Kolumnen

Nick Diaz: Kopfschmerzen oder Heilsbringer für die UFC

Nick Diaz (Foto via Strikeforce)

Eine sehr turbulente Woche liegt hinter uns, eine Woche in der es sich viele MMA-Fans wahrscheinlich noch mal überlegt haben, ob sie den Job von UFC Präsident Dana White wirklich wollen. Hatte die UFC mit der Ankündigung, dass Brock Lesnar bei seiner Rückkehr ins Octagon am 30. Dezember auf die Neuverpflichtung Alistair Overeem treffen wird, schon für einen großen Paukenschlag gesorgt, durchkreuzte Nick Diaz die Pläne des UFC Präsidenten von einer perfekten Woche, indem er einfach nicht zu festgelegten Presseterminen erschienen ist. Ein Ding der Unmöglichkeit, schließlich sollte der ehemalige Weltergewichtschampion von Strikeforce als schwerster Gegner aller Zeiten für Georges St-Pierre beworben werden. Dazu am Besten noch etwas „Trash-Talk“, für den Diaz ja bekannt ist, auf der Pressekonferenz und schon hat man das perfekte Rezept für einen erfolgreichen Pay-per-View.

Aber Diaz tauchte nicht auf, obwohl Dana White bei Vertragsunterzeichnung nur von Diaz verlangt hat, „dass er das Spiel spielt“. White reagierte sehr schnell und befördert Co-Maineventteilnehmer Carlos Condit in den Titelkampf gegen GSP - eine Entscheidung, die sogar Diaz Manager und Trainer Cesar Gracie verstehen konnte. St-Pierre schaltete sofort in den Marketingmodus und erklärte Condit zu einem viel stärkeren Gegner, als Diaz es gewesen wäre. Eine Aussage, die wohl nicht jeder Fan unterschreiben würde, dennoch zeigt sich darin die Professionalität des dominanten Champions, eine Eigenschaft, die leider nicht zu den Spezialitäten von Diaz gehört.

Dabei hatte Diaz nicht nur im Interview mit GnP-TV darauf hingewiesen, dass er mehr Geld verdienen will. Der Kampf gegen GSP wäre eine Gelegenheit gewesen, zu beweisen, dass er das Geld, was er für den Kampf bekommen hätte, auch verdient hat. Eine Gelegenheit, die Diaz verstreichen ließ. Zur Überraschung vieler hat ihn die UFC allerdings nicht sofort gefeuert, sondern man gibt ihm eine zweite Chance und lässt ihn gegen den ursprünglichen Gegner von Carlos Condit antreten: BJ Penn. Natürlich hat es nicht lange gedauert, bis die ersten Verschwörungstheoretiker sich zu Wort meldeten und verlauten ließen, dass das ganze Theater nur eine Show der UFC war, um den Kampf zwischen Diaz und GSP noch interessanter zu machen. Eine sehr weit hergeholte Theorie, wenn man bedenkt, was auch ohne Verletzungen der Kämpfer alles schiefgehen könnte:

Natürlich geht GSP als Favorit gegen Condit ins Rennen, aber Condit hat gegen Dan Hardy gezeigt, dass er durchaus KO-Power in den Fäusten hat und Dong Hyun Kim hat er mit einem Flying Knee zu Boden gestreckt. St-Pierre ist bekanntermaßen gegen Matt Serra KO gegangen, also besteht auch hier durchaus die Chance einer Überraschung.
Ebenso ist der Kampf gegen Penn kein Selbstläufer und selbst wenn Diaz gewinnen sollte, müsste er schon sehr überzeugend gewinnen, um den Fans einen Kampf gegen GSP noch schmackhafter zu machen. Ein langweiliger Punktsieg würde dem Interesse an einem Kampf gegen den Champion eher schaden als nützen.

Wenn man von der Verschwörungstheorie weggeht, stellt sich die Frage: Warum sollte die UFC Diaz noch mal für einen Titelkampf einplanen? Er hat mehrfach bewiesen, dass man sich nicht auf ihn verlassen kann und das ist eine Eigenschaft, die man in einem Geschäft, in dem es um sehr viel Geld geht, einfach nicht gebrauchen kann. Allein die Tatsache, dass Diaz nicht sofort gefeuert wurde, zeugt von seiner Beliebtheit, aber wie kann die UFC sichergehen, dass er zur nächsten Pressekonferenz erscheint, wenn er es schon nicht schafft, zur Pressekonferenz für den bisher größten und lukrativsten Kampf seiner Karriere auf der Matte zu stehen? Diese Frage wird sich Dana White sicher stellen, wenn Diaz bei UFC 137 gewinnen sollte, dabei war doch eigentlich der Kampf gegen GSP der Grund, warum man Diaz in die UFC geholt hat.

Eins hat die UFC mit den Schlagzeilen der letzten Woche auf jeden Fall geschafft: Kaum einer spricht vom Halbfinale des Schwergewichtsturniers von Strikeforce und vielleicht war ja das der Meisterplan, der hinter allem steckte...