Kolumnen

Split Decision 8: War Brock Lesnar gut für MMA?

Auch nach Brock Lesnars Rücktritt spaltet er die Fans. (Fotomontage: GroundandPound)

Seit einer Woche ist Brock Lesnar offiziell in Rente. In seinem vierjährigen MMA-Lauf hat der polarisierende Riese aus Minnesota mehr erreicht, als mancher Kämpfer in einer jahrzehntelangen Karriere. Der Gewinn des UFC-Schwergewichtsgürtels und das Aufstellen diverser Verkaufsrekorde sind dabei nur die offensichtlichsten Errungenschaften des Ex-WWE-Stars.

Doch Lesnar hatte während seiner Zeit in der UFC deutlich mehr Feinde als Fürsprecher. Ein früherer Pro-Wrestler hat nichts im Octagon zu suchen, meinten viele, und schalteten dennoch ein, nur um ihr Hassobjekt verlieren zu sehen.

Und so sind die Meinungen auch nach seinem Rücktritt noch immer gespalten, und die MMA-Welt fragt sich: War Brock Lesnar nun gut oder schlecht für den MMA-Sport?

Martin Thauer meint:

Eins muss man Brock Lesnar lassen, er hat die Rolle des Bösewichts aus der WWE effektiv in der UFC weitergespielt und dadurch vielleicht Leute wie Chael Sonnen inspiriert. Abgesehen davon hat Lesnar dem MMA-Sport nichts gegeben. Er hat nur abkassiert und das Rampenlicht genossen, aber als er dann wirklich seinen Job machen und kämpfen sollte, hat er sich in seine Wälder zurückgezogen.

Sicherlich hat er viele Zuschauer vor die Fernsehbildschirme geholt, aber dass die Leute nur seinetwegen eingeschaltet haben und sich nach seinem Abgang nicht weiter für MMA interessieren werden, sieht man allein schon an den sinkenden Pay-Per-View-Zahlen. Die Events mit Lesnar verkauften sich immer gut, hauptsächlich weil alle sehen wollten, wie der Wrestler verliert. Und welcher MMA-Fan hat sich nicht riesig gefreut, als Frank Mir ihn bei UFC 81 getappt hat?

Mit seinen Siegen gegen Heath Herring und vor allem Randy Couture hat er gezeigt, was Masse alles ausrichten kann und warum es überhaupt Gewichtsklassen gibt. Nach außen hin hat er dem MMA-Sport damit einen Bärendienst getan. Wie sieht das bitte aus? Ein Show-Kämpfer hält den bedeutendsten Titel in der womöglich komplexesten Einzelsportart der Welt. Kein Wunder, dass sich daraufhin auch Leute wie James Toney am MMA versucht haben.

Wenn man dann noch das unmögliche WWE-Gehabe von Lesnar dazu nimmt, was er eindrucksvoll nach seinen Siegen gegen Herring und Mir gezeigt hat, dann weiß man, dass so jemand im MMA nichts verloren hat. Spätestens im Kampf gegen Shane Carwin hat er dann auch bewiesen, dass diese Einschätzung richtig ist. Wenn er seinen Gegner nicht mit seiner Masse überrennen konnte, dann war es das für Lesnar. Ein oder zwei harte Schläge und schon kauerte sich dieser ach so böse Kämpfer auf dem Boden zusammen und hoffte auf die Rettung durch den Ringrichter.

Fazit: Ein so eindimensionaler Kämpfer, der nur wegen seinen Errungenschaften in einer Unterhaltungssendung gegen die Top-Leute in der UFC antreten durfte, kann auf Dauer nicht mit den Spitzenleuten unseres Sports mithalten. Was hatte er bitte geleistet, um einen Titelkampf in der UFC zu erhalten? Was hatte er geleistet, um ein so hohes Gehalt zu erhalten? Die UFC hätte bei ihm zeigen können, dass niemand nur aufgrund seines Namens eine Sonderbehandlung erhält, stattdessen hat sie alles gemacht, um diesen MMA-Anfänger als Aufhänger zu benutzen.

