Kolumnen

MMA-Tagebuch: M-1 Challenge in Tiflis, Georgien - Teil 1

Die Altstadt von Tiflis (Foto: Creative Commons/Kobalt)

Als Redakteur von Groundandpound.de habe ich schon einige Länder gesehen, in Georgien war ich aber noch nie. Mein zweiter Trip zu M-1 Global führt mich nun in die georgische Hauptstadt Tiflis. Das ist mein Tagebuch.

Georgien - war da schon mal wer? Kennt man nur als rauhe Gegend, die viele beinharte Ringer und Judoka hervorgebracht hat. Da geht also die nächste Reise hin. Ein deutsches Top-Ten-Leichtgewicht hat mich mit den Worten verabschiedet: „Komm heil wieder, Georgien ist schließlich nicht Mallorca!“

Diese Wort im Kopf, besteige ich in Leipzig mein Flugzeug und schwebe rund fünf Stunden später – nach kurzem Zwischenstopp in Wien – über die malerischen, schneebedeckten Berge, die Tiflis umgeben. Im Flugzeug sitzen außer mir nur 10 andere Passagiere, Platz ist also genug. Georgien ist offenbar tatsächlich nicht Mallorca.

Nach der Landung sprechen mich auf dem Weg zur Passkontrolle zwei grobschlächtige Sicherheitsbeamte in gebrochenem Englisch an: „Mr. Mark Bergmann?“

„Yes?“, erwidere ich vorsichtig.

„We waiting you.“

Mir rutscht das Herz in die Hose. Die beiden bedeuten mir, zur Passkontrolle zu gehen und ihnen anschließend zu folgen. Dem Zollbeamten scheint irgendetwas nicht zu gefallen, denn er begutachtet den Pass kurz, blickt grimmig drein und behält ihn anschließend eine Ewigkeit ohne jedoch etwas damit zu tun. Bevor ich mich traue, nachzufragen, ob etwas nicht in Ordnung ist, platzt einer der beiden Sicherheitsleute in die Kabine und pflaumt den Beamten auf georgisch an. Sichtlich genervt schiebt der mir meinen Pass zurück durch die Öffnung und ich darf passieren.

Wie sich herausstellt, wollten die beiden Männer in Schwarz mich nicht in irgendeine dunkle Verhörzelle abführen, sondern nur zu meiner Fahrerin Nina. Ich bin trotzdem beeindruckt.


Malerische Landschaft: Der Landeanflug auf Tiflis.

Nina ist sehr nett, ihr Englisch aber ähnlich gut wie mein Russisch. Sie versucht deshalb die anfangs ein wenig wortkarge Fahrt durch Musik aufzupeppen, kann sich aber nicht zwischen georgischer Folklore und (englischsprachigem) georgischem Pop entscheiden und stellt das Radio schließlich wieder ab. Irgendwann beginnt sie mir Sehenswürdigkeiten zu erklären, an denen wir vorbeifahren. Ich freue mich, weil ich viel zu verstehen glaube, und antworte eifrig, halb englisch, halb russisch. Wie sich herausstellt, habe ich außer "Policia" kein einziges Wort richtig verstanden und wir komplett aneinander vorbeigeredet. Ist aber nicht schlimm, Nina telefoniert und hupt dafür viel, und ein Pick-Up kracht um ein Haar in meine Seite - ist auch unterhaltsam.

Zwei Dinge fallen mir auf der Fahrt besonders auf: eine riesige Reklametafel, die für ein Therapiezentrum zur „Behandlung“ von Homosexualität wirbt, und dass die modernsten Gebäude offenbar alle staatlichen Einrichtungen, wie Polizei, Gerichten oder Ministerien gehören. Ansonsten wirkt Tbilisi, wie die georgische Hauptstadt überall außerhalb Deutschlands heißt, auf den ersten Blick recht trist und verfallen – versprüht aber auch irgendwie ihren eigenen Charme.

Eat Like a Champion!

Gut für mich: Arena und Hotel liegen direkt nebeneinander. Ich bedanke mich bei Nina und checke ein, als mir gesagt wird, dass ich dieses Mal kein Einzelzimmer habe, sondern mir einen Raum mit M-1-Global-Matchmaker Stanislav "Staz" Kharlamov teile. Auch mal was Neues.

Staz ist ein recht lockerer Typ, da hätte ich es auf jeden Fall schlechter treffen können. Kaum im Zimmer angekommen, bietet er mir einen großen Schluck des berühmten georgischen Weins an und erklärt mir, dass ein Großteil der Kämpfer Schwierigkeiten hat anzureisen, weil der Flughafen Istanbul wegen Schneechaos gesperrt ist. Die Halle ist dafür bereits ausverkauft.

Ich frage ihn, wie er als Matchmaker die Chancen unseres deutschen Max Coga gegen den ungeschlagenen Pavel Vitruk sieht. Er erklärt mir, dass er ihm deutlich größere Chancen ausrechnet als viele glauben. Das gefällt mir.

Nach ein wenig Arbeit und einer kurzen Dusche setze ich mich in die Lobby, um zu sehen, wer sich hier so alles herumtreibt. Kurz darauf läuft mir M-1-Halbschwergewichtschampion Stephan Pütz über den Weg und fragt, ob ich ihn zum Abendessen begleiten will. Na aber sicher will ich das, mir knurrt der Magen!

Pütz offenbar auch, denn er bestellt sich eine Portion Lasagne für zwei Personen und verputzt sie innerhalb weniger Minuten restlos alleine. Anschließend ordert er beim ungläubig dreinschauenden Kellner noch einen Teller Spaghetti Bolognese zum Mitnehmen, die er sich später auf dem Hotelzimmer gönnen will. Ich esse einen Teller Beef Stroganoff und schaue dem Spektakel verdutzt zu.

110 Kilo wiegt Pütz übrigens off-season, und erklärt mir, dass er bis zu einer Woche vor dem Wettkampf noch „normal“ isst. Danach streicht er die Kohlenhydrate und verliert jeden Tag zwei Kilo. Ich bin neidisch, der Mann ist gesegnet.

Nach einem Glas georgischen Weißweins machen wir uns zurück ins Hotel und beenden so den ersten Tag in Tiflis. Ich bin froh, dass Staz genauso laut schnarcht wie ich. Am nächsten Tag stehen Pressekonferenz und Wiegen an.