Kolumnen

Stars von Morgen: Amir Khan

Foto via www.telegraph.co.uk

Er ist 23 Jahre alt. Er ist WBO Champion im Halbweltergewicht - schon seit fast einem Jahr. Er ist Brite pakistanischer Abstammung, doch er trainiert in Hollywood bei Freddie Roach, einem der größten Trainer aller Zeiten. Mit 17 gewann er Silber bei den Olympischen Spielen, ein Jahr später wurde er Profi. Er hat nicht die große Klappe eines Floyd Mayweather, dennoch ist er Selbstbewusst und im Begriff, sich im Ring einen Namen zu machen. Sein Name ist Amir Khan (23-1, 17 KO) und er hat noch jede Menge vor.

„Es ist ein tolles Gefühl, in Amerika zu kämpfen“, so Khan. „Ein Traum, der wahr wird. Ich möchte am liebsten nach Las Vegas und dort große Kämpfe bestreiten!“

In England ist er bereits ein Star, wird als nächster großer englischer Boxer nach Ricky Hatton gehandelt. „King Khan“ weiß jedoch, dass er es in Amerika schaffen muss – dem Boxmekka – wenn er ein Großer werden will. Auch sein Promoter Frank Warren weiß das und schickte ihn im Oktober 2008 nach Hollywood zu Boxguru Freddie Roach. Dort bekam der junge Khan den Feinschliff für die große Bühne, konnte mit Pound for Pound-König Manny Paqcuiao sparren, nahm unendlich viel mit.

Khan und Trainer Roach (Mitte). Foto via Getty Images.

Zuvor lief es durchwachsen für Khan. Nach einer Serie von 17 Siegen seit seinem Debüt als Profi, wirkte er gegen den maßlos unterschätzten Michael Gomez (38-10, 25 KO) wenig überzeugend , musste gegen seinen nächsten Gegner Breidis Prescott (22-2, 20 KO) nach nur 25 Sekunden auf die Bretter, nochmal nach 41 und verlor so durch KO in der ersten Runde. Die Träume vom Weltmeistergürtel waren vorerst dahin. Zu seiner Verteidigung sei gesagt: Prescott ist ein absoluter KO-Puncher, gewann 17 von 19 Kämpfen vorzeitig, doch Khans Kinn lässt zu wünschen übrig. Schon andere vor Prescott, kleinere Kaliber, schafften es den jungen Boxer anzuknocken.

Nach der Niederlage gegen Prescott kam Khan jedoch zu Roach und alles änderte sich. Seinen Comeback-Fight gegen Oisin Fagan (25-8, 15 KO) gewann er nach nur zwei Runden durch TKO, setzte sich wieder größere Ziele. Gegen den alternden aber erfahrenen Marco Antonio Barrera (65-7, 43 KO) füllte er die Manchester Evening News Arena und gewann nach nur fünf Runden den WBO Intercontinental Titel im Leichtgewicht. Von da ab war klar: Amir Khan ist bereit für die Weltmeisterschaft.

Im Juli 2009 stieg er im Halbweltergewicht gegen den Ukrainer Andreas Kotelnik in den Ring und sicherte sich, wieder in der MEN Arena, vor heimischem Publikum seinen ersten Weltmeistertitel. Nach einem weiteren Blitzsieg als Aufbau war Khan nun reif für die Vereinigten Staaten – der Madison Square Garden wartete. Und mit ihm ein Lokalmatador und Veteran des Boxrings: Paulie Malignaggi (27-4, 5 KO).

Dessen Karriere verlief ein wenig auf und ab in den letzten Monaten. Gegen große Namen ging er auf die Bretter, gewann aber gegen mittelmäßige Kontrahenten noch überzeugend. Der perfekte Gegner also für jemanden, der es in Amerika zu etwas bringen will.

Khan und Malignaggi nach dem  USA-Debüt. Foto via Getty Images.Variabel wie nie zuvor boxte Khan den erfahrenen Malignaggi aus – etwas, dass niemand so erwartet hätte. Er gewann in der elften Runde durch KO und die Amerikaner im WaMu Theater des Madison Square Gardens staunten. Wer war dieser junge Brite, der Haudegen Malignaggi förmlich in die Bronx zurückprügelte? Ein junger Moslem mit dem einprägsamen Namen „King Khan“. Das bleibt hängen.

„Ich bin explosiv“, so Khan. „Es macht Spaß mir zuzuschauen. Ich bin schnell und habe heute ein Zeichen gesetzt. Ich denke, jetzt gibt es einige Leute in Amerika die Amir Khan boxen sehen wollen.“ In der Tat. Der erste Schritt ist gemacht.

Dass es im Vorfeld des Kampfes, aufgrund der teils wahnwitzigen Vorsicht der Amerikaner mit Muslimen, zu Problemen mit seinem Visum kam, er mit seinem kompletten Trainingscamp nach Kanada umziehen musste, schien ihn nicht abzulenken. Dennoch war ihm das eine Lehre: „Muslime haben einen schlechten Ruf in den Staaten, wegen den Bomben und dem Terror. Ich möchte zeigen, dass nicht alle so sind. Seht Amir Khan an“, so der junge Brite über sich selbst. „Ich bin ein englischer Boxer, eines der Gesichter des Boxsports.“

Selbstbewusst ist er. Und wenn er so weitermacht, wird er in naher Zukunft in der Tat zu einem der bekanntesten Gesichter des Boxsports heranreifen. Ich bin schon gespannt darauf.

Die Fakten

Name:
Amir Iqbal Khan

Alter:
23

Größe:
1,78m

Herkunft:
Bolton (Großraum Manchester), England

Gewichtsklasse:

Halbweltergewicht

Erfolge:
WBA Weltmeistertitel im Halbweltergewicht
WBO Intercontinental Titel im Leichtgewicht
WBA International Titel im Leichtgewicht
Silbermedaille Olympische Spiele 2004

Warum ihr auf ihn achten solltet:

Er ist jung, hungrig und hat einen der besten Coaches aller Zeiten an seiner Seite. Für diesen Jungen geht es nur nach oben.

Wo ihr ihn das nächste Mal seht:
Bei seiner Titelverteidigung gegen Joel Casamayor. Casamayor hielt bereits vier Weltmeistertitel und stand schon mit einigen absoluten Größen im Ring. Ein spannender Fight in der O2 Arena London ist also garantiert.

Wo es mit ihm hingeht:
In die USA. Und mit Sicherheit eine Gewichtsklasse nach oben. Dort warten große Gegner – also große Kämpfen mit großen Börsen.