Kolumnen

Steht der Box-Krieg in den USA bevor?

Showtime sichert sich Rechte an Pacquiao vs. Mosley - und ändert damit vielleicht die US-TV-Landschaft.

Wenn man in den vergangenen Jahren über die ganz großen Boxkämpfen redete, dann sprach man automatisch von den USA, von Las Vegas, Top Rank und Golden Boy, von Manny Pacquiao oder Floyd Mayweather und: man sprach von HBO. Der große amerikanische Bezahlsender dominierte in den letzten sechs bis acht Jahren die US-amerikanische Boxlandschaft mit seinem Sportkanal „HBO Sports“ und präsentierte jeden erdenklichen großen Kampf als gewinnbringende Pay-Per-View-Veranstaltung. Der große Konkurrent Showtime bediente lediglich Nischen und Hardcore-Fans. Wer Weltklasse-Boxen sehen wollte, musste HBO schauen. Bis jetzt.

Das Machtgefüge in der amerikanischen TV-Landschaft könnte sich nun schlagartig ändern. Schon seit einiger Zeit befindet sich „ShoBox“, so die der Oberbegriff für die Boxformate des Showtime-Senders, im Aufwind. Alles begann mit dem Start des Super Six World Boxing Classic, dem prestigeträchtigen Supermittelgewichtsturnier. Showtime war plötzlich neu und innovativ, Boxen war wieder interessant. Die Verpflichtungen von WBO-Federgewichtschampion Juan Manuel Lopez und vor allem IBF-Supermittelgewichtschampion Lucian Bute bescherten dem Sender im vergangen Jahr zusätzlich einiges an Momentum. Und das weiß Showtime zu nutzen. So wird der kommende Pay-Per-View-Kampf zwischen Miguel Cotto und Ricardo Mayorga im März nicht auf HBO, sondern auf Showtime übertragen werden. Und das, obwohl Cotto seit Jahren an HBO gebunden und einer der namhaftesten Boxer des Senders war. Der größte Coup gelang Showtime aber gegen Ende vergangener Woche: Man einigte sich mit Top Rank Promotions auf die Übertragungsrechte an deren Megafight zwischen Manny Pacquiao und Shane Mosley, der am siebten Mai stattfinden wird. Ein Schock für HBO.

Manny Pacquiao ist der momentan mit Abstand erfolgreichste, bekannteste, beliebteste und lukrativste Boxer der Welt. Und auch wenn Shane Mosleys letzte beiden Kämpfe wenig zufriedenstellend verliefen, besitzt auch er noch immer enorme Name-Power. Showtime sicherte sich hier das finanziell wohl einträglichste Duell des Jahres 2011 - nicht zu reden von dem medialen Aufsehen, dass mit dem Kampf einhergehen wird.

Ähnlich wie HBO dies mit der Erfolgs-Doku „24/7“ getan hat, wird Showtime beide Boxer in den letzten Wochen vor ihrem Kampf mit der Kamera begleiten und das Ergebnis in entsprechender Form als Hype-Up präsentieren. Übertragen wird das Format allerdings nicht auf Showtime sondern auf dem Partnersender CBS, einem großen Free-TV-Kanal der in 115 Millionen Haushalten zu empfangen ist. „HBO 24/7“ war nur in 28 Millionen Haushalten verfügbar.

Und was bleibt für HBO? Natürlich hat man mit Juan Manuel Marquez, Sergio Martinez, Devon Alexander, Timothy Bradley, Nonito Donaire, Fernando Montiel, Amir Khan und vielen anderen noch einige heiße Eisen im Feuer. Doch die Verpflichtung des größten Zugpferdes Pacquiao ist eine definitive Kampfansage an den Marktführer.

Eine, die man ernst nehmen sollte. Wenn es jemand schaffen kann, Showtime zur neuen Nummer eins im US-Boxgeschäft zu machen, dann „Pac“. Er ist der neue Mike Tyson, der neue Cassius Clay – er ist der Box-Superstar des 21. Jahrhunderts. Er allein kann Showtime zu mehr öffentlichem Interesse und vor allem  - und darum geht es letzten Endes – zu mehr Käufern verhelfen. Es wird interessant sein zu beobachten, was HBO tun wird um ihre Position zu behaupten. Bislang hörte man von deren Öffentlichkeitsabteilung noch nichts, aber es dürfte sicher sein, dass die Köpfe dort hinter verschlossenen Türen bereits mächtig rauchen.

Die Box-Fans wird es freuen. Konkurrenz belebt das Geschäft und wenn dieser sich anbahnende Box-Krieg dazu führt, dass die Sender sich ins Zeug legen müssen und dadurch mehr und mehr Traumkämpfe stattfinden, dann hat er meinen Segen.