvall schlecht gewählt waren, soll hier nicht näher beleuchtet werden, vielmehr stellt sich die Frage: Warum wurde Lawal entlassen, weil er eine Frau als „Schlampe“ bezeichnet hatte? Schließlich nutzte UFC Präsident Dana White die selbe Bezeichnung für die Reporterin Loretta Hunt, als er sich 2009 von einem ihrer Artikel angegriffen fühlte.

Eine Theorie, die verständlicherweise derzeit die Runde macht, besagt, dass Zuffa die gleiche Strategie verfolgt, wie sie es bereits mit Alistair Overeem gemacht haben, als dieser aus Strikeforce entlassen wurde, nur um kurz darauf bei der UFC zu unterschreiben. „King Mo“ wurde aufgrund seines positiven Dopingtests bis September gesperrt und ist aufgrund mehrerer Operationen derzeit ohnehin nicht in der Lage, Kämpfe zu bestreiten oder zu trainieren, weswegen diese Entlassung zu einem strategisch durchaus passenden Zeitpunkt kommt. Ob diese Theorie sich als wahr entpuppt, was Mike Kogan, Lawals Manager, in einem Interview mit Ariel Helwani dementierte, wird sich im Laufe des Jahres zeigen.

Wenn man diesen Gedanken außer Acht lässt, und der einzige Grund für die Entlassung von Lawal besagter Tweet war, dann stellt sich wieder die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Reaktion der UFC zum Vergehen des Kämpfers. Sicherlich ist die Bezeichnung eines Mitglieds der Sportkommission als „Schlampe“ mehr als unpassend und kann durchaus als Entlassungsgrund anerkannt werden, dennoch steht an der Spitze der UFC immer noch ein Mann, der eine Reporterin ebenso bezeichnet hat und der scheinbar nur von offiziellen „Idioten“ und „Dummköpfen“ umgeben ist. Dazu fallen einem in diesem Zusammenhang noch Forrest Griffin und Rashad Evans ein, denn weder Griffins Vergewaltigungswitz auf Twitter noch Evans Verweis auf einen Missbrauchsfall bei einer Pressekonferenz wurden von der UFC geahndet.

Lediglich Miguel Torres befand sich in der gleichen Situation wie Lawal, als er ebenfalls nach einem unpassenden Tweet von der UFC entlassen wurde. Bereits damals wurden die Stimmen laut, dass die UFC mit zweierlei Maß messen würde, wenn es um die Aussagen und Aktionen ihrer Kämpfer ginge.

Brock Lesnar hatte beim größten Pay-per-View der UFC, UFC 100, nach seinem Sieg über Frank Mir den Hauptsponsor der UFC verhöhnt und sich noch weitere Entgleisungen geleistet, aber nach einer Entschuldigung von Lesnar war alles wieder in Ordnung.

Quinton „Rampage“ Jackson fiel nicht nur in letzter Zeit durch seine ständigen Unmutsbekundungen gegenüber der UFC auf, sondern er machte bereits Schlagzeilen, als er nach einem Unfall Fahrerflucht beging. Damals holte White Jackson persönlich aus dem Gefängnis und auch sein sexistisches Verhalten in Interviews mit Karyn Bryant von MMA Heat hatte bisher keine Konsequenzen für Jackson.

Torres war zwar der Bantamgewichtschampion und eines der Gesichter der WEC, für UFC Fans war er dennoch ein unbeschriebenes Blatt. Ähnliches trifft auf Lawal zu, der zwar Halbschwergewichtschampion von Strikeforce war, in den USA aber immer noch nicht zu dem Publikumsmagneten geworden ist, den sich Strikeforce erhofft hatte. Dennoch war er einer der am besten bezahlten Kämpfer der Organisation, weswegen es Zuffa nicht schwer gefallen sein dürfte, ihn zu entlassen.

Für Kogan ist es verständlich, dass Zuffa eine Zweiklassengesellschaft führt, was seiner Meinung nach auch das Recht eines privaten Unternehmens ist, dennoch sollte sich die größte MMA-Organisation der Welt langsam Gedanken machen, ob sie mit dieser Politik auf Dauer weitermachen kann, wenn es ihr gelingen will, in den Augen der Öffentlichkeit als seriöses Unternehmen, das einen seriösen Sport betreibt, wahrgenommen zu werden.

Dass Zuffa seinen Kämpfern keine Liste mit Worten geben will, die sie nicht verwenden dürfen, ist verständlich, da White selbst wahrscheinlich regelmäßig dagegen verstoßen würde. Um jedoch den Kämpfern zu zeigen, welche Aussagen noch akzeptabel sind, und was man nicht mehr durchgehen lässt, wird es Zeit eine konsequente Linie zu fahren – egal welchen Kämpfer es am Ende trifft.