Kolumnen

Was kommt als nächstes für... Amir Khan?

Ein Ausblick auf die Zukunft des WBA Halbweltergewichtschampions. Fotos via Amir Khans facebook.

„King“ Khan hat es allen gezeigt. In einem der besten Fights des Jahres besiegte er am vergangenen Samstag den vielleicht gefährlichsten Puncher seiner Gewichtsklasse und brachte so alle, die zuvor seine Nehmerfähigkeiten angezweifelt hatten, zum schweigen. Nachdem der Brite seinen ersten Hauptkampf auf großer Bühne in Las Vegas damit nun erfolgreich hinter sich gebracht hat, stellt sich die Frage: Was kommt als nächstes für Amir Khan?

Amir Khan (24-1-0, 17 KO) ist mit 24 Jahren noch sehr Jung für einen Boxer, dennoch täten er und sein Promoter Golden Boy gut daran, ihn möglichst bald wieder in den Ring zu schicken. Sein letzter Kampf, gegen Paulie Malignaggi, lag sieben Monate zurück, als er am Samstag gegen Maidana in den Ring stieg. Der Kampf davor weitere fünf. Ein Boxer wie Khan benötigt aber die Routine, er muss aktiv bleiben. Auch deshalb, weil sein Name nach dem Maidana-Fight nun groß im Gespräch ist, was besser auch so bleibt. Doch welcher Gegner wäre da der richtige?

Option 1: Timothy Bradley

Einer, der sofort Interesse bekundet hat, ist Timothy Bradley. Der WBO Champion im Halbweltergewicht zeigte sich beeindruckt von Khans Leistung und würde gern einmal mit ihm die Klingen kreuzen. Eine Traumpaarung, jedoch hat Bradley am 29. Januar bereits ein Date mit WBC Champion Devon Alexander – ein Kampf, auf den die Boxwelt schon seit langer Zeit hinfiebert. Egal ob Bradley diesen Fight gewinnt oder verliert, es wird danach mindestens vier bis fünf Monate dauern, bis er einen weiteren Kampf bestreitet. Und bis ungefähr Anfang Juli ist es noch eine verdammt lange Zeit.

Option 2: Rückkampf gegen Maidana

Amir Khan vs. Marcos Maidana II - eine Option?Eine weitere Möglichkeit wäre ein Rückkampf gegen Marcos Maidana. Das Duell der Beiden war ein klasse Fight, die Einschaltquoten des zweiten Teils würden sicher stimmen. Maidana hatte Khan außerdem in Runde zehn am Rand eines Knockouts, in den letzten beiden Runden kämpfte der Brite schier ums nackte Überleben. Rückkämpfe wurden schon aus fadenscheinigeren Gründen angesetzt. Ein verärgerter Maidana zeigte im Interview direkt nach dem Kampf jedoch wenig Interesse an einem weiteren Tanz mit Khan und ließ Kommentatoren-Legende Larry Merchant bedröppelt mit seinem Mikro im Ring stehen. Einige Tage später hatte seine Laune sich gebessert – doch von einem Rematch nach wie vor kein Ton: „Ich werde nun wohl erst einmal einen Aufbaukampf in meiner Heimat Argentinien bestreiten und mich danach mit meinem Management zusammensetzen, um einen weiteren großen Kampf in den Staaten auszuarbeiten“, so der Universum-Boxer. Maidana fällt als nächster Gegner also ebenfalls flach.

Option 3: Floyd Mayweather Jr.

Einige US-Journalisten hatten vermehrt den Namen Floyd Mayweather Jr. in den Raum geworfen, was ich jedoch für die am wenigsten kluge und auch am wenigsten wahrscheinliche Option halte. Mayweather befindet sich wegen eines Vorfalls mit einem Security-Mann mitten in einem Rechtsstreit und wird in den kommenden Monaten voraussichtlich anderes zu tun haben, als über einen Boxkampf nachzudenken. Mayweather ist außerdem eine ganze Spur zu gut für Khan, der zwar talentiert ist, aber in Sachen Erfahrung, Technik und selbst Schnelligkeit noch kaum mit dem „Pretty Boy“ mithalten kann.

Option 4: Rückkampf gegen Breidis Prescott

Alle attraktiven Gegner in den USA werden vor Mitte des Jahres – vermutlich sogar noch später – nicht gegen Khan in den Ring steigen können. Kahn ist obendrein praktizierender Muslim. Das heißt: ab August ist Ramadan und ein Kampf für ihn ebenfalls unmöglich. Rechnet man ein sechswöchiges Trainingslager hinzu, so wäre er frühestens Mitte bis Ende Oktober wieder bereit für einen Kampf.

Stattdessen sollte Khan lieber Ringerfahrung sammeln, dabei gutes Geld verdienen und ganz nebenbei auch noch den größten Schnitzer seiner Karriere ausbügeln. Wie? Ganz einfach: er boxt Breidis Prescott in der M.E.N. Arena in Manchester, England.

Khans einzige Niederlage: Ein KO durch Breidis Prescott.Prescott ist der einzige, der als Profi einen Sieg gegen „King“ Khan einfahren konnte. Nicht nur das, er schlug Khan vor heimischer Kulisse in eben dieser M.E.N. Arena in der dritten Runde KO. Ein Knockout, der Khan bis heute verfolgt und trotz sechs überzeugender Siege seitdem noch immer an dessen Image kratzt.

Prescott ist nicht mehr als guter Durchschnitt. Während Kahn nach der Niederlage gegen ihn die Zähne zusammenbiss und es mit Trainer Freddy Roach bis an die Weltspitze schaffte, versauert Prescott seitdem im Mittelmaß. Dies sollten also leicht verdiente Moneten für den britischen „King“ werden und noch dazu eine tolle Erfahrung, vor heimischem Publikum seine Weste wieder reinwaschen zu können. Prescott hat für Mitte Januar zwar bereits einen Termin in Florida, ein Gegner steht bislang allerdings noch nicht fest. Ich kann mir außerdem nicht vorstellen, dass ihm dieser Wald-und-Wiesen-Fight wichtig genug wäre, einen potentiellen Mega-Zahltag für einen groß gehypten Rückkampf gegen Amir Khan sausen zu lassen.

Welche Option Khan auch wählt, fakt ist: er muss an seiner Defensive arbeiten. Die linke Hand hing auch am Samstag häufig viel zu tief. Und auch wenn er die harten Overhands eines KO-Punchers wie Maidana wegstecken konnte (und sein so oft gescholtenes Kinn somit mehr oder weniger rehabilitiert ist), so war es doch das eine oder andere Mal mehr als knapp für WBA Champion Amir Khan. Man kann gespannt sein, wie es mit ihm weitergeht.