Hatte man nicht bei Elite XC gesehen, dass so etwas nicht funktionieren kann? Sicherlich kann man die beiden Organisationen nicht vergleichen, aber das Plus an Zuschauern, was Lesnar der UFC über einen kurzen Zeitraum beschafft hat, wird nun auch wieder verschwinden und zurück bleibt die Erinnerung daran, dass ein Unterhaltungskünstler es an die Spitze der weltgrößten MMA-Organisation geschafft hat. War das wirklich das Zeichen, was die UFC mit Lesnar setzen wollte?

Mark Bergmann meint:

Ja, Brock Lesnar ist ein ehemaliger „Show-Wrestler“. Ja, er hat als MMA-Anfänger sehr früh einen Titelkampf erhalten. Und ja, er hat gegen die Top-Gegner des UFC-Schwergewichts kläglich verloren. Aber war er deshalb schlecht für den Sport? Nein!

Zwar mag Lesnar seinen Namen zuerst in der WWE bekannt gemacht haben – einer „Show-Wrestling“-Liga (und das Wort „Show-Wrestling“ ist Müll, dazu aber vielleicht in einer späteren Kolumne mehr). Er war zuvor aber bereits seit Jahren ein hochdekorierter Ringer, was unbestritten die Basis vieler heute erfolgreicher MMA-Kämpfer ist.

Er mag seinen Titelkampf sehr früh erhalten haben. Dass es aber ganz sicher nicht ZU früh war, sieht man allein daran, dass er den Titel am Ende tatsächlich gewonnen hat. Gegen einen körperlich unterlegenen Randy Couture, sicher, aber gegen einen der erfahrensten UFC-Kämpfer seiner Zeit.

Und dass Lesnar gegen die Besten der Besten verloren hat, kann man ihm nun wirklich nicht vorwerfen. Wieviele legendäre UFC-Stars mussten in ihrer Karriere Niederlagen einstecken? Couture verlor u. A. gegen Chuck Liddell, Vitor Belfort, Lyoto Machida, und: Brock Lesnar. Georges St. Pierre wurde sogar von einem wie Matt Serra ausgeknockt. Jeder Champion kann in diesem komplexen und gefährlichen Sport verlieren. Das schadet weder seinem Ruf, noch dem des Sports.

Viel wichtiger ist doch, wieviel Aufmerksamkeit Lesnar auf den Sport gezogen hat. In den USA wird das „Show-Wrestling“ vom Mainstreampublikum keineswegs so belächelt wie von Hardcore-MMA-Fans. Lesnar war dort ein Star. Einen solchen Mann zu verpflichten, war die cleverste Entscheidung, die die UFC damals treffen konnte. Er war ein Medienphänomen, der von Talk-Show zu Talk-Show gereicht wurde und auch MMA-Unbedarfte zum Sport gebracht hat.

Und dass die Pay-Per-View-Verkäufe der UFC mittlerweile sinken, hat nichts mit Lesnars Weggang zu tun – die Zahlen sinken bereits seit mehreren Monaten. Der Grund dafür liegt in der wachsenden Fülle an UFC-Events und der sich immer weiter verschlechternden wirtschaftlichen Lage in den USA.

Fazit: Lesnar war ein Glücksgriff für den MMA-Sport und vor allem für die UFC. Er mag Unsummen verdient haben, hat seinen Arbeitgebern aber noch viel astronomischere Dividenden eingebracht. Er hat einer Schwergewichtsklasse ein Gesicht gegeben, die vorher von der UFC wie das ungeliebte Stiefkind behandelt wurde. Seine Kämpfe stellten Verkaufsrekorde von MMA-, Wrestling- und sogar Boxveranstaltungen in den Schatten und seine TV-Auftritte trugen den Namen "UFC" in die Wohnzimmer selbst entlegenster Winkel der USA.

Egal ob man ihn geliebt oder gehasst hat, Lesnar hatte seinen Platz an der Spitze der UFC verdient und mehr zum Wachstum unserer Sports beigetragen, als manch einer unserer ach so geliebten MMA-Helden.