Kolumnen

Licht aus im Käfig!

Toney gegen Jackson oder doch gegen Kimbo? (Fotomix via brawlin.net, proelite.com und telegraph.co.uk)

James "Lights Out" Toney, der in seinem ersten MMA-Kampf gegen Randy Couture mehr als nur alt aussah, will zum MMA-Sport zurückkehren. Im letzten August wurde er in nur 3:19 Minuten von Couture vorgeführt und klopfte im Arm-Triangle Choke ab, ohne vorher auch nur eine offensive Aktion gebracht zu haben. Viele rechneten damit, dass Toney sich nun beschämt zurückziehen und dem MMA den Rücken kehren würde, doch weit gefehlt. In einem Interview versicherte Toney nun, dass er definitiv wieder in den Käfig steigen wird. "Das ist hundertprozentig sicher", so der alternde Boxer.

Lebt der Mann eine Illusion oder ist er nur auf einen weiteren Scheck aus, unabhängig davon, wie seine Leistung am Ende ausfallen wird? Couture offenbarte deutlich, dass sein Toney offensichtlich weder BJJ noch Ringen in sein sogenanntes MMA-Training aufgenommen hatte. Nun will er also zurück in den Käfig, doch ist ein anderes Ergebnis als beim Octagon-Debüt im zweiten Versuch eher unwahrscheinlich. Das dachte sich Toney wohl auch selbst, denn er forderte einen Standup-Fighter heraus: Quinton "Rampage" Jackson.

Nachdem der sich zuvor bereits selbst ins Gespräch gebracht hatte, sei der 42-jährige Toney nun gewillt, gegen Jackson in den Käfig zu steigen. Jackson würde, laut eigener Aussage, nicht wie Couture gegen Toney kämpfen, sondern sich stattdessen dem Standkampf stellen. Ich muss nicht erwähnen, dass Toney dies sehr zupass käme, schließlich wären seine Chancen dort am größten. "Das wäre Selbstmord [für Jackson]", sagte ein siegessicherer Toney.

Nun stellt sich die Frage, ob dieser Kampf in der UFC überhaupt ausgetragen werden könnte. Ein eher unwahrscheinliches Szenario. Rampage befindet sich nach dem Sieg gegen Machida auf bestem Weg zu einem Titelkampf. Eine Pause, um "nebenbei" gegen Toney zu kämpfen, scheint schwer vorstellbar.

Dazu würde Dana White diesem Kampf niemals zustimmen, da er nach Toneys erstem Octagon-Auftritt versicherte, dass "dieser Mann nie wieder in der UFC auftreten wird". Es ist also davon auszugehen, dass in der UFC künftig kein Platz mehr für Toney sein wird.Toney in MMA (Foto via round1mag.com)

"Es ist mir egal, ob in der UFC oder woanders", trotzte Toney im Interview. "Wenn James Toney kämpft, füllt sich die Halle mit Leuten."

Dass der Fight nach Jacksons Vertragsablauf eventuell außerhalb der UFC stattfinden wird, ist allerdings ebenso unwahrscheinlich. Was hätte Rampage von einem solchen Kampf? Er könnte von sich behaupten, einen Boxweltmeister im Stand besiegt zu haben und damit Respekt für seinen Striking ernten. Doch bringt ihm das mehr Ansehen als in einem UFC Kampf gegen einen wahren MMA-Fighter anzutreten? Wohl eher nicht.

Was bringt James Toney ein solcher Kampf? Wie der Couture-Fight zeigte, hat Toney keine Chance in einem MMA-Kampf, außer sein Gegner willigt ein mit ihm stehen zu bleiben, was das Ganze allerdings zu einem (Kick)Boxkampf mit MMA Handschuhen machen würde. Jackson spricht zwar davon, in dem Kampf nur stehend anzugreifen, eine Garantie ist dies aber noch lange nicht. Die Frage ist auch ob Toney sich nur auf Schläge einigen will, denn schließlich wäre ein Standkampf im MMA auch mit Kicks verbunden. Wenn der Geldbetrag stimmt ist Toney scheinbar alles recht und es bleibt abzuwarten ob die beiden Parteien auf einen gleichen Nenner kommen.

