Kolumnen

Vom Käfig auf die Leinwand – Mixed Martial Arts im Kino

Warrior

Sobald eine Kampfsportart an Popularität gewinnt, wird sie früher oder später von Hollywood zu einem mehr oder minder sehenswerten Film verwurstet. Ob „Karate Kid", „Der Kickboxer" oder der Übervater aller Kampfsportfilme, „Rocky" – fast jede Disziplin hatte bereits ihren großen Auftritt im Kino. Selbstverständlich kann das beim MMA-Sport nicht anders sein. Groundandpound.de stellt euch eine Auswahl der bisher veröffentlichten Filme mit MMA-Bezug vor.

Warrior, 2011

„Warrior" ist kein Film über den MMA-Sport, sondern nimmt ihn als Basis für eine bewegende Geschichte. Die Mixed Martial Arts sind nur Mittel zum Zweck; der Film handelt von dem, was außerhalb des Käfigs geschieht: von menschlichen Abgründen, von Vergangenheitsbewältigung, von der Suche nach Vergebung, von Trennung und Wiedervereinigung. Einen Oscar für Originalität darf man dennoch nicht erwarten – den Großteil seiner Klasse hat der Film seinen Schauspielern zu verdanken.

Im Vordergrund der Handlung stehen die Brüder Tommy (Tom Hardy) und Brendan Conlon (Joel Edgerton) und ihr Vater Paddy (Nick Nolte). Ex-Marine Tommy ist nach vielen Jahren in ihre Heimat zurückgekehrt, um für seine Teilnahme an „Sparta" zu trainieren, einem mit fünf Millionen Dollar dotierten MMA-Turnier. Dabei soll ihm sein Vater helfen, ein trockener Alkoholiker, der verzweifelt versucht, seinen Söhnen wieder näherzukommen. Brendan, früher ein UFC-Kämpfer und heute Physiklehrer, steckt in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten. Um den Verlust seines Hauses zu verhindern, kämpft er bei kleineren Veranstaltungen in Nachtclubs. In dem Gewinn des „Sparta"-Turniers sieht er seine letzte Chance, den drohenden Bankrott abzuwenden.

Die Kampfszenen in „Warrior" sind ziemlich nahe an der Realität. Ihre Darstellung ist ein klein wenig übertrieben, aber zu keinem Punkt gewaltverherrlichend. Eine Handheld-Kamera zeigt uns aus nächster Nähe, wie sich die Sportler schlagen, treten, werfen und in Aufgabegriffe nehmen. Es wird einem das Gefühl vermittelt, mitten drin im Käfig zu stehen. Die Filmkämpfe sind wie die meisten echten MMA-Kämpfe: dynamisch, abwechslungsreich und spannend. Zumindest letzteres trifft auch auf „Warrior" zu.

Never Back Down (dt.: The Fighters), 2008

Ein Außenseiter (Sean Faris) zieht in eine neue Stadt um. Dort wird er vom Schulhofschläger (Cam Gigandet) verhauen, doch dann klaut er dem Fiesling die Freundin. Ein weiser Kampfsportexperte lehrt dem Außenseiter das richtige Kämpfen, sodass er dem Schulhofschläger am Ende das überhebliche Grinsen aus dem Gesicht schlagen kann. Kommt euch diese Geschichte bekannt vor? Falls nicht, habt ihr in eurer Jugend nie „Karate Kid" gesehen – traurig.

„Never Back Down" ist das „Karate Kid" des 21. Jahrhunderts, in derselben MTV-Neon-Optik gefilmt wie „The Fast and the Furious". Der einzige Unterschied ist, dass der Außenseiter nicht Karate trainiert, sondern MMA. Immerhin erhalten die Zuschauer dadurch einen – für viele unbekannten – Einblick in das rigorose Training dieser Sportler. Über die Tatsache, dass unser Außenseiter in wenigen Wochen so gut wird, dass er Anderson Silva wie Tank Abbott aussehen lässt, sehen wir großzügig hinweg.

Der MMA-Sport wird in „Never Back Down" zu großen Teilen nicht sehr gewissenhaft dargestellt. Doch wer auf eine klischeelose Handlung und intelligente Dialoge keinen Wert legt, wird an dem Film garantiert seinen Spaß haben.

