Kolumnen

Road to SFL 2 - Teil 2

Bobb Sapp und Benji Radach (Foto: Benji Radach)

Am 7. April findet in Chandigarh, Indien, die zweite Veranstaltung der MMA-Organisation Super Fight League statt. Im Mainevent des Abends wird der ehemalige UFC Kämpfer Todd Duffee auf Neil Grove treffen. Im Rahmen unserer „Road to SFL 2"-Reihe haben wir mit MMA-Veteran Benji Radach gesprochen, der zurzeit mit Dennis Hallman in Indien unterwegs ist und dort mit den lokalen Kämpfern trainiert.

Zudem war Radach bei der ersten Veranstaltung der Super Fight League vor Ort und betreute drei seiner Kämpfer, die bei der ersten MMA-Veranstaltung in Indien in den Ring stiegen. Bei uns schildert er seine Eindrücke von den Kämpfen und welchen Einfluss Unwissenheit auf einen Kampfausgang haben kann:

"Ich möchte einige Sachen über unseren Aufenthalt hier klarstellen: Es war geplant, dass wir am 8. März für SFL 1 am 11. März hierher fliegen. Von uns haben dort drei Kämpfer gekämpft, bei denen ich auch in der Ecke war. Joey Guell hat gegen „Professor X" Xavier Foupa-Pokam gekämpft, der einen sehr unterhaltsamen Kampf geliefert hat. In der ersten Runde hat Joey sich einen Arm gebrochen und sich einen fünf Zentimeter langen Cut auf der Stirn zugezogen, aber er ist zur zweiten Runde angetreten, ohne uns in der Ecke etwas von seinem Arm zu sagen. Der Ringrichter hat den Kampf schließlich abgebrochen, weil zu viel Blut geflossen ist und da es der erste professionelle MMA-Event in Indien war, wollten sie niemanden vergraulen."

Joey Guell
Joey Guell

Auch wenn der Kampf von Guell nicht so geendet hat, wie Radach und sein Team es sich erhofft hatten, konnten Travis Bell und Jimmy Ambriz im weiteren Verlauf des Events immerhin noch für einen versöhnlichen Abschluss für Team Radach sorgen:

"Wir haben auch Travis Bell betreut, der seit drei Jahren nur noch Ringen trainiert hat und sich ein wenig Geld dazuverdienen wollte, also hat er die Gelegenheit ergriffen, nach Indien zu fliegen und gegen Neil Natasadu, ein harter Kickboxer mit einigen Erfolgen in Deutschland, zu kämpfen. Das war ein typischer Kickboxer gegen Ringer-Kampf. Travis wollte mit Neils Kickboxen nichts zu tun haben und hatte sich eine einfache Strategie zurechtgelegt. Er wollte durch den Ring rennen, Neil zu Boden bringen und ihn dort bearbeiten. Travis hat ihn zwei Runden lang mit Ground and Pound bearbeitet und in der zweiten Runde endlich den Rear-Naked Choke bekommen. Dann waren wir noch in der Ecke von Jimmy Ambriz. Er ist ein stämmiges Schwergewicht und konnte einen TKO-Sieg in den ersten Sekunden der ersten Runde einfahren."

Team Radach bei SFL 1

Nach dem Event, bei dem James Thomson im Mainevent Bob Sapp besiegen konnte, musste Radach wieder feststellen, welche Probleme in Indien auf MMA-Veranstalter zukommen werden. Dabei handelte es sich weniger um die öffentliche Meinung oder politische Unwegsamkeiten, sondern um ganz alltägliche Dinge, die in den meisten Ländern zum Alltag gehören:

Bobb Sapp und Benji Radach

"Joey hatte nach dem Kampf einen gebrochenen Arm, eine gebrochene Nase und einen fünf Zentimeter langen Cut auf seiner Stirn. Nach dem Kampf ging er zu einem Arzt, der seine Nase ohne Betäubungsmittel gerichtet hat, weil diese in Indien nicht erlaubt sind. Joey ist ein lustiges Großmaul aus Mexiko und ein guter Freund und Trainingspartner von mir. Er sagt alles, was ihm gerade durch den Kopf geht. Dadurch wird natürlich alles viel komischer. Er hat mit ihnen gesprochen, als ob sie Betäubungsmittel in den hinteren Räumen hätten, ihm diese aber nicht geben wollte. Das war richtig lustig."

Auch wenn Guell die Situation mit Humor genommen hat, zeigt dies auch, dass in jedem Land, in dem sich eine MMA-Organisation etablieren will, neue Herausforderungen warten. Die UFC musste in Amerika jahrelang um ihr Ansehen kämpfen und in Deutschland steckt sie noch immer in den Mühlen der Justiz fest. Dennoch hat sich mit der Zeit auch in Deutschland eine MMA-Landschaft entwickelt, die langsam aber stetig wächst, was natürlich auch auf den wachsenden Erfolg der deutschen Kämpfer im Ausland und das damit steigende Medieninteresse zurückzuführen ist.

In Indien stehen die Organisatoren nun vor einer ähnlichen Herausforderung. Das Land macht gerade seine ersten Schritte als MMA-Nation und kämpft nun einen ähnlichen Kampf, wie er in anderen Ländern stattgefunden hat. Deswegen ist es verständlich, wenn Kämpfe wegen zu viel Blut abgebrochen werden, obwohl man eigentlich aus Sportarten wie Boxen, Kickboxen und Muay Thai wissen sollte, dass viel Blut nicht immer gleichbedeutend mit einer schweren Verletzung ist.

Dementsprechend ist auch hier viel Aufklärungsarbeit notwendig und da ist es natürlich hilfreich, wenn so erfahrene Kämpfer wie Benji Radach und Dennis Hallman durchs Land reisen und den Menschen den Sport näher bringen. Dass aber noch ein weiter Weg vor ihnen liegt, bevor der erste UFC Champion aus Indien kommt, darüber spricht Radach im nächsten Teil unser Reihe „Road to SFL 2" .

Dank geht an Peter Schmidthuisen und Benji Radach für das Zuarbeiten der Informationen, für das Interview und die Fotos.