Kolumnen

Yamatodamashii

Peter Angerer

Die erste Ausgabe der Kolumne „Yamatodamashii“, die der deutsche MMA-Pionier Peter Angerer monatlich für unser Journal schreibt, exklusiv zum Start unserer neuen Website.

German Vale Tudo kommt!

Die erste organisierte Amateurliga im MMA bringt viel Neues für unseren Sport in Deutschland.

Die UFC boomt. Es besteht wohl nicht der geringste Zweifel an der Größe, der Vormachtstellung weltweit und des Medienspektakels, das die Ultimate Fighting Championship verkörpert und präsentiert. Dank Dana White kommt unser Sport nun auch wöchentlich in die deutschen Wohnzimmer und Otto-Normalverbraucher kann sich sein Bild über die „gemischten Kriegskünste“ samt Pauken, Trompeten und Medienspektakel machen. Doch das Bild, das die UFC für den unbedarften Zuschauer zeichnet, ist nicht unbedingt das Bild, mit dem Sportler für ihren Sport werben wollen. Denn wenn man hinter die Kulissen schaut, dann fällt einem schnell auf, dass es in Deutschland schlichtweg so gut wie keinen Amateurbereich im MMA gibt. Unter dem ganzen Jubelgesang auf die UFC und Konsorten ist der Ruf nach einer breiten Basis für den Sport und eine entsprechende Aufbauarbeit schlichtweg untergegangen. Und das ist keine Entwicklung, sondern ein nicht zu akzeptierender Zustand, den es zu ändern gilt.

Genau wie in jedem anderen Kampfsport gehört ein anständiges Training unter fachlicher Leitung her. Die Übungsleiter müssen in allen Bereichen der MMA geschult sein. Die einfache Formel „Ich habe drei Jahre Judo gemacht und nebenher geboxt“ ist kein Garant, dass hinter dem Ist-Zeichen auch MMA herauskommt. Vielmehr ist ein drittklassiges Boxen mit bedauerlichen Ansätzen von Ringkampf die Folge. Aber um das ganze aufzuwerten, wird der Kampf dann einfach auf der nächsten Kickboxgala als „Profikampf“ im „Ultimate Fighting“ deklariert. Wirklich fachkundiges Publikum ist in unserem Lande ja leider noch recht rar und der groben Masse, die in Festlaune nach ein paar Bierchen dem munteren Treiben im Ring zusieht, fällt da sowieso nichts auf. Also alle zufrieden, oder?

Nein! Wenn wir wollen, dass MMA in der breiten Öffentlichkeit als Sport anerkannt wird, dann muss MMA von den Aktiven und Offiziellen auch als Sport betrieben und präsentiert werden. Dann muss der Kämpfer eben seine regelmäßigen sportärztlichen Untersuchungen durchlaufen, einen Kampfpass haben, seine Ergebnisse müssen dokumentiert, ausgewertet und aufbereitet werden und seine sportliche Leistung muss sich weiterentwickeln können. Und das gemessen an einem internationalen Standard, den es zu erreichen und zu übertreffen gilt. Und das ausschließlich durch eine athletische Darbietung und nicht durch irgendwelche reißerischen Äußerungen in der Öffentlichkeit oder durch Skandale. Und genau hier zeigt sich die Kehrseite der Medaille. Die UFC präsentiert nicht den Sport MMA, sondern das sensationsgeschwängerte Blut- und Fightspektakel, mit dem sich die UFC weltweit gut vermarkten lässt. Hier zählen Pay-Per-View-Verkäufe, Merchandising und Lizenzgebühren und nicht irgendeine athletische Leistung eines Sportlers. Schade. Denn während wir alle dem Spektakel der UFC zuschauen und uns davon unterhalten lassen, geht der Sport MMA in unserem Land ein bisschen vor die Hunde. Events und Labels schießen wie Pilze aus dem Boden und ich als Pionier dieses Sports in Deutschland habe gar nicht gewusst, wie viele „Profis“ und fachkundige Trainer wir in unserem Land haben. Da scheint ja an jeder Ecke ein Hochleistungsausbildungsspezialzentrum für „Cagefighting“ oder „Ultimate Fighting“ zu entstehen. Käfig rein in die Halle und fertig! Und wer hier auf einmal schon seit Jahrzehnten im Freefight... äh, ich meine im MMA, aktiv ist und schon was weiß ich was für Kämpfer herausgebracht hat… Meine Herren, ich bin ja so unwissend. Gott sei Dank!

Wenn alles so wäre, wie es uns manche weismachen wollen, dann hätten wir in Deutschland ein stehendes Heer von MMA-Sportlern im Amateurbereich. Dann wäre die Szene in Deutschland transparenter und vor allem auch für jeden „Normalo“ nachvollziehbar und verständlich. Dann würden aus dem Amateurlager jedes Jahr neue Profis herauswachsen, die man entsprechend dem Leistungsstand national oder international einsetzen kann und die sich hierdurch weiterentwickeln können. Ja, so sollte das sein. Und genau da möchte ich hin!

Losgelöst von jeglichem Verband oder wirtschaftlichem Interesse wird im kommenden Jahr „German Vale Tudo“ im Amateurbereich der MMA tätig werden. Ziel ist es, den Sportlern regelmäßig Kämpfe unter Amateurregeln mit entsprechender Schutzausrüstung bieten zu können. Kämpfe werden streng beaufsichtigt und von einer Kommission gesetzt und ausgewertet. Alle Kampfergebnisse werden gelistet, öffentlich gemacht und verwertet. Der Amateursport MMA hat keinen Platz für „Closed Door Events“. Wir wollen, dass Zuschauer kommen und sich ein objektives Bild über einen Sport machen können, der uns allen am Herzen liegt. Mit insgesamt sechs Amateurveranstaltungen, einem internationalen Amateurturnier und einer international besetzten Profigala bietet German Vale Tudo als Label, aber auch als Institution des Sports, allen Interessierten eine Plattform, auf der man unseren Sport öffentlichkeitstauglich präsentieren und darbieten kann. Und damit generieren wir eine Kultur des Sports für unseren Sport. Wenn es dann in ein paar Jahren immer mehr von den gewachsenen Profis in die UFC schaffen und damit bei dem am besten zahlenden Arbeitgeber in unserem Bereich unter Vertrag kommen, dann wird auch die UFC von dem Talent und Können dieser Sportler profitieren.

Letztendlich muss jeder selber entscheiden, welchen Weg er gehen will. Ob er ein Handwerk lernen will, oder mit dem Klappern zufrieden ist. Ob er MMA unterstützen und sich dabei weiterentwickeln will, oder ob er schon von Haus aus zu gut für ein Amateurlager ist. Spätestens im Januar 2010 wird der Öffentlichkeit und unserer Szene in Deutschland die Antwort hierauf präsentiert. Und jeder, der will, kann dabei sein. Ausführliche Informationen zu den aktuellen Terminen, Regeln etc. rund um das Thema „GVT“ gibt es auf unserer Webseite www.germanvaletudo.de.