Kolumnen

Road to SFL 2 - Teil 3

SFL 2 findet am 7. April statt. (Foto: Benji Radach)

Um in einem Land einen Sport erfolgreich aufziehen zu können, sind zwingend lokale Sportler notwendig, die das Interesse des Landes an dem Sport wecken. Eines der besten Beispiele ist der Engländer Michael Bisping, ohne den das explosionsartige Wachstum der UFC im Vereinigten Königreich kaum möglich gewesen wäre. Dementsprechend ist auch für das Wachstum des Mixed Martial Arts in Indien ein starker Nachwuchs notwendig, damit die Super Fight League auf Dauer erfolgreich sein kann.

Allerdings unterscheidet sich MMA in Indien bereits jetzt von MMA in Deutschland, denn obwohl die SFL im März den ersten Event dieser Art in Indien ausgetragen hatte, waren viele Prominente vor Ort, eine Tatsache, die in Deutschland kaum vorstellbar wäre. Zudem wurde der Event von dem Sender COLORS übertragen und auch die Berichterstattung in den Zeitungen vor Ort, las sich ganz anders, als beim ersten Auftritt der UFC in Deutschland.

Der „Mubai Mirror" brachte z. B. einen Bericht, in dem u. A. die Regeln des Sports ausführlich erklärt wurden. Ähnliches konnte man vor SFL 1 in „The Times of India" lesen, die zudem den Ursprung des MMA bis ins alte Griechenland zurückführte und Bruce Lee eine wichtige Rolle in dessen Entwicklung zuwies. Zudem gab es weitere durchweg positive Artikel im Vorlauf des Events und auch wenn nach dem Event Schlagzeilen wie „Zu brutal, um es zu genießen" auftauchten, so war die Berichterstattung kaum mit der negativen Einstellung der deutschen Medien gegenüber MMA zu vergleichen.

Dadurch kann man bereits sehen, dass MMA in Indien durchaus auf fruchtbaren Boden trifft. Nun liegt es nur noch an den Veranstaltern, dafür zu sorgen, dass auch die lokalen Kämpfer ihre Chance bekommen.

Mit Lakwinder Sekhon, Mohd Shahid und Chaitanya Gavali waren bereits drei indische Kämpfer bei SFL 1 siegreich, allerdings mussten Benji Radach und Dennis Hallman bei ihrer Reise durch Indien feststellen, dass sich noch nicht viele Kämpfer auf diesem Niveau befinden. Dennoch versuchten sie ihr Bestes, um den Leuten in der kurzen Zeit so viel von dem Sport zu erklären, wie es ihnen möglich war.

"Wir hatten unser erstes Training am 13. März. Wir haben mit den Jungs gearbeitet und ihnen Catch Wrestling/Submission Wrestling beigebracht, was auch Erik Paulson, Randy Couture, Kazushi Sakuraba, Kamal Shalorus, Takanori Gomi, and Josh Barnett, Dennis Hallman und ich benutzt haben. Darüber hinaus haben wir ihnen noch die Grundlagen im Kickboxen, Takedowns, Clinch, etc. beigebracht. Sie sind in zwei Wochen schon sehr weit gekommen, aber das sind so viele Informationen."

"Wir wollen sie mit Informationen überfluten und sie dürfen das alles auf Video aufnehmen. Außerdem geben wir ihnen die Lehr-DVD von Dennis Hallman und Jeff Monson: das Jiu Jisu Cook Book. Da werden viele russische Armtechniken erklärt und wie man die Transition von der Guard in alles andere schafft. Die ist echt toll. Nachdem sie zwei Monate lang, zwei Mal am Tag mit uns trainiert haben, können sie sich die ganzen Sachen noch mal ansehen, nachdem wir von dort abgereist sind. Wir kommen dann im Sommer zurück und werden sie dann noch mal damit konfrontieren, damit sie richtig darauf reagieren und nicht über die Dinge nachdenken müssen, die sie machen."

