Kolumnen

Sonnen, Fitch und Guida zu Strikeforce

Strikeforce braucht dringend Hilfe.

Am vergangenen Wochenende fand Strikeforce: Rockhold vs. Kennedy statt, und wie bereits in den vorangegangenen Veranstaltungen in diesem Jahr wurden die Fans wieder gut unterhalten. Nate Marquardt lieferte sich mit Tyron Woodley ein sehr abwechslungsreiches Duell, bei dem jeder der beiden Kämpfer seine Höhen und Tiefen erlebte, bevor Marquardt seinen Gegner mit einigen harten Schlägen zu Boden schickte.

Dem vorausgegangen war eine über zwei Runden sehr dominante Grappling-Vorstellung von Roger Gracie in dessen Kampf gegen Keith Jardine. Dieser rettete sich zwar noch über die Zeit, dennoch konnte Gracie ein beeindruckendes Debüt im Mittelgewicht feiern.

Ähnliches trifft auf Lorenz Larkin zu, der sich im ersten Hauptkampf des Abends einen Schlagabtausch mit Robbie Lawler lieferte. Auch hier sahen die Zuschauer ein abwechslungsreiches Duell, an dessen Ende Larkin schließlich als Sieger nach Punkten die Halle verließ.

Lediglich der Hauptkampf zwischen Mittelgewichtschampion Luke Rockhold und Tim Kennedy verlief relativ unspektakulär. Rockhold siegte nach fünf Runden schließlich deutlich nach Punkten, allerdings wird er mit dem Kampf kaum neue Fans gewonnen haben. Nun wartet alles auf ein zweites Duell zwischen Rockhold und Ronaldo „Jacare“ Sousa – hauptsächlich aus Mangel an Alternativen. Mit Larkin und Gracie sind zwar zwei weitere Kämpfer ins Mittelgewicht gekommen, dennoch sehen alle Gewichtsklassen bei Strikeforce im Moment so dünn besetzt aus, dass sich immer wieder die gleichen Kämpfer gegenüberstehen.

Sollte Zuffa tatsächlich noch Interesse daran haben, Strikeforce am Leben zu erhalten, dann wird es Zeit, dass sich dort einige Sachen ändern. Der Gedanke, Kämpfer aus der UFC nach Strikeforce zu schicken, wurde ja bereits von einigen Verantwortlichen ausgesprochen, aber passiert ist bisher nichts (wenn man von Marquardt absieht, der nach seinem Rauswurf aus der UFC bei Strikeforce gelandet ist).

Dabei gäbe es durchaus Kämpfer, die sich für einen solchen Wechsel anbieten würden. Allen voran wäre zu diesem Zeitpunkt Chael Sonnen, der vorerst keinen weiteren Kampf gegen Anderson Silva bekommen wird. Von seinem geplanten Wechseln ins Halbschwergewicht würde ihm Rich Franklin mit Sicherheit abraten, da Sonnen wohl gegen Kämpfer wie Mauricio „Shogun“ Rua, Dan Henderson oder Jon Jones kein Land sehen und dort somit auch keinen Titel gewinnen wird.

Somit wäre ein Wechsel für Sonnen zu Strikeforce ideal. Als Aufbaukampf könnte man ihn gegen Larkin oder Kennedy antreten lassen, bevor es für Sonnen dann um den Titel geht, in einem Kampf, den er sicherlich gewinnen könnte – egal ob Rockhold oder Souza. Dazu wäre Sonnen jemand, der auch wieder einige Zuschauer vor den Fernseher ziehen könnte, was weder Rockhold noch Leichtgewichtschampion Gilbert Melendez bisher gelungen ist.

Weitere Kandidaten für einen Wechsel im Mittelgewicht wären Yushin Okami, Chris Leben, Patrick Cote und Rich Franklin. Keiner von ihnen wird (noch) mal um den Titel kämpfen, so lange Anderson Silva Champion ist. Dennoch haben alle bekannte Namen und könnten einige Zuschauer in die Arena holen und Strikeforce etwas Zeit geben, eigene Kämpfer zu entwickeln.

