Kolumnen

Split Decision 6: Georges St. Pierre vs. Josh Koscheck II

Am Samstag verteidigt Weltergewichts-Champion Georges St. Pierre (GSP) bei UFC 124 seinen Titel gegen Josh Koscheck, den er im August 2007 bereits einmal besiegt hat. Rückkämpfe haben ihre eigenen Gesetze. Auf einen legendären Fight, folgt praktisch immer eine Enttäuschung. War der erste Kampf lang, so ist der zweite kurz. In der ersten Begegnung gewann GSP unspektakulär nach Punkten. Dürfen wir also im Umkehrschluss ein Feuerwerk erwarten?

Jürgen Frigger meint:

Bevor GSP von Matt Serra ausgeknockt wurde, war er der unterhaltsamste Kämpfer der UFC. Headkick-KO, Spinning Back Kicks, Submissions und viel Shotokan-Karate. Dann kamen der Sportpsychologe und Trainer Greg Jackson. Seither faselt das van Damme-Double nur noch „I'm in ze best shape of my life“, „nobody can (h)andle my riddim“ und liefert ein Bodenkuschel-Fest nach dem anderen ab. Auf dem Weg zum besten Kämpfer der Welt hat er viele Fans eingebüßt. Ironischerweise hat Koscheck genau so begonnen, bevor er seine Schlagkraft entdeckte.

1. Striking
Hier hat der Herausforderer klare Vorteile. GSPs Karate ist flashy, aber nicht so crisp wie Koschecks konventioneller Stil. Zudem sind Koschecks Fäuste Lichtschalter, während GSP niemals für seine Schlagkraft bekannt war.

2. Grappling
Auf dem Papier ist Kos der viel bessere Ringer, mit mehreren nationalen Titeln, während GSP nicht einmal im College gerungen hat. Doch GSP gewann den ersten Kampf allein durch Ringen und überraschte damit nicht nur Kos, sondern auch die gesamte Fachpresse. GSP hat einen Stil gefunden, der sich perfekt ins MMA einfügt. Er wird also wieder alles tun, um den Kampf auf den Boden zu verlagern. Nur ist Kos dieses Mal besser vorbereitet und der Kampf dauert fünf Runden, nicht drei. GSP-Fans werden im Alves-Kampf bei jedem Stand-Up und jedem Rundenbeginn gezittert haben.

Fazit: Koscheck ist der bislang gefährlichste Striker in GSPs Karriere und gleichzeitig der beste Grappler. Im ersten Aufeinandertreffen war Kos ein eindimensionaler Ringer, der GSP vollkommen unterschätzte. Beides hat sich geändert und könnte dazu führen, dass am Samstag ein neuer Champion gekrönt wird. Natürlich ist und bleibt GSP Favorit, keine Frage. Aber der Kampf ist weit enger als allgemein angenommen. Die Buchmacher bieten bis zu 3,8 : 1 für Koscheck. Eine gute Gelegenheit für eine Außenseiterwette.

Mark Bergmann meint:

Jürgen sagt es in seinem Fazit ja selbst: St. Pierre ist der klare Favorit in diesem Fight. Und auch wenn dieser Sport uns in der Vergangenheit schon oft gezeigt hat, dass alles passieren kann und es sichere Wetten nicht gibt, so habe ich mein Geld in diesem Duell doch auf dem Champion GSP.

Er mag der unterlegene Striker sein, jedoch hat ihn das in der Vergangenheit auch nicht davon abgehalten, seinen Titel zu verteidigen. Was haben die Zweifler nicht im Vorfeld von UFC 100 vor dem aggressiven Stand-Up von Thiago Alves gewarnt? Letztenendes dominierte GSP den Brasilianer über fünf Runden und bescherte ihm die Prügel seines Lebens. Wie viele beschworen die KO-Power von von B.J. Penn und Dan Hardy? Aber auch nach UFC 94 und UFC 111 war St. Pierre noch immer der Champ.

Eins dürfen außerdem alle nicht vergessen: Wenn Josh Koscheck sich ein super Striking aneignen kann, dann schafft der unfassbar ehrgeizige GSP das schon lange. Und der trainiert nicht bei der American Kickboxing Academy – sondern mit einem der besten Boxtrainer aller Zeiten: Freddy Roach.

Was das Ringen angeht, so sehe ich GSP hier noch immer vorn. Egal, ob Koscheck sich dieses Mal besser vorbereitet oder nicht, er wird im Ringen keinen Stich sehen. Trotz nicht vorhandener Laufbahn als College-Ringer, ist St. Pierre der beste Ringer in der UFC, vor allem deshalb, weil er die klassischen Techniken für den MMA-Sport adaptiert hat.

Fazit: Der Kampf wird mit Sicherheit nicht der spannendste Kampf aller Zeiten. GSP wurde in der Vergangenheit (zu Recht) oft für seinen langweiligen, übervorsichtigen Stil gescholten. Doch er hat Erfolg damit. Es dürfte für jedes Weltergewicht auf dem Planeten schwer werden, die Kombination aus perfekten Takedowns und dominantem Positioning am Boden zu verteidigen – geschweige denn, eigene Offensivaktionen anzubringen. Koschecks Striking und St. Pierres Training bei Freddy Roach werden in dieser Begegnung keine Rolle spielen. Der Kampf wird ablaufen, wie jeder andere GSP-Fight in den letzten zwei Jahren. Und er wird auch mit dem selben Sieger enden.

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Die bisherigen SplitDecisions:

Split Decision 1: Steroide im Sport
Split Decision 2: "Showboating"
Split Decision 3: Weight Cutting
Split Decision 4: Stand-Ups
Split Decision 5: Wertungssystem im MMA