Kolumnen

UFC 193: Was jetzt?

Foto: Zuffa LLC

UFC 193 geht in vielerlei Hinsicht in die MMA-Geschichtsbücher ein. Neben einem Zuschauerrekord im mit 56.000 Zuschauern gut gefüllten Etihad Stadium wurden Kampfsportfans weltweit Zeugen des ersten Titelwechsels im Bantamgewicht der Frauen. Mit einem perfekt ausgeführten Headkick beendete Holly Holm in der 2. Runde des Hauptkampfes die Herrschaft der für unantastbar gehaltenen Ronda Rousey und machte sich damit selbst zur Zielscheibe einer ganzen Gewichtsklasse.

Doch nicht nur für Holm hält die Zukunft interessante Kämpfe bereit, auch einige andere Athleten haben sich am Samstag für höhere Aufgaben qualifiziert. Wir blicken voraus auf das, was die Hauptkämpfer von UFC 193 als nächstes erwartet.

Holly Holm
Für Holly Holm eröffnen sich nach ihrem Überraschungssieg einige sehr interessante Optionen. Wie UFC-Präsident Dana White bereits ankündigte, hat die UFC einen direkten Rückkampf im Auge. Dessen Verwirklichung könnte jedoch an Herausforderin Rousey scheitern, die aufgrund einiger Film-Projekte wohl nicht vor UFC 200 wieder im Octagon zu sehen sein wird. Sollte sich dieser Zeitplan nicht mit Holms Interessen decken, liegen Kämpfe mit den Top-Herausforderinnen Cat Zingano oder Miesha Tate nahe.

Ronda Rousey
Für Ronda Rousey kommt diese Niederlage zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Bereits vor UFC 193 hatte sie große Hollywood-Pläne angekündigt, die einen Kampf vor UFC 200 wohl ausschließen. Sollte sie dadurch ihren direkten Rückkampf nicht bekommen, bietet sich ein Duell mit einer Kämpferin aus der Top 5 an. Möglich wären ein drittes Aufeinandertreffen mit ihrer Dauer-Rivalin Miesha Tate oder ein explosives Duell mit der aufstrebenden Amanda Nunes.

Joanna Jedrzejczyk
Auch im Co-Main Event durften sich die Fans Down Under über einen Titelkampf freuen. Die Championess „Joanna-Champion“ setzte sich hier wenig überraschend gegen eine verbissen kämpfende Valerie Letourneau nach Punkten durch. Für die polnische Ausnahme-Standkämpferin steht damit bereits ihr nächster Kampf fest. Sie wird in einem Rückkampf auf Claudia Gadelha treffen. Dieses Duell war bereits für Melbourne im Gespräch, wurde jedoch aufgrund einer Handverletzung seitens Gadelha nicht verwirklicht. Ein Datum steht noch nicht fest, wahrscheinlich ist jedoch ein Pay-Per-View im ersten Quartal 2016.

Valerie Letourneau
Für die Kanadierin sollte sich der Fall in den Ranglisten in Grenzen halten, da die Wenigsten ihr eine realistische Chance gegen die dominante Championess eingeräumt hatten. Dennoch zeigte sie als erste Kämpferin im Octagon, dass es möglich ist, Jędrzejczyk über fünf Runden lang zu treffen. Ein Rückkampf in den nächsten Jahren ist deshalb im unberechenbaren Strohgewicht nicht auszuschließen. Vorher muss sie sich jedoch wieder ihren Weg an die Spitze kämpfen. Ein Fight gegen die ehemalige WSOF-Championess Jessica Aguilar wäre mit Sicherheit eine spannende Angelegenheit und würde auch aus Matchmaking-Sicht Sinn machen, da beide ihren letzten Kampf verloren haben.

