Kolumnen

UFC Japan - Zwischen Erfolg und Misserfolg

Lang, lang ist's her: Nach elf Jahren kehrt die UFC nach Japan zurück

Rückkehr ins Land der aufgehenden Sonne… große Entwicklungen… Aufstieg und Fall… Machtvakuum… Medienpräsenz… Erfolg oder Misserfolg… Nostalgie und Wunschdenken… Geisterjagd

Am Wochenende kehrt die UFC mit UFC 144 nach über elf Jahren ins Land der aufgehenden Sonne zurück. Seit UFC 29 im Dezember 2000 haben sowohl die UFC als auch der japanische Kampfsport große Entwicklungen durchgemacht. Während die UFC auf einer Erfolgswelle schwimmt, die unaufhaltsam wirkt, muss der japanische MMA-Sport auf seinen Höhepunkt bereits zurückblicken. In den vergangenen elf Jahren ist der Sport in Japan sehr schnell gewachsen und ist zu gigantischen Ausmaßen aufgelaufen. Spektakuläres Ambiente und die besten Kämpfern der Welt lockten zur besten Zeit bis zu einhunderttausend Zuschauer in die Hallen. Doch so schnell der Aufstieg des Sports auch vor sich ging, erfolgte auch der Fall.

Während die MMA im Rest der Welt einen Wachstumsschub durchmachen, befindet sich der japanische Kampfsport in einer Degenerationsphase, in der sich ein Machtvakuum gebildet hat. Aus einer Umgebung, in der auch die letzte verbleibende große Organisation (DREAM) mit großen Problemen zu kämpfen hat, möchte die UFC nun offenbar Kapital schlagen. Die Erwartungen an die Veranstaltung sind dabei hoch. Die UFC hat für den Event das beste Programm des bisherigen Jahres aufgeboten und sorgt dementsprechend für Gesprächsstoff, jedoch vorwiegend in den westlichen Medien. In Japan gelang es nicht, die gewünschte Medienaufmerksamkeit zu erringen. Die Berichterstattung läuft dort sehr verhalten (abgesehen von der MMA-Presse wird der UFC auch kurz vor dem Event kauf Aufmerksamkeit geschenkt) und auch ein durchschlagender TV-Deal, den man sich erhofft hatte, blieb aus.

Mit der Agentur Dentsu konnte man sich im Vorfeld zwar kluger- und glücklicherweise japanische Unterstützung sichern und somit eine finanzielle Absicherung für den UFC-Event gewährleisten (Dentsu soll die Veranstaltung zu einem Fix-Preis übernommen haben, unabhängig von den Zuschauerzahlen). Außerdem kümmerte sich die Agentur neben der Werbung für den Event auch um die Suche nach einem TV-Sender (was für ausländische Unternehmen in Japan ohne Unterstützung fast unmöglich ist).

Hinsichtlich eines TV-Vertrags konnte man jedoch nicht den gewünschten Erfolg erzielen. Ein relativ großer TV-Sender wurde zwar in letzter Sekunde vom UFC-Programm überzeugt, eine Ausstrahlung in den späten Morgenstunden kann jedoch nicht wirklich als durchschlagender Erfolg bezeichnet werden. Auch hinter den Verkaufszahlen steht ein gewisses Fragezeichen. Die ersten Berichte variieren sehr stark (zwischen 8000 und 15000 Zuschauern) und lassen es damit noch offen, ob der Event dahingehend als Erfolg oder Misserfolg zu betrachten ist. Alles in allem lässt dies die Frage zu, ob die UFC für das Japan-Comeback den richtigen Weg eingeschlagen hat?

Die Gründe, weshalb das UFC-Format in Japan nicht so durchschlägt wie in anderen Ländern werden zurzeit heiß diskutiert. Der generelle Rückgang des Interesse am japanischen Kampfsport stellt eine Erklärung für die Situation dar, allgemeine Ablehnung von ausländischen Produkten eine andere. Mit einer Startzeit um 10 Uhr Vormittags (um eine Übertragung ins amerikanische Hauptabendprogramm zu ermöglichen) hat man den japanischen Fans jedoch nicht wirklich Rechnung getragen.

In den Raum gestellt wird auch, dass es für die UFC mit einer Veranstaltung im Stil von PRIDE durchaus möglich gewesen wäre, eine größere Anzahl an Zuschauern, mehr Medienaufmerksamkeit und eventuell auch einen TV-Deal zu erreichen. Die UFC hat dem alten PRIDE-Charakter zumindest etwas Tribut gezollt, indem man mit Mark Hunt, Quinton Jackson und Takanori Gomi drei der größten Stars aus der PRIDE-Ära für die Veranstaltung verpflichtet. Mit Sicherheit hätte man mit den Nogueira-Brüdern, Wanderlei Silva, Mauricio Rua und Dan Henderson für noch mehr Aufmerksamkeit sorgen können und ein Nostalgiefest bieten. Doch wer hat ernsthaft an eine solche Entwicklung gedacht?

Es war von vornherein klar, dass die UFC ihren eigenen Weg gehen wird und der PRIDE-Historie nicht mehr Zugeständnisse macht, als auf dem aktuellen Programm. Außerdem hat man mehrere Programme zu füllen und kann seine Starpower nicht auf einen Event konzentrieren, der nichtsdestotrotz mit Risiko behaftet ist. Da das Programm wie eingangs erwähnt ohnehin eines der besten in letzter Zeit ist man auch den ein oder anderen früheren PRIDE-Star aufgestellt hat, kann man der UFC diesbezüglich nichts vorwerfen.

Was sich jedoch hinterfragen lässt, ist das allgemeine Motiv und die Sinnhaftigkeit einer UFC-Veranstaltung in Japan zum aktuellen Zeitpunkt. Dass man aus dem bestehenden Machtvakuum profitieren möchte, ist wohl nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Schließlich bieten andere asiatische Märkte deutlich größere Potenziale (bedenkt man die Entwicklung des Sports in Singapur, Indonesien, Indien, Südkorea) und befinden sich in einer Wachstums- und keiner Degenerationsfrage. Es scheint viel mehr, als wollte die UFC einen endgültigen Triumph über den früheren Erzrivalen PRIDE feiern. Das Stichwort Geisterjagd wurde schon in einer früheren Kolumne eingeworfen…


Daniel Scherhammer ist stellvertretender Chefredakteur von GroundandPound. Er berichtet über Mixed Martial Arts (MMA) und Grappling. Für noch mehr News, Gerüchte und Meinungen, folgt ihm auf Twitter: @DanielS_GnP.