Here Comes The Boom (dt.: Das Schwergewicht), 2012

Ground and Pound für die Lachmuskeln bietet „Das Schwergewicht", eine Actionkomödie von und mit Kevin James. Er spielt in dem Film den Lehrer Scott Voss, der sich mehr schlecht als recht durch den Schulalltag faulenzt. Der Wendepunkt kommt für Voss, als das Schuldirektorat ankündigt, aufgrund fehlender Mittel den Musikunterricht zu streichen und Musiklehrer Marty Streb (Henry Winkler) zu entlassen. Streb hatte Voss kurz zuvor gesteckt, dass er in hohem Alter noch einmal Vater wird; das weckt den Kampfgeist im lethargischen Voss und er verspricht, das benötigte Geld für Strebs Stelle aufzubringen.

Durch den wenig lukrativen Zweitjob als Lehrer für Einbürgerungskurse kommt Voss beim Nachhilfeunterricht mit Holländer Niko (MMA-Legende Bas Rutten) zum ersten Mal in Kontakt mit der UFC. Er merkt, wie viel Geld mit diesem Sport zu verdienen ist, selbst wenn man seine Kämpfe verliert. Der ehemalige College-Ringer Voss beschließt: Er wird MMA-Kämpfer – und will oft genug verlieren, um das benötigte Geld für seine Schule aufzutreiben.

Diese Geschichte, die ihn schlussendlich bis in die UFC führt, mag zwar reichlich weit hergeholt sein und stellenweise mit hollywood-typischen Klischees aufwarten, ist aber durchaus unterhaltsam umgesetzt, was nicht zuletzt am wie immer urkomischen Hauptdarsteller James selbst liegt.

Während „Das Schwergewicht" durchaus auch für Nicht-UFC-Fans eine sehenswerte Angelegenheit ist, ist es für Anhänger des MMA-Sports fast schon ein Muss. Zu zahlreich sind die Momente, in denen man schmunzeln muss, wenn MMA-Insider eingestreut werden. Zu lustig ist es zuzuschauen, wie dem Ottonormalpublikum der Sport auf eine lustige Art und Weise vermittelt werden soll.

The Philly Kid, 2012

Der zu Unrecht verurteilte Dillon (Wes Chatham) kommt nach zehn Jahren wieder aus dem Knast frei. Um seinem nutzlosen Freund Jake (Devon Sawa) bei der Bezahlung von dessen Schulden zu helfen, kämpft der ehemalige College-Ringer in der örtlichen Kneipe im Käfig. Mit der Hilfe seines neuen Trainers L.A. Jim (Neal McDonough) schlägt und tritt sich Jake zu einer größeren Veranstaltungsreihe, bei der er mehr Geld verdient. Doch dann wird er vor eine folgenschwere Entscheidung gestellt, die droht, alles bisherigen Errungenschaften über den Haufen zu werfen.

Die Geschichte von „The Philly Kid" birgt eigentlich das Potential für ein spannendes Actiondrama, scheitert aber am zu schwachen Drehbuch. So werden Figuren eingeführt, die danach keine Rolle mehr spielen. Und zwanghaft eingewobene Passagen wie die Liebesgeschichte zwischen Dillon und Jakes Schwester verfallen ins Klischeehafte. Spannung tritt nur dann auf, wenn die Faustschützer angezogen werden. Obwohl die Kampfszenen schön anzusehen sind, können sie den Film nicht retten – dafür werden sie zu spärlich eingesetzt. Lediglich viermal kann Chatham zeigen, was UFC-Veteran Rich Clementi ihn gelehrt hat.

Never Surrender (dt.: Kill or Get Killed), 2009

Der Argentinier Hector Echavarria dreht Kampfsportfilme am laufenden Band. Immer häufiger baut er auch den MMA-Sport darin ein. Als Beispiel für seine Arbeit aus den letzten Jahren dient „Never Surrender", ein echter Männerstreifen.

Diego Carter (Hector Echavarria) hat gerade erst einen MMA-Titel gewonnen. Das feiert er, indem er sich für illegale Untergrundwettkämpfe anwerben lässt. Der Sieger erhält nicht nur Bargeld als Prämie, sondern auch das Betthäschen seiner Gegner. Das süße Leben nimmt sein Ende, als Carter erfährt, dass die Damen, die er beglückte, Sklavinnen des Turnierorganisators sind. Sein Sinn für Gerechtigkeit bringt ihn dazu, dieses unsittliche Treiben zu unterbinden – natürlich im Ring.

„Never Surrender" ist ein Film, der die Testosteronproduktion gehörig anregt. Schön im Wechsel fliegen Fäuste oder die Klamotten hübscher Frauen – erstere ins Gesicht der Gegner, letztere auf den Boden, nachdem Carter wieder einmal gewonnen hat. Wer unter Testosteronmangel leidet, für den ist dieser Film die beste Medizin. Und wer zudem UFC-Fan ist, darf sich über Gastauftritte von Superstars wie Anderson Silva, Georges St. Pierre und BJ Penn freuen.