Allerdings ist es nicht nur das Mittelgewicht, in dem Strikeforce Kämpfer fehlen. Marquardt hat seinen ersten Kampf in der Organisation bestritten und trotzdem gibt es keinen eindeutigen nächsten Gegner für ihn. Besonders hier könnte sich Zuffa bei der UFC bedienen, da das Weltergewicht die vielleicht am besten besetzte Gewichtsklasse der UFC ist.

Dort findet man mit Jon Fitch zudem leicht den ersten Kandidaten für einen Wechsel. Fitch ist aufgrund seines relativ unspektakulären Kampfstils nie zu einem der Lieblinge von Dana White und Co. geworden, weswegen es den Verantwortlichen nicht schwer fallen dürfte, ihn an Scott Coker und Strikeforce abzutreten – auch wenn er dort sicherlich nicht für Zuschauerrekorde sorgen wird.

Ein weiterer Kandidat wäre Yoshihiro Akiyama, der in der UFC einfach kein Land sieht, aber auch immer wieder gegen Top-Gegner in den Käfig gestellt wird. Durch einen Wechsel zu Strikeforce würde die UFC ihre Hoffnung für den asiatischen Markt nicht an einen Konkurrenten verlieren und er könnte wieder einige Siege gegen etwas schwächere Gegner einfahren. Außerdem ist Akiyama immer für einen unterhaltsamen Kampf gut und könnte sich mit den richtigen Gegnern sicherlich zu einem Publikumsliebling nach dem Vorbild vom „Korean Zombie“ Chan Sung Jung entwickeln.

Weitere interessante Verstärkungen wären auch Dan Hardy, Josh Koscheck, Mike Pierce und Paulo Thiago, die in der UFC alle keinen Titelkampf mehr sehen werden und sich entweder mit ihrer Situation dort abfinden oder bei Strikeforce noch mal nach einem Titel greifen könnten.

Im Leichtgewicht hat Gilbert Melendez bei Strikeforce bereits alles aus dem Weg geräumt, was ihm die Verantwortlichen vorgesetzt haben, aber auch in dieser Gewichtsklasse sprudelt es in der UFC nur so vor guten Kämpfern. Sollte sich Frankie Edgar in seinem Rückkampf gegen Benson Henderson den Titel zurückholen, wäre hier die logische Nummer 1 für einen Wechsel Gray Maynard, ansonsten müsste man die Favoritenrolle Clay Guida zuschieben, der inzwischen mehrfach bewiesen hat, dass es für einen Titelkampf nicht reicht. Sollte er zudem in seinen nächsten Kämpfen ähnlich viel vor seinem Gegner davon laufen, wie er es gegen Maynard getan hat, wird er auch ganz schnell die Unterstützung der Führungsetage verlieren.

Dazu wären Melvin Guillard und Takanori Gomi weitere Kandidaten, die man zu Strikeforce schicken und dort nach einem Aufbaukampf leicht als würdige Herausforderer für Melendez promoten könnte.

Fürs Halbschwergewicht müsste Strikeforce sich dagegen etwas einfallen lassen, da die UFC dort mit nur 36 Kämpfern selbst nicht übermäßig stark besetzt ist. Deswegen wäre man hier vielleicht nicht schlecht beraten, ein Turnier zu starten, an dessen Ende dann ein neuer Champion und vielleicht auch ein neuer Star steht.

Vor allem sollte Strikeforce darauf achten, die Frauen nicht zu vernachlässigen. Ronda Rousey und Gina Corrano sind zwei der größten Stars, die Strikeforce hervorgebracht hat, um allerdings das Interesse an den Frauenkämpfen hochzuhalten, braucht Rousey auch vernünftige Herausforderer, damit sich nicht ein ähnliches Bild entwickelt wie zuvor im Federgewicht der Frauen, wo einfach keine Kämpferin mit Cristiane „Cyborg“ Stantos mithalten konnte. Solche Kämpfe schaden auf Dauer mehr, als dass sie beim Aufbau eines dominanten Champions helfen würden.

Deswegen wäre Scott Coker nicht schlecht beraten, weitere Kämpferinnen einzustellen, um würdige Herausforderinnen für Rousey zu schaffen, denn im Moment scheinen die Damen die Einzigen zu sein, die bei Strikeforce Zuschauer vor den Bildschirm holen können.