Kolumnen

Split Decision 1: Steroide im Sport

Wir befinden uns im Zeitalter der Steroide. Vor keiner Sportart macht diese Entwicklung halt. Die Anti-Dopingmaßnahmen hinken dabei zwangsläufig hinterher und eine Frage wird immer deutlicher: Wenn wir die Entwicklung nicht verhindern können, sollten wir uns damit anfreunden?

Jürgen Frigger meint:

Ich finde Roids klasse. Sie sind der größte medizinische Durchbruch seit der Zitruspresse. Nandrolon zum Beispiel verhilft porösen Knochen zu neuer Festigkeit und wird gegen Blutarmut und sogar Brustkrebs eingesetzt. Im Sport dienen Steroide vorwiegend zur schnelleren Regeneration des Körpers, wodurch Athleten ganz einfach häufiger trainieren können. Der schlechte Ruf von Roids basiert auf Missverständnissen und Heuchelei. Was verbinden wir mit Steroiden?

(Tödliche) Nebenwirkungen: Arnold Schwarzeneggers Herzoperation und den Tod von zwei Dutzend WWE-Stars der 80er Jahre. Verbieten wir Alkohol, weil Maßlosigkeit fatal sein kann? Die steroidbedingten Todesfälle resultierten aus übermäßigem Konsum in den Anfangsjahren, als man noch keine langfristigen Erfahrungswerte hatte; Kinderkrankheiten eines medizinischen Wundermittels. Der Anwendungszweck war zudem nicht gesundheitlicher, sondern kosmetischer Natur. Comicartige Muskelberge zu errichten ist sicherlich nicht der Sinn von Steroiden.

Betrug: Ben Johnsons Olympiasieg 1988, Baseball, die Tour de France und Sean Sherk. Letzterer hat vermutlich niemals verbotene Substanzen genommen. Er gab immer offen zu, täglich 70 verschiedene legale Tabletten zu schlucken. Sein erhöhter Nandrolon-Wert ist wahrscheinlich auf die Masse der legalen Präparate zurückzuführen. Spitzensportler haben logischerweise Zugang zu besseren Trainingscamps, Equipment, Präparaten und auch Steroiden. Geld verschafft in jedem Berufsfeld einen Wettbewerbsvorteil, das ist also kein Argument.

Fazit: Die Benutzung von Roids im Sport sollte überwacht und reguliert, aber nicht verboten werden. Um konkurrenzfähig zu sein, darf ein Sportler nicht gezwungen werden, seine Zukunft zu ruinieren. Solche Negativbeispiele von Doping-Überfluss kennen wir aus der DDR und China.

Doch insbesondere ein Punkt lässt die gesamte Steroid-Debatte zur Farce verkommen: Leistungssportler konsumieren tagtäglich Dutzende von legalen Präparaten, welche die Wirkung von Steroiden so genau wie möglich nachahmen.

Markus Wiemann meint:

Ich finde, dass eine Legalisierung von anabolen Steroiden zu einer Verharmlosung von gefährlichen Substanzen führen würde. Klar helfen Steroide gegen Blutarmut und poröse Knochen, aber halt nur im Krankheitsfall. Sicher hilft auch eine Chemotherapie gegen Krebs, aber unterziehen sich deshalb auch gesunde Menschen einer Chemotherapie? Nein! Und das auch aus gutem Grund! Das Gleiche gilt für anabole Steroide, da sie ebenfalls massenweise Nebenwirkungen haben, denn was nützen mir die größten Muskeln, wenn mir dafür meine Nüsse schrumpfen? Auch wenn man versucht bei synthetisch hergestellten, anabolen Steroiden, die androgene Wirkung zu minimieren, ist diese immer noch nicht gänzlich zu verhindern. Aber auch Leberschäden, Akne, Herzinfarkte und ganz zu schweigen von psychischer Abhängigkeit, Schlaflosigkeit und Verhaltensveränderung (z.B.: "Roid Rage") sind einige der zahlreichen Nebenwirkungen von anabolen Steroiden.

Die grundsätzliche Frage ist es, können wir damit leben, dass gewisse Rekorde nicht gebrochen werden können? Können wir damit umgehen, dass ein natürlicher, menschlicher Organismus bestimmten Beschränkungen unterliegt, die es ihm unmöglich machen immer schneller zu laufen, weiter zu fahren und höher zu springen? Mir ist es persönlich lieber einen fairen Wettkampf zwischen zwei Athleten zu sehen, die unter den gleichen Voraussetzungen sich miteinander messen, als eine Pervertierung wie z.B. die Tour de France wo es tatsächlich um einen Wettstreit der Pharmakonzerne geht. Da fährt nicht Armstrong gegen Ulrich, sondern Bayer gegen Roche oder Merck gegen Novartis. Ich will den besten Sportler gewinnen sehen und nicht den Typen, der am geschicktesten seinen Urin vertauscht hat, das modernste Blutdopingverfahren angewendet oder die meisten Pillen gefressen hat!

Fazit: Fairer Wettkampf hat was mit der Gleichheit der Mittel zu tun, Anderson Silva verteidigt ja auch nicht seinen Titel gegen einen einbeinigen Fünfjährigen, da dies ein ungleicher Kampf wäre und es sich somit nicht um einen fairen Wettkampf handeln würde. Das Gleiche gilt auch für den gedopten Athleten, der sich einen Wettbewerbsvorteil und somit eine Ungleichheit in einen Wettkampf gegenüber einen sauberen Athleten erschleicht. Das hat nichts mehr mit Wettkampf und Messen von Fähigkeiten zu tun, sondern ist einfach nur ein Betrug! Durch eine Legalisierung würden auch der bis dato saubere Sportler geradezu gezwungen selbst zu dopen um überhaupt mithalten zu können und die, die sich schon immer auf Kosten ihrer Gesundheit einen Vorteil erschwindelt haben, müssten noch zu waghalsigeren und gefährlicheren Methoden und Substanzen (z.B. Dinitrophenolen) greifen. Nee, ohne mich!

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