Kolumnen

Was will die UFC?

UFC-Präsident Dana White freut sich über den Kauf von Strikeforce. (Foto via Zuffa LLC)

Diese Nachricht ging wie ein Lauffeuer durch die MMA-Gemeinde: Zuffa, die Muttergesellschaft der UFC, hat Strikeforce gekauft. Laut UFC-Präsident Dana White wird aber alles so weiterlaufen wie bisher. Strikeforce und die UFC werden unabhängig voneinander operieren und die UFC wird sich nicht in die Geschäfte von Strikeforce einmischen – außer vielleicht ein paar Tipps, wenn es um die Vermarktung oder Produktion geht. Aber man wird die Verträge von Strikeforce mit den einzelnen Kämpfern und dem TV Sender Showtime einhalten.

So etwas Ähnliches hat man von White auch gehört, als Zuffa PRIDE FC gekauft hat. Und was ist danach passiert? PRIDE hat keinen einzigen Event mehr abgehalten. Dazu wird es in diesem Fall aller Wahrscheinlichkeit nach nicht kommen. Trotzdem ist es ebenfalls unwahrscheinlich, dass alles so weiterlaufen wird wie bisher, schließlich ergeben sich für Strikeforce und die UFC ganz neue Möglichkeiten, nun da die beiden größten MMA-Organisationen unter einem Dach sind.

Zunächst freuen sich natürlich alle Fans auf mögliche organisationübergreifende Superkämpfe. Aber auch da hat White bereits einen kleinen Riegel vorgeschoben, wahrscheinlich immer mit dem Namen Fedor Emelianenko im Hinterkopf, für den ein Kampf in der UFC trotz der neuen Umstände nicht wahrscheinlicher geworden ist, da die UFC nicht an einer Co-Produktion mit M-1 Global interessiert ist. Lässt man Fedor aber außer Acht, dann findet man schnell weitere interessante Kämpfe, die nun möglich wären.

Welcher Fan würde nicht gerne ein Kampf zwischen Strikeforce Champion Alistair Overeem und dem dann amtierenden UFC Champion sehen? Auch Kämpfer wie Gilbert Melendez, Gegard Mousasi und Muhammed Lawal wollten viele schon länger in der UFC kämpfen sehen. Sie alle dürften auf der Liste von Kämpfern stehen, die sofort in die UFC wechseln sollen, nachdem ihre Strikeforce-Verträge ausgelaufen sind.

Was aber wird aus Kämpfern wie Paul Daley und Josh Barnett? White hatte nach Daleys Rauswurf aus der UFC gesagt, dass dieser nie wieder für die UFC kämpfen würde. Ähnliches gilt für Josh Barnett, der nach seinen wiederholten Dopingverstößen ebenfalls auf Whites Abschussliste steht. Für solche Kämpfer wird es schwer werden, einen neuen Platz zu finden, bei dem sie so viel Geld verdienen können wie bei Strikeforce oder in der UFC. Kämpfer wie Diaz und Overeem haben sich bewusst für Strikeforce entschieden, weil sie so noch die Option hatten, in Japan zu kämpfen. Solche Möglichkeiten bietet die UFC nicht, weswegen die Übernahme einer weiteren MMA-Organisation durch die UFC, die Optionen der Kämpfer weiter einschränkt. Deswegen werden die Stimmen nach einer „Fighters Union“ lauter, die für die Rechte der Kämpfer eintreten soll.

Neben den einzelnen Kämpfern stellt sich aber auch noch die Frage: Was wird aus Strikeforce? White sagte, dass Strikeforce eine große Fangemeinde hat und dass man deswegen an Strikeforce festhalten werde. Aber wie soll das funktionieren? Wird Zuffa zwei Champions in den jeweiligen Gewichtsklassen unter ihrem Dach haben? White hatte schließlich mehrfach betont, dass ihn die Buchstabensuppe im Boxen mit den unzähligen Weltmeistern besonders stört. Aber nur, wenn es um Titel geht, haben Kämpfe auf lange Sicht gesehen einen Sinn. Schließlich wollen die Kämpfer irgendwann einen Titel gewinnen und nicht jahrelang kämpfen, ohne irgendetwas vorweisen zu können. Und die Fans wollen Titelkämpfe sehen, eine Organisation kann also ohne Titel nicht wirklich funktionieren. Eine Möglichkeit, dieses Problem zu umgehen, wären Titelvereinigungskämpfe, wie zwischen Dan Henderson und Quinton Jackson bzw. Anderson Silva nach dem Kauf von PRIDE. Anschließend könnte Zuffa Strikeforce dazu nutzen, um Turniere wie das aktuelle Schwergewichtsturnier abzuhalten. Die Gewinner dieser Turniere würden dann den UFC Champion herausfordern. Damit würden die Kämpfe ihre Bedeutung behalten und Zuffa könnte das beliebte Turnierformat weiter anbieten, obwohl es in der UFC keine Turniere mehr geben soll.

Ebenfalls in der UFC unerwünscht: Frauenkämpfe. Laut White allerdings hauptsächlich, weil es nicht genügend gute Frauen gibt, um eine komplette Gewichtsklasse aufzubauen. Mit der Werbemaschine der UFC hinter Strikeforce könnte man Frauenkämpfe sicherlich beliebter machen und dadurch auf lange Sicht vielleicht doch noch die ein oder andere komplette Gewichtsklasse aufbauen. Deswegen könnten besonders weibliche MMA-Kämpfer durch diesen Kauf profitieren – wenn es die UFC denn will.

Darin liegt allerdings genau das Problem: Was will die UFC? Soll nur ein weiterer Konkurrent vernichtet werden, wie damals mit PRIDE oder sieht man tatsächlich Potenzial in Strikeforce? Laut White war der Kauf notwendig, wenn man weiter expandieren will. Dafür hat man ja bereits die neuen Gewichtsklasse aus der WEC in die UFC integriert und so wird es über kurz oder lang wohl auch mit Strikeforce laufen. Und vielleicht kommen nach Aldo, Faber und Torres dann auch Overeem, Fedor, „King Mo“, Melendez und Co. in die UFC. Denn eins muss man White lassen: Er gibt den Fans die Kämpfe, die sie sehen wollen.