Kolumnen

Wenn die Damen die Show stehlen...

Die Frauen überzeugten bei Strikeforce: Tate vs. Rousey

Und die Frauen können es doch! Jeder Gegner des Frauen-MMA musste nach Samstagnacht wohl oder übel anerkennen, dass auch die Damen im MMA für tolle Kämpfe sorgen und auch einen Event anführen können. Bei Strikeforce: Tate vs. Rousey zeigte Ronda Rousey, dass sie auf dem Boden eine Macht ist, und nahm Miesha Tate den Bantamgewichtstitel ab. Zudem lieferte sich Sarah Kaufmann mit Alexis Davis in den Vorkämpfen eine Schlacht, von der so mancher Kämpfer nur träumen kann.

Auf jeden Fall haben die Damen am Wochenende mit ihrer Leistung den Männern die Show gestohlen. Im Mainevent schenkten sich Tate und Rousey nichts. Es dauerte wieder nicht mal eine Minute, bis Rousey ihre Gegnerin in einem Armbar hatte, aber die Titelträgerin konnte sich daraus befreien und sich den Rücken Rouseys sichern. Zum ersten Mal in ihrer MMA-Karriere musste sich die Judo-Spezialistin gegen Submission-Versuche ihrer Gegnerin zur Wehr setzen, aber auch das gelang ihr. Schließlich bekam sie Tate wieder in einen Armbar, aus dem diese sich nicht mehr befreien konnte und unter Schmerzen aufgeben musste.

Der knallharte Armhebel, mit dem Rousey sich den Titel sicherte, war allerdings nicht die einzige Szene, die den Fans von diesem Abend im Gedächtnis bleiben dürfte. Im Kampf zwischen Kaufmann und Davis mussten beide Kämpferinnen einiges einstecken und waren anschließend dementsprechend gezeichnet.

In der ersten Runde verpasste Kaufmann ihrer Gegnerin einen schlimmen Cut über dem linken Auge. Trotz der etwa 10 Zentimeter großen Wunde erlaubte der Ringarzt, dass Davis weiterkämpfen durfte, woraufhin sich ein wahres Blutbad entwickelte.

Nachdem dieses zu Ende war, konnte sich Kaufmann über einen mehrheitlichen Punktsieg (29-28, 29-28 und 29-29) freuen. Sollte sich nicht ein zweites Mal eine Kontrahentin finden, die sich mit Worten in Position für einen Titelkampf bringt, dann wird Kaufmann im nächsten Kampf auf Rousey treffen.

Schwacher Kader sorgt für Titelkämpfe

Auch wenn man es anhand der Reaktionen auf Facebook, Twitter und Co. kaum vermuten mag, aber bei diesem Event stiegen nicht nur die Frauen in den Käfig. Allerdings konnten die Kämpfe der Männer nur wenige Fans so von den Sitzen reißen, wie es die Frauen getan haben.

So gewann Josh Thomson im Co-Mainevent gegen K.J. Noons relativ unspektakulär nach Punkten. Nach 15 Minuten hieß es 29-28 auf allen drei Punktrichterzetteln, wodurch Thomson nach seiner Niederlage im Titelkampf gegen Gilbert Melendez nun drei Siege in Folge in Strikeforce einfahren konnte. Das, und die dünne Besetzung in der Gewichtsklasse, könnte durchaus dazu führen, dass es in seinem nächsten Kampf zu einem Entscheidungsduell mit Leichtgewichtschampion Gilbert Melendez kommt. Beide Kämpfer standen sich bereits zwei Mal im Käfig von Strikeforce gegenüber und bisher konnte jeder einen Kampf nach Punkten für sich entscheiden.

Die Überraschung des Abends gelang Kazuo Misaki, der Paul Daley nach geteiltem Punktrichterentscheid besiegen konnte. Daley hatte vor dem Kampf, in den er als hoher Favorit gegangen war, bereits von einem Titelkampf gesprochen. Nun blickt er auf drei Niederlagen in Folge in Strikeforce zurück und darf wohl nur aufgrund des dünnen Kaders noch in der Organisation bleiben.

Eben dieser schwache Kader könnte auch der Grund dafür sein, dass Misaki in seinem nächsten Kampf bereits um den im Moment vakanten Weltergewichtstitel kämpft. Ob es zu dem Kampf kommt und gegen wen dies sein wird, liegt hauptsächlich daran, wie Strikeforce Nate Marquardt ins Weltergewicht integrieren will. Mit Tyron Woodley dürfte der erste Teilnehmer des Titelkampfes feststehen, somit stellt sich lediglich die Frage, ob Misaki oder Marquardt den zweiten Platz einnimmt.

Souza will seinen Titel zurück

Ronaldo Souza wird in seinem nächsten Kampf wohl ebenfalls eine Titelchance bekommen. Bei Strikeforce: Tate vs. Rousey wurde der Brasilianer seiner Favoritenrolle gegen Bristol Marunda voll und ganz gerecht und besiegte den Amerikaner nach einer sehr dominanten Vorstellung in der dritten Runde durch Arm-Triangle Choke.

Nach dem Kampf forderte Souza sofort einen Rückkampf gegen den amtierenden Titelträger Luke Rockhold, der ihm im September letzten Jahres den Titel abgenommen hatte. Auch hier darf davon ausgegangen werden, dass es, aus Mangel an Alternativen, zu dem Rückkampf kommen wird, lediglich Tim Kennedy, der seinen bereits geplanten Titelkampf gegen Rockhold verletzungsbedingt absagen musste, könnte Souza noch einen Strich durch die Rechnung machen.

Einen weiteren Favoritensieg gab es im Kampf zwischen Lumumba Sayers und Scott Smith. Sayers brauchte nur 94 Sekunden, um Smith seine vierte Niederlage in Folge zuzufügen. Nachdem er sich aus einem Guillotine Choke von Smith befreit hatte, indem er Smith über seinen Rücken zu Boden warf, konnte Sayers wenig später seinerseits einen Guillotine Choke ansetzen und seinen nicht sonderlich austrainiert wirkenden Gegner zur Aufgabe zwingen.

Auch wenn Smith ein bekannter Name war, dürfte sich Sayers mit diesem Sieg in den Ranglisten nicht weit nach oben gearbeitet haben. Ein interessanter Test für Sayers wäre ein Duell mit Robbie Lawler, während sich Smith in seinem nächsten Kampf wohl unter den Vorkämpfen wiederfinden wird. Aber auch er, wie alle anderen Kämpfer im Kader von Strikeforce, dürfte auch nach Niederlagen im Moment eine Jobgarantie haben, da Strikeforce es sich einfach nicht leisten kann, auch nur einen Kämpfer zu verlieren.