Kolumnen

Wochenend-Punktzettel

Pawel Wolak (r.) und Delvin Rodriguez lieferten sich den Thriller des Wochenendes. Foto: Carlos Suarez Jr./Mpsportimages.com.

GroundandPound wirft einen Blick auf die wichtigsten Boxkämpfe des vergangenen Wochenendes.

Pawel Wolak vs. Delvin Rodriguez

Delvin Rodriguez (25-5-3, 14 KO) und Pawel Wolak (29-1-1, 19 KO) lieferten sich im Hauptkampf von ESPN Friday Night Fights den zweifelsohne actiongeladensten Fight des Wochenendes.

Rodriguez konnte von seinen letzten vier Kämpfen nur einen einzigen gewinnen, alle drei Niederlagen waren jedoch sehr knappe und höchst diskutable Punktentscheidungen. Diese Tatsache hatte den 31-Jährigen offenbar derart mitgenommen, dass er sich eine einjährige Auszeit vom Boxsport verordnete, die er nun mit diesem Comeback-Fight gegen Wolak beendet hat. Gleichzeitig war dieses Duell die Premiere im Halbmittelgewicht für den früheren Weltergewichtler.

Wolak konnte zuletzt den früheren Titelträger Yuri Foreman in der sechsten Runde stoppen und ließ von Beginn an wenig Zweifel, dass er Ähnliches auch mit Rodriguez vorhatte. Wolaks Stärke ist der Infight. Und so marschierte er unaufhörlich vorwärts und deckte Rodriguez am Mann mit Kombinationen en Masse ein.

Rodriguez stellte sich auf den Druck jedoch schnell ein und konterte den hereinstürmenden Wolak immer wieder mit Aufwärtshaken, schaffte sich Distanz und attackierte seinerseits mit Kombinationen, die gegen Ende des Duells in einer grotesken Schwellung über dem rechten Auge des Polen resultieren.

Sicher war kein anderer Kampf dieses Wochenendes so schwer zu werten wie dieser. Es standen Wolaks Aggressivität und Tempo, gegen die Schlaggenauigkeit und Effektivität von Rodriguez. Zwei von drei Punktrichtern entschieden letztlich auf ein 95:95 Unentschieden, einer sah Rodriguez mit 97:93 vorn.

Ein gerechtfertigtes Urteil in einem enorm spannenden und sehr knappen Fight. Auf die Frage nach einem Rückkampf antworteten beide Boxer simultan: „sicher“. Sicher hätte niemand, der den Kampf gesehen hat, etwas dagegen.

GroundandPound-Wertung:
Der beste Fight des Wochenendes. Ansehen!

Juan Manuel Marquez vs. Likar Ramos

Juan Manuel Marquez. Foto: Top Rank.
Juan Manuel Marquez (53-5-1, 39 KO) besiegte den Kolumbianer und früheren World Boxing Association und World Boxing Organization-Interimschampion im Super-Federgewicht, Likar Ramos (24-4-0, 18 KO), Samstagnacht in Cancun, Mexiko, nach nur 1:47 durch KO. Ramos sollte als Aufbaugegner für Marquez fungieren, der seit acht Monaten nicht mehr im Ring stand und im November in einem großen Fight ein drittes Mal auf Manny Pacquiao treffen wird.

Rechtsausleger Ramos sollte „Juanma“ entsprechend dabei helfen, den Ringrost loszuwerden. Ob das geklappt hat (oder überhaupt nötig war) ist jedoch fraglich. Ramos agierte recht defensiv, landete keinen einzigen Treffer und kassierte vom Marquez schließlich eine krachende Rechte, die ihn auf die Bretter schickte. Dort blieb er, scheinbar bewusstlos, liegen. An der Echtheit des Knockouts herrscht seitdem aber kollektiver Zweifel. Die Vermutung, Ramos wollte sich zwar seine Kampfgage abholen, mit dem um Welten besseren Marquez aber so wenig wie möglich zu tun haben, steht im Raum. Überzeugt euch selbst, hier ein Video des fragwürdigen „Knockouts“:



Ob echter KO oder nicht, viel Ring-Zeit konnte Marquez davor nicht sammeln. Gegen Pacquiao wird es im November selbstverständlich schwerer für den 37-jährigen WBO und WBA-Weltmeister. Fakt ist, dass Marquez in den gut eineinhalb Minuten noch immer recht spitzig aussah, seine Schläge akkurat, schnell und ganz offensichtlich auch noch immer hart trafen. Eine wirklich qualifizierte Aussage über Marquez’ Form lässt die Kürze des Auftritts aber dennoch nicht zu.

