Kolumnen

Nieder mit der Versicherung!

Mauricio Rua: Daumen hoch für die Versicherungspolice.

Noch nie fielen in der UFC innerhalb eines Jahres so viele Hauptkämpfer aus wie in diesem Jahr – und dabei sind noch nicht einmal drei Viertel davon vorbei. Zu den Opfern der Verletzungswelle gehören unter anderem Dan Henderson, Quinton „Rampage“ Jackson, Pascal Krauss und, seit gestern erst, Frank Mir.

Mehr noch als Verletzungen und Kampfabsagen existieren Theorien darüber, wie es zu diesen kommt. Die unsinnigste davon ist eine, die besagt, dass die Kämpfer die neue Versicherungspolice der UFC „ausnutzen“ würden und man sie deshalb wieder abschaffen sollte. Heißt dass, diese „Fans“ wollen, dass die Kämpfer verletzt kämpfen und dabei noch schwerwiegendere Verletzungen riskieren? Nur um ihnen 15 bis 25 Minuten spannende Unterhaltung zu bieten?

Wollt ihr sehen, wie ein Kämpfer durch das Octagon humpelt und verhauen wird, um im Nachhinein von ihm zu hören, er habe nur wegen seiner Knieverletzung verloren? Wollt ihr einen Kämpfer sehen, weil er top vorbereitet und der Überzeugung ist, einen Sieg feiern zu können oder weil er dringend Geld benötigt, damit er sich medizinisch behandeln lassen kann?

Natürlich nehmen die Kämpfer die Versicherungsleistung im Verletzungsfall gerne in Anspruch. Aber wollt ihr ihnen das wirklich verdenken?

Damals und heute

Die neue Versicherungspolice der UFC, welche zum 1. Juni 2011 eingeführt wurde, übernimmt alle ärztlichen Kosten, wenn sich ein Kämpfer verletzt oder er einen Unfall erleidet – ganz egal, ob dies im Kampf, im Training oder in seiner Freizeit geschehen ist.

Früher war es so, dass die Kämpfer fast alle Arzt- und Krankenhausrechnungen – die meist nicht gerade preiswert ausfallen – aus ihrer eigenen Tasche bezahlen mussten. Die Versicherung der UFC übernahm lediglich Verletzungen, die während eines Kampfes erlitten wurden.

Dies hatte zur Folge, dass jahrelang viele Kämpfer trotz einer Verletzung ins Octagon stiegen, um einerseits ihre Kampfbörse zu kassieren und andererseits die Versicherung der UFC in Anspruch nehmen zu können.

Es ist ein Unding, dass manche „Fans“ fordern, sie sollen das wieder genauso machen. Schließlich steht bei einem Kampf nicht nur ein Titel oder ein Ranglistenplatz auf dem Spiel, sondern auch die Gesundheit der Sportler und ihre langfristige Karriere.

Hat ein Kämpfer dreimal in Folge verloren, wird er entlassen, und dabei ist es der UFC egal, ob er gesund oder verletzt war, denn wer ins Octagon steigt, bestätigt damit indirekt, dass er gut vorbereitet und fit genug ist, sich mit einem anderen Profisportler zu messen. Das Risiko, verletzt zu kämpfen und dann zu verlieren, ist den meisten viel zu hoch.

Wie komme ich als Kämpfer an mein Geld?

Heute kämpfen UFC-Kämpfer im Durchschnitt dreimal pro Jahr. Das Geld, das sie anschließend mit nach Hause nehmen, setzt sich in der Regel aus der offiziellen Kampfbörse, inoffiziellen Bonuszahlungen der UFC, Zahlungen von Sponsoren und Werbepartnern und eventuell noch einem „X des Abends“-Bonus zusammen.

Die Kämpfer sind nicht fest bei der UFC angestellt, sie erhalten keinen monatlichen Lohn, es sei denn, sie haben einen besonders lukrativen Sponsor. Vielmehr sind sie freie Mitarbeiter, die nur dann Geld bekommen, wenn sie kämpfen. Sagen sie einen Kampf ab, entgehen ihnen Einnahmen in Höhe von mehreren tausend US-Dollar, bei Stars wie Anderson Silva oder Georges St. Pierre sind es sogar mehrere Millionen US-Dollar.

Wäre es aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll, einfach so einen Kampf abzusagen, der den Kämpfern auf einen Schlag genauso viel einbringt wie der Jahreslohn eines normalen Arbeiters, nur um sich den „Luxus“ zu gönnen, sich von der UFC eine medizinische Behandlung zahlen zu lassen? Ganz sicher nicht, und daher ist die Versicherungspolice auch kein bloßer Vorwand dafür, dies zu tun.

Gibt es irgendeinen UFC-Kämpfer da draußen, der am Kampfabend lieber im Krankenhaus liegt als im Octagon zu stehen und vor 20.000 begeisterten Zuschauern zu kämpfen? Niemand geht gerne zum Arzt, niemand lässt sich gerne operieren, aber beides lässt sich nicht vermeiden, wenn man so einen harten Beruf ausübt wie den des MMA-Profikämpfers.

Wer bezahlt jetzt meine Miete?

Nehmen wir einmal unseren deutschen UFC-Kämpfer Pascal Krauss als Beispiel, der sich im Training eine Rippenverletzung zuzog und deswegen seinen für den 29. September geplanten Kampf bei UFC on Fuel TV 5 in England absagen musste. Die Versicherung der UFC übernimmt nun alle Rechnungen, die mit dieser Verletzung in Zusammenhang stehen. Allerdings kommt die UFC nicht für das Geld auf, das er bereits in seine Vorbereitung investiert hat, sie zahlt ihm auch nicht die Miete oder sein Essen.

Die neue Versicherungspolice ist kein Weg, um an Geld für den Lebensunterhalt zu gelangen. Durch ihre Einführung hat die UFC ihren mehr als 350 Athleten dennoch eine große finanzielle Last von den Schultern genommen. Sie müssen sich nicht mehr darum sorgen, ob sie sich eine Operation, ein Medikament oder eine Computertomographie leisten können und sie müssen nicht mehr verletzt ins Octagon steigen, um von der Versicherung zu profitieren.

Forderungen, die neue Versicherungspolice wieder abzuschaffen, weil sie es den Kämpfern ermöglicht, ihre Verletzungen zeitnah und vollständig behandeln zu lassen und es dadurch zu Kampfausfällen kommt, sind hochgradig verachtenswert. Jeder „Fan“, der sich so oder so ähnlich äußert, sollte sich lieber Sportarten wie Schach zuwenden, bei denen Trainingsverletzungen nicht zum Alltag eines Sportlers dazugehören.

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