Nachdem die ersten Trainingseinheiten absolviert waren, suchte das Team nach Talenten, deren Förderung sich nach Meinung der Trainer lohnen würde. Diese Aufgabe stellte sich als schwieriger heraus, als man zunächst angenommen hatte. Für Radach war der mangelnde Bekanntheitsgrad ein Grund für das schwache Abschneiden der Kandidaten und natürlich merkten die Profis auch hier, dass die USA und andere Länder Indien in Sachen MMA um Jahre voraus sind:

"Nach zwei Wochen Training hatten sie die ersten Tryouts, bei denen sie nach indischen Athleten gesucht haben, die fürs Training bezahlt werden, versichert werden, Nahrungsergänzungsmittel und Essen bekommen und deren Unterkunft bezahlt wird. Das ist für viele hier in Indien eine große Chance und könnte das Leben von einigen Menschen für immer verändern, wenn sie ausgewählt werden. Die ersten Tryouts wurden gefilmt und ich muss sagen, dass es, im Vergleich zum Rest der Welt, grausam war, was Technik und Talent angeht. Allerdings wussten nur wenige Menschen davon und der Sport hinkt hier so weit hinterher. Ich habe nur einen Kämpfer unter Vertrag genommen und vier anderen haben ich Sponsorenverträge gegeben, die zwar fürs Training und Unterkunft zahlen, aber die Kämpfer bekommen kein Gehalt. Ziemlich cool. Mit dem Wachstum der Super Fight League, erwarte ich, dass in Zukunft viel mehr Leute bei diesen Tryouts auftauchen."

Team Radach bei SFL 1

Damit bietet MMA den Menschen in Indien nicht nur die Möglichkeit ein geordnetes Leben zu führen, sondern auch von der Straße und aus dem Elend herauszukommen. Regelmäßiges Training könnte dem Leben einiger Menschen wieder einen Sinn geben, die sonst den ganzen Tag über nur in ihren Hütten leben. Ein ähnliches Bild kennt man bereits aus Brasilien, wo viele arme Menschen den Kampfsport als einen Weg aus der Armut sehen.

Dazu muss man ihnen allerdings die entsprechenden Möglichkeiten eröffnen und die von Radach und seinem Team durchgeführt Tryouts waren schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

Zudem wird es wichtig sein, wie sich die SFL entwickelt und wie die Medien in Indien mit dem Sport umgehen. Nach den zunächst positiven Stimmen vor der ersten Veranstaltung der SFL gab es in den Medien nach der Veranstaltung auch negative Äußerungen, die sich besonders auf den blutigen Kampf von Joey Guell bezogen. Somit darf man gespannt sein, ob die Stimmung im Land noch kippt. Schließlich gab es in Deutschland zunächst auch keine Probleme, als die UFC auf Premiere ausgestrahlt wurde.

Den Wachstum der SFL werden nicht nur die indischen Fans aufmerksam verfolgen, auch die internationale Szene wird auf den neuen Mitstreiter im asiatischen Markt achten. Den nächsten Schritt wird der Veranstalter am 7. April gehen, wenn bei SFL 2 bekannte Namen wie Paul Kelly, Alexander Shlemenko, Minowaman und Todd Duffee in den Käfig steigen.

Zum Abschluss hatte Radach zudem noch einige interessante Worte für die deutschen MMA-Fans:

"Nach Indien wollen Dennis und ich nach Deutschland. Wir planen schon etwas länger eine Seminar-Tour durch euer Land. Ich habe schon viel Gutes aus Deutschland gehört und nach der Indien-Story werden wir dankbar für den Tapetenwechsel sein. Dennoch ist da noch nichts in trockenen Tüchern und es wäre hilfreich, etwas Unterstützung durch die deutsche MMA-Szene zu erhalten. Soviel zu unseren Plänen für die nähere Zukunft."

Dank geht an Peter Schmidthuisen und Benji Radach für das zuarbeiten der Informationen, für das Interview und die Fotos.