Mark Hunt
In einem heiß erwarteten Rückkampf eines der besten Schwergewichts-Kämpfe aller Zeiten machte Mark Hunt diesmal kurzen Prozess mit Antonio Silva. Nach nur 79 Sekunden musste der Ringrichter eingreifen und der Neuseeländer war um einen K.o.-Sieg reicher. Damit konnte er den Abwärtstrend stoppen, der sich nach Niederlagen gegen Champion Fabricio Werdum und Stipe Miocic abgezeichnet hatte. Trotz seines fortgeschrittenen Alters kann man Hunt im recht schwach besetzten Schwergewicht noch lange nicht abschreiben. Bereits ein Sieg gegen einen anderen Top-10-Kämpfer würde ihn in den Bereich der Top 5 bringen. Eine spannende Ansetzung wäre sicherlich ein Legenden-Duell mit dem „Warmaster“ Josh Barnett, der im September Roy Nelson bezwingen konnte.

Antonio Silva
„Bigfoot“ steht nach dieser Niederlage mit dem Rücken zur Wand. Von seinen letzten sechs Kämpfen konnte der brasilianische BJJ-Schwarzgurt lediglich einen für sich entscheiden und muss sich selbst die Frage stellen, ob er seinen eigenen Ansprüchen noch gerecht wird. Erschwerend kommt hinzu, dass Silva einer der Athleten war, die von der inzwischen verbotenen Testosteron-Ersatz-Therapie Gebrauch machen durften, und sich körperlich nicht mehr auf dem Höhepunkt befindet. Sollte ihn die UFC weiter beschäftigen und sich auch Silva selbst zu einem Kampf entscheiden, wird er sich wohl mit einem Kontrahenten im Octagon wiederfinden, der sich nicht in der Top 15 der Organisation befindet. Möglich wäre ein Aufeinandertreffen mit Todd Duffee, das sicherlich einen K.o. für die Fans bereithielte.

Robert Whittaker
Mit seiner fantastischen Leistung gegen Uriah Hall ist Robert Whittaker unter den zehn besten Mittelgewichten der Welt angekommen. Der Australier hat seit Februar 2014 keinen Kampf mehr verloren und sich eine vier Kämpfe umfassende Siegesserie aufgebaut. Damit eröffnen sich für den „TUF: Smashes“-Gewinner eine Menge spannender Duelle gegen absolute Weltklasse-Athleten. Der nächste logische Schritt ist ein Kampf gegen den Veteranen Michael Bisping, möglicherweise an der Spitze einer Fight Night in Europa. Ursprünglich sollten die beiden bereits an diesem Wochenende aufeinandertreffen, Bisping musste den Kampf jedoch verletzungsbedingt absagen. 

Uriah Hall
2 Niederlagen, 3 Siege, 1 Niederlage, 2 Siege, 1 Niederlage……. Kontinuität bleibt auch weiterhin ein Fremdwort für Uriah Hall. „Primetime“ macht seinem Spitznamen in vielen Kämpfen alle Ehre, während in anderen nichts von seinem Talent zu sehen ist. Gegen Robert Whittaker erlebte er wieder einen rabenschwarzen Abend, an dem er nie mit dem aggressiven Stil seines Kontrahenten zurechtkam. Will er jemals in die Nähe eines Titelkampfes kommen, ist jetzt die Zeit, um seine Leistungskurve zu stabilisieren. Ein Anfang wäre ein Sieg gegen Roan Carneiro.

Jared Rosholt
In einem Kampf ohne nennenswerte Highlights konnte sich Jared Rosholt nach Punkten gegen Stefan Struve durchsetzen. Dieser Sieg befördert ihn aller Voraussicht nach in die Top 15 des Schwergewichts. Viele Optionen bleiben dann nicht mehr für den Amerikaner, der beispielsweise gegen Matt Mitrione gebucht werden könnte.

Stefan Struve
Ringerische Defizite kosten den „Skyscraper“ wohl nicht nur diesen Kampf, sondern auch seinen Platz unter den besten Schwergewichten der UFC. Trotz seiner großen Erfahrung ist der Niederländer immer noch jung, und in ihm schlummert Verbesserungspotenzial. Dies könnte er in einem Kampf gegen Daniel Omielańczuk zeigen, der ihm in seiner Kampfweise liegen könnte.