Kolumnen

Lieber Kampfsport-Weihnachtsmann...

Foto: Jonathan Meath as Santa Claus/Wikimedia Commons

Das Jahr 2019 ist fast geschafft, Weihnachten steht vor der Tür. Auch die GNP1-Redakteure haben wieder ihren Wunschzettel ausgefüllt und wer weiß, vielleicht geht ja der ein oder andere Wunsch auch in Erfüllung. Hoffentlich waren sie alle auch brav genug, damit etwas unter dem Baum liegt.

Lars Geber: Jon Jones vs. Stipe Miocic

Jon Jones ist ohne jeglichen Zweifel einer der besten und talentiertesten MMA-Kämpfer aller Zeiten. Ob man ihn nun auf Nummer 1, 2 oder 3 einordnet, hängt sicher auch von persönlichen Präferenzen ab. Ich habe allerdings leider den Eindruck, dass er sich in den letzten Jahren mit Ausnahme der beiden Kämpfe gegen Daniel Cormier sehr zurückgenommen hat. Er macht im Octagon nur noch das Allernötigste. Gerade gegen Thiago Santos wäre das beinahe schief gegangen und auch gegen Anthony Smith hätte er anders angreifen können.

In der Halbschwergewichtsklasse hat Jones einige der besten Kämpfer aus drei Generationen besiegt, sodass er vielleicht eine neue Herausforderung braucht, die in ihm ein neues Feuer entfacht. Eine solche Herausforderung könnte ein Wechsel in die Schwergewichtsklasse sein, verbunden mit der Aussicht, Doppel-Champion zu werden. Stipe Miocic, der aktuell den Schwergewichtstitel hält, wird 2020 voraussichtlich ein drittes Mal gegen Daniel Cormier kämpfen. Verteidigt er seinen Gürtel, würde ich mir ein Duell gegen Jones wünschen. Miocic ist kein allzu großes Schwergewicht, aber trotzdem schlagkräftig. Er kann sowohl sehr gut boxen als auch sehr gut ringen, sodass er für Jones ein stilistisch interessanter Gegner wäre. Für sein Debüt im Schwergewicht fiele mir kein passenderer Gegner ein.

Dorian Szücs: Rico Verhoeven vs. Badr Hari 3

Zweimal trafen die Top-Schwergewichte Rico Verhoeven und Bad Hari bei Glory jetzt bereits aufeinander, leider endeten beide Male die stark umworbenen Kämpfe für die Fans mehr als enttäuschend. Im ersten Fight musste Hari nach einer Armverletzung in der zweiten Runde abbrechen, im Rückkampf war es nun eine Beinverletzung in Runde drei, die Hari zur Aufgabe zwang. Dabei hatte der Marokkaner gerade im zweiten Kampf bis zum unerfreulichen Ende die Nase deutlich vorne, immerhin schickte er Verhoeven gleich zweimal krachend auf die Bretter.

Am Ende zählt aber das, was in der Kampfbilanz steht – und da hat Hari nun zwei Niederlagen gegen Verhoeven aufleuchten. Das kann man so nicht ohne weiteres stehen lassen. Ein vernünftiger Kampfausgang muss zwischen den beiden her und das so schnell wie möglich. Hari ist nach Angaben seines Trainerstabes ab September wieder kampfbereit und wird voraussichtlich erst einmal einen Aufbaukampf bestreiten. Mein Wunsch: Badr Haris Aufbaukampf im September – Duell Nummer drei gegen Rico Verhoeven im Dezember.

Fabian Habel: Francis Ngannou vs. Anthony Johnson

Es wäre ein Kampf der Superlative. Francis Ngannou gehört inzwischen seit vier Jahren zu den besten Schwergewichten der Welt und präsentierte sich in seinen letzten drei Kämpfen stärker denn je. Die physische Ausnahmeerscheinung ist der wohl furioseste K.o.-Schläger aller Zeiten und wird wohl in absehbarer Zeit den UFC-Titel tragen.

