Kolumnen

Wo sind die dominanten Champions hin?

BJ Penn: Ein Bild aus ruhmreicheren Zeiten. (Foto via Zuffa LLC)

UFC 118 ist Geschichte und während der Kampf zwischen James Toney und Randy Couture so verlief, wie viele es erwartet hatten, so ist doch kaum einer davon ausgegangen, dass Frankie Edgar den kompletten Kampf gegen BJ Penn dominieren würde. Dabei wurde nur das bestätigt, was man in den letzten Monaten allgemein im MMA-Sport sehen konnte: Es gibt keine übermenschlichen Kämpfer mehr. Penns erste Niederlage wurde von vielen nicht als solche anerkannt. Einige sahen ihn nach Punkten vorne, andere redeten von Verletzungen und Penn selber erzählte Dana White etwas von einer Erkrankung. Also gab es einen sofortigen Rückkampf, der deutlich machte, dass Penn nicht mehr der dominante Kämpfer ist, der er früher einmal war. Allerdings ist er nicht als Einziger in dieser Situation.

Erst bei UFC 117 hatte Chael Sonnen gezeigt, dass auch Anderson Silva nur ein Mensch ist. Sonnen konnte am Ende zwar keinen Sieg für sich verbuchen, obwohl er Silva für über vier Runden dominiert hatte, dennoch hat er aus dem dominanten Silva einen besiegbaren Champion gemacht. Der als übermächtig geltende Silva war verwundbar und während er für einige, durch den am Ende überraschenden Sieg, nur zu einem größeren Champion wurde, so wurde von anderen sofort die Frage gestellt, ob er nicht überbewertet wurde.

Blickt man auf UFC 116, dann kann man auch dort einen Champion sehen, der nach mehreren dominanten Siegen auf einmal ebenfalls menschlich wirkte. Nachdem Shane Carwin den UFC Schwergewichtschampion Brock Lesnar mit einem Schlag zu Boden gestreckt hatte, war er allerdings nicht in der Lage, den Kampf zu beenden und musste in der zweiten Runde in einem Arm Triangle Choke aufgeben. Allerdings hatte Carwin den Fans gezeigt, dass auch ein so körperlich beeindruckender und den meisten überlegener Champion geschlagen werden kann. Mit einem Schlag hat er aus dem Monster Lesnar einen verletzbaren Champion gemacht.

Sieht man noch ein paar Wochen zurück, so findet man eine der größten Überraschungen in der MMA-Geschichte überhaupt: Als Fabricio Werdum den übermenschlichen Fedor Emelianenko in der ersten Runde zur Aufgabe brachte, zerstörte er dessen Mythos und besiegte einen der besten MMA-Kämpfer aller Zeiten. Diese Niederlage hatte ebenfalls kaum jemand vorausgesehen und selten hatte der Satz „Er hat die MMA-Welt erschüttert“ so gut gepasst, wie in diesem Kampf.

Dazu dauerte die von Joe Rogan prophezeite „Machida-Ära“ nicht einmal einen Kampf. Lyoto Machida war seine ganz Karriere über ungeschlagen und hatte durch einen dominanten Sieg gegen Rashad Evans gerade erst den UFC Halbschwergewichtstitel gewonnen, da überlegten schon alle, wer diesen Kämpfer jemals besiegen konnte. Diese Frage wurde von Mauricio „Shogun“ Rua in zwei Kämpfen eindrucksvoll beantwortet und aus dem unbesiegbaren „Rätsel“ Machida wurde ein einfacher Kämpfer.

Damit bleibt nur noch ein scheinbar unbesiegbarer Champion übrig: Georges St. Pierre. Der UFC Weltergewichtschampion ist seit sieben Kämpfen in der UFC ungeschlagen und scheint aus der überraschenden Niederlage gegen Matt Serra bei UFC 69 gelernt zu haben. Seit dem hat er nämlich alle seine Kämpfe dominiert und kam seit nunmehr über drei Jahren nicht mal ansatzweise an den Rand einer Niederlage. Wie bei Silva und Penn fragen sich die Fans, wer auch nur annähernd eine Chance gegen ihn haben könnte. Im Dezember wird sich Josh Koscheck ein zweites Mal daran versuchen, St. Pierre zu besiegen. Und wenn St. Pierre die MMA-Kämpfe der letzten Zeit verfolgt hat, dann sollte er wissen, dass irgendwann jemand kommt, der auch den dominantesten Champion zu Fall bringen kann. Wie in den Fällen von Lesnar und Silva bedeutet das nicht automatisch, dass sie ihren Titel verlieren, aber alleine der Verlust dieser Aura der Unbesiegbarkeit, kann die Schlange der Herausforderer wieder länger werden lassen oder in Fedors Fall gar einen Mythos zerstören.

Wie diese Kämpfer mit dem Verlust dieser Aura umgehen, wird sich in nächster Zeit zeigen, wenn Lesnar gegen Cain Velasquez (UFC 121) und Machida gegen Quinton „Rampage“ Jackson (UFC 123) antreten werden. Aus St. Pierre ist schließlich erst nach der überraschenden Niederlage gegen Serra der dominante Champion geworden, der er heute ist. Allerdings hat Vitor Belfort dagegen auch gezeigt, dass er, nach seiner ersten Niederlage gegen Randy Couture, nie wieder zu dem dominanten Kämpfer wurde, der er davor war. Deswegen werden die Fans umso genauer hinsehen, wenn diese wieder zu Menschen gewordenen Champions wieder in den Käfig steigen.