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Sinn und Unsinn von Pay-Per-View und Pay-TV

Zuffa (Besitzer der UFC) verlangt für ihre Pay-Per-View (PPV) Events seit einiger Zeit fast ausschließlich den Premium-Preis von 45 Dollar (55 für HD).

Der kommende UFC 108-Event sollte ursprünglich Anderson Silva gegen Vitor Belfort als Hauptkampf bieten, nach Silvas verletzungsbedingter Absage sollte Lesnar vs. Carwin folgen. Als auch dieser sowie ein halbes Dutzend weiterer Kämpfe platzte, musste die UFC Rashad Evans gegen Thiago Silva als Hauptkampf verkaufen.

Doch wer nun vermutet, der PPV-Preis würde dem Qualitätsverlust angepasst, kennt die UFC nicht. Dana White bekräftigte noch vor kurzem, dass „ein echter Fan die anderen großartigen Kämpfe der Veranstaltung zu schätzen weiß“ und „eine Senkung des Preises ein falsches Signal sendet“.

Die UFC hat also ein paar hundert tausend Dollar an Gehalt für Premium-Kämpfer gespart, die Qualität des Events ausfallbedingt um 30% reduziert, aber den Preis um 0% gesenkt.

Als der linientreue Kommentator Mike Goldberg bei UFC 107 brav den Piraterie-Disclaimer runter ratterte und drakonische Strafen androhte, fiel ihm Co-Kommentator Joe Rogan ins Wort: „You can't stop the internet, baby!“ Wie treffend...

PPV und Pay-TV braucht kein Mensch. Alles lässt sich durch Werbung finanzieren.

Haben wir vor zehn, 20 oder 50 Jahren keinen Weltklasse-Fußball sowohl auf Vereins- als auch Nationalmannschafts-Ebene gesehen? Die Qualität wird durch den Preis nicht erhöht. Einziger potenzieller Effekt: Ein paar Millionen Fans zahlen viel Geld, damit ein paar tausend Spieler, Trainer und Manager fünf Millionen Euro pro Jahr verdienen statt 50.000 Euro.

Doch damit ist noch längst nicht die Frage geklärt, ob PPV und Pay-TV überhaupt höhere Gehälter bringen? Während die UFC im Schnitt 400.000 PPVs verkauft, schauten sich fünf Millionen Amerikaner (25 Millionen Menschen weltweit) Fedors kostenlosen Kampf auf CBS an. Man muss keine Hornbrille tragen und eine Kugelschreiberpalette in der Hemdtasche haben, um die Marketingrechnung zu absolvieren. Mehr Zuschauer = höherer Bekanntheitsgrad = wertvollerer Werbeträger = mehr Werbedollars.

Selbst wenn man die Werbeeinnahmen der Kämpfer nicht berücksichtigt, so bleiben die reinen Gehälter übrig. Auch hier zahlt Strikeforce offenbar nicht weniger als Zuffa. Der ehemalige UFC-Star Dan Henderson ist z.B. aus finanziellen Gründen zur Konkurrenz gewechselt. Cung Le verdiente trotz seiner KO-Niederlage im jüngsten Strikeforce-Event 150.000 Dollar, mehr als so mancher UFC Champion!

Nehmen wir mal für einen Moment an, PPV würde tatsächlich alle Beteiligten reich machen, wobei die Fans natürlich auch in dieser Rechnung arm bleiben. Wohin hat es den Boxsport geführt, dass Floyd „Money“ Mayweather und Oscar de la Hoya 25 Millionen Dollar pro Kampf verdienen? Ihr direktes Duell war jedenfalls eine langweilige Angelegenheit, ohne jegliches Feuer. Sogar Boxpromoter-Legende Bob Arum bezeichnet heutige Boxer als „Businessmen“, die auch wie Geschäftsleute kämpfen.