GroundandPound-Wertung: Kontrovers, kurz und knackig.

Julio Cesar Miranda vs. Brian Viloria

Der Federgewichtsgürtel der World Boxing Organization stand Samstagnacht in Hawaii auf dem Spiel und wechselte nach einem temporeichen Duell den Besitzer. Julio Cesar Miranda (35-6-1, 28 KO), zu dem Zeitpunkt noch Titelträger, musste bereits in der ersten Runde nach einem linken Haken Brian Vilorias (29-3-0, 16 KO) auf die Bretter. Danach verfolgte er seinen Herausforderer ununterbrochen, kassierte aber eine Kombination nach der nächsten und traf selbst kein einziges Mal.

Erst ab der Mitte des Fights wurde das Duell ausgeglichener und beide Boxer tauschten in der Ringmitte Bomben, klingelten sich gegenseitig mehrfach an. Die Punktrichter entschieden letztlich mit 117:110, 115:113 und 114:113 für den neuen Weltmeister Brian Viloria.

GroundandPound-Wertung: Temporeiche Ringschlacht, inklusive Titelwechsel.

Marco Huck vs. Hugo Hernan Garay

Wie in unserem ausführlichen Veranstaltungsbericht bereits beschrieben, verteidigte Marco Huck seinen WBO-Cruisergewichtsgürtel am Samstag ein siebentes Mal. Natürlich muss man sagen, dass Gegner Hugo Hernan Garay nicht eben zur Weltspitze des Boxsports gehört. Dennoch zeigte sich der Argentinier zäh und lieferte einen couragierten Fight ab. Huck boxte jedoch beständig, behielt in den teils unübersichtlichen Schlagsequenzen die Übersicht und fuhr so einen Punktsieg heim.

Der einzige Fight, der momentan für Huck und die Fans wirklich Sinn machen würde, ist ein Rückkampf gegen Steve Cunningham. Cunningham ist ebenfalls bei Sauerland unter Vertrag, im Besitz des International Boxing Federation-Titels und der einzige, der Huck bislang eine Niederlage beibringen konnte. Hinter den Kulissen wird dagegen an einem Vereinigungs-Duell gegen World Boxing Council-Weltmeister Krysztof Wlodarczyk gearbeitet, so dass wir dieses wahrscheinlich noch in diesem Jahr erwarten können.

GroundandPound-Wertung: Huck as usual – wenig Technik, aber sehr viel Action.

Kevin Mitchell vs. John Murray

Auch auf der Insel wurde am Samstag geboxt. Kevin Mitchell (32-1-0, 24 KO) und John Murray (31-1-0, 18 KO) lieferten sich eine wahrhaftige Materialschlacht, bei der es die Punktrichter nicht einfach hatten. Glücklicherweise wurden sie auch nicht gebraucht, denn Mitchell stoppte den bis dato ungeschlagenen Murray im achten Durchgang mit einer Serie von Schlägen, nachdem er ihn kurz zuvor mit einem Aufwärtshaken auf die Bretter geschickt hatte.

Murray befand sich fast den gesamten Kampf über im Vorwärtsgang, bestimmte das Tempo und landete harte Treffer, musste im Gegenzug aber mindestens ebenso viele akkurate Konter einstecken. Ein solcher leitete schließlich auch das Ende dieses rein britischen Leichtgewichtsduells ein. Mitchell konnte sich so, nach seiner Niederlage gegen Michael Katsidis im Mai, erfolgreich zurückmelden und obendrein den WBO-Intercontinental-Titel mit nach Hause nehmen.

GroundandPound-Wertung: Materialschlacht auf der Insel mit passendem Finish.

Diego Magdaleno vs. Alejandro Perez

Im Hauptkampf der Jubiläumssendung von ShoBox – dem Boxformat für Nachwuchstalente des US-Bezahlsenders Showtime  – konnte sich Diego Magdaleno (20-0, 7 KO) deutlich gegen Alejandro Perez (15-3-1, 10 KO) durchsetzen. Perez boxte mit Herz, war allerdings chancenlos gegen den ungeschlagenen Magdaleno, der nun für größere Aufgaben in der Super-Federgewichtsdivision bereit ist. Die offizielle Wertung: 99-90, 98-91 und 98-90 für Magdaleno.

GroundandPound-Wertung: Herzlichen Glückwunsch zum zehnjährigen Jubiläum ShoBox! Der Hauptkampf war solide – nicht mehr und nicht weniger.