Kolumnen

Split Decision 3: Weight Cutting

Fotos via www.jehzlau-concepts.com und www.mmatko.com

Jeder kennt das Problem: Wir sehen einen Kampf im Weltergewicht und im Käfig stehen zwei Mittelgewichtler. Trotz des Gewichtslimits von 170 Pfund, sind die Kontrahenten 15-25 Pfund schwerer am Kampfabend. Die hohe Kunst des Gewichtmachens ist für diese Diskrepanz verantwortlich. Um wettbewerbsfähig zu sein, werden Athleten gezwungen sich dieser ungesunden Tortur vor jedem Kampf zu unterziehen. Gibt es eine Lösung des Problems?

Jürgen Frigger meint:

Unüberlegte Forderungen laufen immer wieder auf diese scheinbare Patentlösung hinaus: Weigh-Ins am Kampftag. Weight Cutting ist essenziell Aushungern und Dehydrieren des Körpers. Dieser Zustand hat negative Auswirkungen auf Herz, Leber, Muskeln, Ausdauer, Blut- und Plasmavolumen etc. Das Gehirn wird zudem durch eine Wasserschicht geschützt, welche sich bei Dehydrierung reduziert. In diesem Zustand einen Schlag zum Schädel zu kassieren, ist wie ein Fahrradunfall ohne Helm; also lebensgefährlich.

Weigh-Ins finden aus zwei Gründen einen Tag vor dem Kampf statt: Planungssicherheit und Vermarktung für den Veranstalter und Rehydrierung der Athleten. In den ca. 30 Stunden zwischen Weigh-In und Kampf können die Sportler ihren Körper wieder auf normalen Status zurückführen.

Menschen werden immer versuchen, sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Weigh-Ins am Kampftag würden das Gewichtmachen nicht verhindern, sondern nur weitaus gefährlicher machen. Wir würden regelmäßig dehydrierte Kämpfer sehen und aus oben angeführten Gründen sehr bald auch Todesfälle.

Sicherlich ist die Weight Cutting-Kultur scheußlich und bürdet den Athleten ungesunde und unangenehme Nebenwirkungen auf, aber eine Lösung zu finden ist nicht so einfach. Die Kommissionen müssten die Sportler wochenlang vor dem Kampf regelmäßig wiegen, um drastische Gewichtsveränderungen zu vermeiden. Ein großer finanzieller Aufwand, der nicht flächendeckend durchgeführt werden könnte. Zudem kann nicht erwartet werden, dass das Gewicht der Kämpfer immer konstant bleibt.

Fazit: Die jetzige Regelung ist schon sinnvoll und das geringere Übel. Um Kämpfer zu sehen, die tatsächlich ihrer Gewichtsklasse entsprechen müssen wir nach Japan schweifen, wo Weight Cutting noch nicht angekommen ist. Und wer sich gewundert hat, warum Frank Shamrock so klein aussieht für ein Mittelgewicht: Er ist der einzige bekannte westliche Kämpfer, der niemals Gewicht macht.

 

Markus Wiemann meint:

Ich kann grundsätzlich nur Jürgen in seinen Ausführungen beipflichten. Auch ich halte Weight Cutting für gefährlich, aber eine Lösung dieses Problems ist nicht in Sicht. Das beste Beispiel ist wohl Thiago Alves, der eigentlich ein eher ein Halbschwergewicht ist, als ein Weltergewicht und der am Kampftag wie Godzilla gegen die anderen Weltergewichtler wirkt.

Aber wo sollte man anfangen? Die Kultur des Weight Cuttings beginnt in Amerika schon bei den High School Ringern und auch Amateurboxer müssen allerorts Gewicht machen. Die einzige Alternative zum Weight Cutting wären offene Gewichtsklassen, aber wer will schon guten Gewissens z.B. Dominick Cruz (57kg) gegen Brock Lesnar (120kg) antreten sehen, amüsant wäre das bestimmt, aber fair wohl kaum.

Man kann eigentlich nur sein Gewicht allmählich reduzieren, um die Gesundheit nicht zu gefährden. Aber auch der Bereich der Rehydrierung ist eine wahre Wissenschaft und Industrie geworden, mit entsprechenden Shakes, Riegeln und Elektrolyt-Cocktails. Wer da auf die richtige Ernährung achtet, kann schon einige Pluspunkte sammeln.

Auch wenn es hier um Weight-Cutting geht, möchte ich auch kurz das Weight-Gaining ansprechen, denn jeder der die Kolumne „Heavy Duty: Gewichtsprobleme“ von Andreas Kraniotakis gelesen hat weiß nun auch, dass Schwergewichtler ebenfalls mit ihrem Gewicht zu kämpfen haben.

Fazit: Das Gewichtmachen ist wohl für jeden professionellen Kämpfer heutzutage unumgänglich, außer für Ausnahmetalente wie Fedor Emelianenko (der mit etwas Weight Cutting eigentlich ein Halbschwergewicht wäre). Das einzige was man tun kann, ist es, Erfahrungen zu sammeln, auf seinen Körper zu hören und möglichst schonend Gewicht zu machen, denn daran führt heute kein Weg mehr vorbei.

 

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Die bisherigen SplitDecisions:

Split Decision 1: Steroide im Sport
Split Decision 2: "Showboating"