Redbelt, 2008

Der hoch verschuldete Mike Terry (Chiwetel Ejiofor) ist Leiter einer Akademie für brasilianisches Jiu-Jitsu. Er lehrt seinen Schülern nicht nur Selbstverteidigung, sondern auch Werte wie Ehre und Respekt. Trotz seiner finanziellen Not und den Bitten seiner Ehefrau weigert sich Terry, an lukrativen MMA-Wettbewerben teilzunehmen, da sie gegen seine Prinzipien verstoßen. Eine Verkettung mehrerer unglücklicher Zufälle bringt ihn schließlich doch zum Kämpfen.

Im Gegensatz zu den anderen hier vorgestellten Filmen glorifiziert „Redbelt" das Kämpfen nicht. Regisseur David Mamet, selbst ein Lilagurt im BJJ, stellt den Selbstverteidigungsaspekt in den Vordergrund. Terry lehrt seinen Schülern nicht, wie man kämpft, er zeigt ihnen, wie man sich aus schwierigen Situationen befreit. Er ist ein moderner Samurai mit einem Ehrenkodex und damit absolut fehl am Platze im korrupten Showbusiness, in das er im Laufe des Films noch hineingezogen wird. Eine streckenweise sehr merkwürdige Geschichte, die den Kampfsport aber mal aus einem etwas anderen Blickwinkel darstellt.

Undisputed 3: Redemption, 2010

Prügel-Häftling Yuri Boyka (Scott Adkins) erholt sich beim Fußböden wischen und Toiletten reinigen von einer schlimmen Knieverletzung. Die Tage der Ruhe sind vorbei, als ein Gangstersyndikat ein MMA-Turnier veranstaltet, in dem Häftlinge aus Hochsicherheitsgefängnissen auf der ganzen Welt gegeneinander kämpfen. Dem Sieger winkt die Freiheit – und Boyka winkt zurück.

„Undisputed 3" liefert entgegen der Erwartungen nicht nur spektakuläre Hau-Drauf-Action, er geht sogar auf die unterschiedlichen Charaktere ein. Der schweigsame Höllenhund Boyka muss sich mit dem geschwätzigen Prollo Turbo zusammentun, damit die beiden nicht dem arroganten Kolumbianer Gaga zum Opfer fallen, in dessen Gefängnis das Turnier ausgetragen wird. Diese Dynamik sorgt für einige amüsante Momente.

Die Kampfszenen in „Undisputed 3" sind hervorragend choreographiert. Wer auf Filmkämpfe steht, wird „Undisputed 3" lieben. Selbstverständlich sind alle Häftlinge zähe Burschen mit unglaublichen Nehmerqualitäten, sodass ihre Schlachten häufig an den MMA-Klassiker Frye vs. Takayama erinnern. Das finale Duell ist einer der besten Filmkämpfe der letzten Jahre.

Fists of Legend, 2013

In dem südkoreanischen Actiondrama „Fists of Legend" werden drei Männer ausgewählt, an der „besten Kampfshow der Welt" teilzunehmen, in der ehemals berüchtigte Straßenkämpfergegen professionelle Kampfsportler antreten. Lim Deok-kyu (Hwang Jung-min), Lee Sang-hoon (Yu Jun-sang) und Shin Jae-suk (Yoon Jea-moon) waren auf der High School gefürchtete Schläger. Heute sind sie Mitte 40, und keiner ist mit seinem Leben zufrieden. Lim verpasste als junger Boxer die Teilnahme an den Olympischen Spielen und ist mittlerweile alleinerziehender Vater, der einen schlecht laufenden Nudelimbiss führt. Lee war einst der beste Kämpfer im Stadtteil Gangnam, doch schuftet nun als gesichtsloser Geschäftsmann für einen sadistischen Boss. Straßenkämpfer Shin blieb seiner Linie treu und ist nun Kleinkrimineller.

Im Laufe des Turniers müssen die drei Männer nicht nur gegen andere Teilnehmer kämpfen, sondern auch gegen ihre inneren Dämonen. Durch ihre Auseinandersetzung mit ihrer dunklen Vergangenheit entsteht deutlich mehr Tiefgang als bei anderen Filmen dieser Art. Highlight sind aber dennoch die Kämpfe, die äußerst realitätsnah dargestellt werden.