Wer wäre für Ngannou also ein geeigneterer Gegner als ein ehemaliges Weltergewicht? Dass Anthony Johnson jemals das 77-Kilo-Limit einhalten konnte, grenzt aus heutiger Sicht an ein Wunder. Schon zu seinen aktiven Zeiten gehörte er zu den imposantesten Halbschwergewichten überhaupt, inzwischen bringt “Rumble“ stattliche 127 Kilo auf die Waage. Sein angekündigtes Comeback kann somit nur im Schwergewicht stattfinden. Vielleicht ja gegen Francis Ngannou?

Mark Bergmann: Conor McGregor vs. Jorge Masvidal

Seien wir ehrlich: Dieser Kampf muss kommen. Der irische Superstar gegen den Baddest Motherfucker on the Planet. Ob das Duell ein ausgeglichenes wird? Oder doch Dana White recht behält, der meinte, Masvidal sei physisch zu stark für McGregor? Wen interessiert‘s! Allein der Build-up zu diesem Fight wäre legendär, der PPV sicher der bestverkaufte des Jahres. Und genau deshalb glaube ich, dass mein Wunsch tatsächlich erfüllt werden könnte. Und warum auch nicht?

Der Titel im Leichtgewicht wird erst im April zwischen Khabib Nurmagomedov und Tony Ferguson ausgekämpft, der Gewinner dürfte bis mindestens Jahresende pausieren. Und Weltergewichts-Champion Kamaru Usman hat mit Leon Edwards und Tyron Woodley genügend andere würdige Herausforderer. Der Zeitpunkt wäre Mitte des Jahres also perfekt für einen solchen Mega-Fight. Vorher muss McGregor aber erst einmal gegen Donald Cerrone beweisen, dass es sportlich überhaupt noch für derartige Prestige-Duelle reicht.

Florian Sädler: Khabib Nurmagomedov vs. Justin Gaethje

Jeder freut sich auf Khabib vs. Tony. Natürlich. Aber nachdem der Kampf im Laufe von vier Jahren vier Mal ausgefallen ist, kann ich mich noch nicht so ganz darauf einlassen, mich jetzt schon auf den fünften Anlauf zu freuen. In den vier Monaten bis zum Termin kann man über viele Telefonkabel stolpern. Da widme ich mich in meinen MMA-Tagträumen lieber schon dem nächsten Schritt.

Auch, wenn ich damit Tony Ferguson übergehe: Ich will sehen, was Justin Gaethje aus einer Chance gegen Nurmagomedov macht. Mit seiner unterschätzten Ringer-Expertise, seiner K.o.-Gefährlichkeit und dem gnadenlos offensiven Kampfstil glaube ich, dass er dem aktuellen Leichtgewichts-Champion seine spannendste Herausforderung bieten kann.

Alexander Petzel-Gligorea: Anthony Joshua vs. Deontay Wilder

Auch wenn ich eher dem MMA als dem Boxen zugeneigt bin, wünsche ich mir für das kommende Jahr nichts sehnlicher als ein Aufeinandertreffen dieser beiden Schwergewichts-Weltmeister. Alleine schon, damit ich nie wieder lesen muss, dass einer dem anderen vorwirft, dem Kampf aus dem Weg zu gehen. Aber auch sportlich dürfte kaum ein Boxkampf interessanter sein als das Duell zwischen der ungeschlagenen K.o.-Maschine aus Alabama und dem englischen Olympiasieger, der seit wenigen Wochen wieder dreifacher Weltmeister ist.

 

Kann Wilder auch Joshua K.o. schlagen oder lässt sich Joshua nicht aus der Reserve locken? Wir haben seit vielen Jahren wieder eine richtig interessante Konstellation an der Spitze des Schwergewichtsboxens, es wäre sehr schade, wenn dieses Matchup den gleichen Weg wie Mayweather-Pacquiao ginge und man es erst dann auf die Beine stellt, wenn einer der beiden Teilnehmer schon über seinen Zenit hinaus wäre.