Kolumnen

Plädoyer für die Einführung eines Contender-Titels

(Foto via blogs.chron.com)

Bis zum Jahr 2007 gab es im MMA-Sport genau zwei Titel, die von Bedeutung waren: UFC- und PRRIDE-Champion. Inzwischen haben wir den bedeutsamen Strikeforce-Titel und zahlreiche weitere wie DREAM, WEC, Bellator FC etc. Den größten Widerstand ernten jedoch die Interim-Titel. In der UFC ist es inzwischen gang und gäbe, einen Interim-Champion zu küren sobald der eigentliche Titelträger ein halbes Jahr verletzt ist.

Je mehr Champions innerhalb einer Gewichtsklasse, desto geringer die Bedeutung des Gürtels. Zudem entsteht das aus dem Boxsport bekannte Problem, dass die Champions nicht gegeneinander antreten. Auf Interim-Titel hingegen trifft das nicht zu. Im Grunde bedeutet dieser Titel nur eines: Die zwei Top-Herausforderer kämpfen über fünf Runden statt drei. Und das ist eine gute Sache. Die US-Sportkommissionen ermöglichen Kämpfe über die längere Distanz für gewöhnlich nur bei Titelkämpfen. Eine Regulierung, wie viele Titel eine Organisation haben darf, gibt es jedoch nicht.

Die UFC sollte daher einen weiteren Gürtel einführen: den Contender-Titel, als Ersatz für Interim. Immer wenn ein Herausforderer für den Champion ermittelt werden soll, wird um diesen Titel gekämpft. Daraus erwachsen drei gewichtige Vorteile:

1. Der Top-Contender ist deutlich markiert und aufgewertet, ohne den Champ zu entwerten.

2. Titel-Eliminators wie Sonnen-Marquardt werden Main Event-tauglich.

3. Fünf Runden erhöhen deutlich die Wahrscheinlichkeit, dass sich der bessere Kämpfer herauskristallisiert, wovon der folgende Titelkampf ebenso profitiert.

Nun gibt es eine Reihe MMA-Journalisten (wie Jordan Breen) und Fans, die ohnehin lieber ausschließlich fünf und sieben Runden Kämpfe sehen würden. Das würde jedoch meiner Ansicht nach den Sport ruinieren. UFC-Events hätten nur noch Platz für drei statt fünf Kämpfe. Langweiler wie Fitch und Shields würden die Einschaltquoten richtig in den Keller treiben (vgl. Shields-Mayhem auf CBS). Das Tempo würde sich außerdem der längeren Distanz anpassen, weil der Sprint-Faktor fehlt (Gesetz des abnehmenden Ertrags). Vielmehr sollte man den Siegbonus (50% der Kampfbörse!) durch einen Finish-Bonus, der nur bei vorzeitigem Sieg ausgezahlt wird, ersetzen.

Was man bei aller Begeisterung für MMA nicht vergessen darf: Es ist kein Sport wie jeder andere. Im Fußball zählen Siege. Ballzaubereien sind eitler Tand und höchstens eine Randnotiz. Ein Meistertitel trotz quälenden Mauerfußballs steigert sogar das Fan-Wachstum. Der langweilige Stil der Klitschkos hat RTL auch keine Quote gekostet. MMA jedoch war schon immer eng mit Pro-Wrestling verwandt und wird dies auch immer sein. Der Sport steht und fällt mit dem Unterhaltungswert, nicht dem Ergebnis. Ein Contender-Titel wäre der Kompromiss zwischen sportlichem Anspruch und Entertainment. Die wirklich hochklassigen und bedeutenden Kämpfe würden über die gebührende Distanz geführt, aber eben nur diese.