Kolumnen

Lucky Losers

Maia, Omigawa, Young und Einemo (v.l.n.r.) sind die moralischen Sieger von UFC 131. Fotomontage von GroundandPound, Fotos via ufc.com.

12 Sieger und 12 Verlierer gab es am vergangenen Samstag bei UFC 131. Doch oft nehmen auch diejenigen, deren Arm nach dem Kampf nicht vom Referee in die Höhegereckt wird, einen Erfolg mit nach Hause. Einen moralischen Sieg, der sie zwar nicht in den Ranglisten nach oben bringt, dafür aber in der Gunst von UFC-Fans uns Offiziellen. Wir stellen euch die vier „Lucky Loser“ von UFC 131 vor:

Jon Olav Einemo

Nach über vier Jahren Ring-Abstinenz kehrte der schwedische Bodenkampfspezialist Jon Olav Einemo ins aktive Geschehen zurück – und das gleich auf der ganz großen Bühne, in einem UFC-Pay-Per-View-Kampf. Sein Gegner Dave Herman erregte bereits vor dem Kampf einiges Aufsehen, als er es sich mit der gesamten Grappling-Szene verscherzt hat und versicherte, dass „Brazilian Jiu Jitsu nicht funktioniert“. Viele erwarteten nun, dass der Golden Glory-Schüler Einemo Herman eine Lektion im brasilianischen Ringkampf verpassen würde. Doch weit gefehlt, die beiden Schwergewichte lieferten sich eine erbitterte Schlacht im Stand, bei der unglaubliche Treffer ausgeteilt und eingesteckt wurden.

Die erste Runde lag nach einem starken Finish sicher beim Schweden, doch im zweiten Durchgang konnte „Pee-Wee“ Herman das Blatt zu seinen Gunsten wenden. Nachdem er von einem Einemo-Knie und einer Folgekombination sichtlich angeschlagen zurückweichen musste, kam er sofort zurück und landete ein hartes Knie zum Kopf Einemos und schickte ihn anschließend mit einem krachenden linken Haken auf die Bretter. Einige Folgetreffer später war der Fight vorüber und Einemo der offizielle Verlierer. Mit seiner beherzten Leistung sicherte er sich aber nicht nur den UFC-Bonus für den Kampf des Abends, sondern auch die Gunst der UFC-Oberen. Es gilt als sicher, dass wir Einemo wieder im Octagon sehen werden – spätestens bei einer künftigen Show in Schweden.

Demian Maia

Mark Munoz mag seinen Kampf gegen Demian Maia zu recht nach Punkten gewonnen haben und nähert sich – ebenfalls zu Recht – einem Ausscheidungskampf im Mittelgewicht, doch was von dem UFC 131-Duell der Beiden vor allem hängen bleibt, ist das unglaublich verbesserte Striking von Grappling-Ass Maia. Sobald das Tonsignal die erste Runde eingeläutet hat, marschierte der Brasilianer vorwärts und überrumpelte die „philippinische Abrissbirne“ mit schnellen und akkuraten Kombinationen.

Während einem Schlagabtausch in der ersten Runde erwischte Maia seinen Gegner sogar so hart, dass der erst einmal auf wackeligen Beinen zurücktaumelte. „Er hat mich überrascht“, bestätigte Munoz nach dem Kampf. „Als er mich in der ersten Runde erwischt hat, hatte ich richtig Wackelpudding in den Beinen.“

Munoz überstand die gefährliche Situation und konnte im Laufe der Runden mit seiner hervorragenden Takedown- und Submissionverteidigung, sowie eigens ausgeteilten, knackigen Strikes einen knappen Punktsieg einfahren. Ein Rückschlag für Demian Maia, doch eine beeindruckende Leistung, die ihn zu einem der großen moralischen Sieger des Abends gemacht hat.

Michihiro Omigawa

Einen ebenfalls sehr knappen Fight lieferten sich Darren Elkins und Michihiro Omigawa im Eröffnungskampf des Abends. Beide Kontrahenten lieferten sich 15 Minuten lang fast ausschließlich einen sehr ansehnlichen Boxkampf, in dem Omigawa vor allem in den letzten beiden Runden die klareren Treffer zu setzen schien. Die Punktrichter werteten das Duell nach drei Runden jedoch mit 29-28, 29-28 und einer unverständlichen 30-27 für Elkins – der fassungslose Omigawa verstand nach der Urteilsverkündung die Welt nicht mehr.

UFC-Präsident Dana White machte über seinen Twitter-Account sofort seinen Unmut deutlich und schrieb: „Wieder haben die Punktrichter einen Kämpfer bestohlen! Omigawa hat diesen Fight gewonnen!“ Um dieses Statement zu unterstreichen, kündigte White zudem an, Omigawa trotz der Niederlage den in der UFC für Gewinner üblichen (und enorm lukrativen) Sieg-Bonus auszuzahlen. Ganz klar ein moralischer Sieg für den 35-jährigen Japaner.

Jason Young

Für den jungen Briten Jason „Shotgun“ Young ging Samstagnacht ein Traum in Erfüllung, als er im Vorprogramm von UFC 131 nach fünf Jahren als Profikämpfer sein Debüt in der MMA-Champions League feiern durfte. Gegen Dustin Poirier glänzte er mit technischem Striking, wie sauberen Kombinationen und harten Lowkicks, und spektakulären Moves, wie Backkicks und doppelten Roundhousekicks. Poirier hatte allerdings keine warmen Willkommensgrüße für Young in Petto, sondern attackierte in einem mörderischen Tempo mit unberechenbaren Schwingern. Young fand im zweiten Durchgang den Schlüssel, um die wilden Treffer Poiriers zu vermeiden und selbst Punkte zu sammeln. Poirier wurde das im dritten Durchgang offenbar zu bunt, weshalb er den Kampf zu Boden brachte, wo allerdings nicht mehr viel passierte.

Nach dem Kampf entschuldigte sich Poirier dafür bei Young und bestätigte, dass „Shotgun“ der beste Kämpfer ist, dem er bislang je Gegenüberstand. Ein großes Kompliment, wenn man bedenkt, dass Poirier erst bei seinem letzten UFC-Auftritt den früheren Federgewichtstitelkandidaten Josh Grispi besiegen konnte. „Shotgun“ Young gab den Kampf nach drei unterhaltsamen Runden auf den Punktzetteln zwar ab, doch hat nicht nur bei US-Kommentator Joe Rogan, sondern auch bei den Fans und Offiziellen einen super Eindruck hinterlassen.

Mark Bergmann ist Chefredakteur von GroundandPound. Er berichtet über Boxen und Mixed Martial Arts. Für noch mehr News, Gerüchte und Meinungen, folgt ihm auf Twitter: @MarkBergmann.