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Kolumnen

Nur angeschlagen oder doch K.o.?

Firat Arslan wird am Samstag in Erfurt gegen Yoan Pablo Hernandez um die WM boxen. (Foto: Universum)

Nach dem Ausstieg des Senders ARD am Ende des Jahres sieht die Zukunft von Europas größtem Boxstall Sauerland Event gerade nicht rosig aus. Doch wie wird es mit dem Berliner Unternehmen weiter gehen?

Ende April kam der Paukenschlag für das Sauerland Team, die ARD will nun nach jahrelanger Zusammenarbeit den ablaufenden TV-Vertrag am Ende des Jahres nicht mehr verlängern.

Schon dem ehemaligen größten Boxstall Europas, Universum Box-Promotion, wurde 2010 der TV-Vertrag mit dem ZDF ebenfalls nicht verlängert. Die Promotion fiel in eine finanzielle Krise, nun steht das Hamburger Unternehmen in Insolvenz. Da stellt sich natürlich die Frage, ob auch Sauerland so einen schmerzvollen Niederschlag erleiden wird.

Mit Jürgen Brähmer, Yoan Pablo Hernandez, Marco Huck und Arthur Abraham hat man einige deutsche Weltmeister, dazu kommt noch die Norwegerin Cecilia Braekhus bei den Frauen. Darüber hinaus versucht man mit den jungen Talenten Jack Culcay, Enrico Kölling, Tyron Zeuge und Neuzugang Stefan Härtel die Zukunft zu sichern. Doch können die genannten Boxer wirklich die breite Masse begeistern? Schon Alexander Povetkin, Robert Helenius und Marcos Nader verließen das Sauerland Team.

Der Spektakulärste verbliebene Name dürfte Marco Huck sein, nicht umsonst besitzt er eine große Fan-Gemeinschaft bis nach Südamerika. Zwar glänzt er nicht mit seinen boxerischen Fähigkeiten, doch mit seinem aggressivem Stil versucht er immer ein vorzeitiges Ende zu erzwingen. Wenn dies nicht reichen sollte, gibt es eben fragwürdige Entscheidungen.

Arthur Abraham befindet sich im Herbst seiner Karriere. Auch wenn er sich wieder seinen WBO-Gürtel erkämpft hat, mehr als drei Kämpfe dürfte er nicht mehr vor sich haben. Zwar hat er Robert Stieglitz bezwungen, doch Stieglitz ist und war nie das Wahre im Supermittelgewicht. Die deutlichen Niederlagen gegen Andre Dirrell, Carl Froch und Andre Ward im Super-Six Tunier haben gezeigt, dass er nicht in der Lage ist, mit der Weltspitze mitzuhalten.

Auch das sogenannte „Jahrhunderttalent“ Jürgen Brähmer kann die Zuschauer nicht wirklich zum Toben bringen. Ebensowenig der aus Kuba stammende Yoan Pablo Hernandez. Der zeigt zwar intelligentes Faustfechten, doch die kubanische Schule hat selten die Zuschauer angelockt.

Die jungen Talente haben ihre Karriere erst noch vor sich. Doch Culcay musste ja schon gegen Guido Nicolas Pitto seine erste Niederlage einstecken und mehr als Kondition hatte der Argentinier nicht. Enrico Kölling und Tyron Zeuge konnten bisher gegen klägliche Kontrahenten überzeugen, doch ob sich das gegen mittelmäßige Gegner ändern wird? Mit der kritischen Lage beim Boxstall kann man sich auch Fragen, ob sich Stefan Härtel letztendlich nur ins eigene Bein geschossen hat.

Beifolgend wurde der langjährigen sportlichen Leiter Hagen Döring bisher noch grundlos entlassen. Obwohl Döring seine Arbeit recht gut gemacht hatte und manchmal wirkte, dass sei er der Einzige mit Ahnung vom Boxen, trennte sich Sauerland nun von ihm.

In Sachen Räumlichkeit wurde auch nun eingespart, das Trainingszentrum in Marzahn ist zum Jahresende gekündigt.

Zwar ist Sauerland auch in England und in den skandinavischen Ländern gut vertreten, doch ein Ende hier, im heimischen Markt, würde erheblich dem deutschen Boxen schaden.

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