Nun die Frage: Was für einen Vorteil bringt "Rampage" Jackson dieses Duell? Falls er Toney in einem MMA Kampf besiegt, wird der Boxer von einem unfairen Auseinandersetzung reden. Sollte Jackson mit Toney stehen bleiben und durch Boxen und Clinchen im Käfig gewinnen, werden viele Kritiker behaupten, dass es klar war diesen Sieger zu sehen, da Jackson schließlich als MMA Kämpfer den Vorteil des Octagons kennt und ausnutzt. Sollte Jackson ein reines Boxduell im Octagon wollen, besteht die Gefahr ausgeknockt zu werden, was ziemlich schmerzhaft für sein Ansehen werden sollte und ihn in den Rankings weiter nach unten befördern würde. Dazu wäre dies eine Chance für Toney zu behaupten Boxer seien MMA-Kämpfern überlegen.

Wir werden sehen was zustande kommt, schließlich wäre "Toney vs. Kimbo" auch eine willkommene Alternative außerhalb der UFC, die Einschaltquoten aber keine Qualität garantieren würde. Toney ist offensichtlich auf der Suche nach Publicity, sonst hätte er sich nie auf ein Duell gegen Randy Couture eingelassen. Da der MMA Sport seit Jahren unaufhörlich wächst, war dies die Chance die Gespräche um "Boxen vs. MMA" weiter voranzutreiben, besonders weil Toney nie ein Freund weniger Worte war. Da Kimbo Slice aus der UFC entlassen wurde und seitdem eine Kampfpause einlegt um sich mit B-Movies über Wasser zu halten könnte dies tatsächlich die Chance sein wieder ins Geschehen einzugreifen. Schließlich hatte Kimbo in der Vergangenheit bereits mehrfach angedeutet, eine Karriere als Berufsboxer anstreben zu wollen. Sollte ein MMA-Fight zwischen Rampage und Toney also nicht zustande kommen, so wäre ein Boxkampf zwischen Kimbo Slice und dem alternden Boxer doch eine lukrative Alternative. Toneys Chancen, in einem puren Boxkampf gegen Slice, wären zudem deutlich höher als in einem MMA-Kampf gegen Jackson.

Für Veranstalter und Promoter wäre ein Duell mit Jackson oder Kimbo ein großer Erfolg, denn dies würde hohe Einschaltquoten und Zuschauereinnahmen garantieren.  Ob es sich um einen Boxkampf oder um einen MMA Kampf in der UFC handelt, die Gewinne wären phantastisch, doch die Frage ist ob die UFC oder eine renomierte Boxpromotion dies zulassen würde, da die Angst vor einer "Freak Show" groß wäre. Schließlich will man mit einer Firma/Organisation ein bestimmes Ruf gerecht werden.

Für den Boxzuschauer wäre es interessant zu sehen wie ein MMA-Kämpfer gegen einen Boxer in heimischen Boxring zurecht kommt. Der MMA hardcore-Fan würde mit Sicherheit einschalten, doch fraglich wäre es ob Boxfans bei einem Duell im Octagon einschalten würden, ebenso durchschnittliche MMA Fans bei einem Boxduell im Ring.

Die eigentliche Frage ist jedoch, wieso sich Toney auf ein MMA Duell einlassen sollte, wenn er doch nur im Stand kämpfen will? Wäre ein Aufeinandertreffen bei K-1 nicht sinnvoller? Dort bestehe keine Gefahr auf den Boden gebracht zu werden, um wie ein Fisch auf dem Trockenen, zappelnd und nach Luft ringend, abzuklopfen, wie Toney es gegen Couture tat. Dazu wäre eine "Freak Show" in Japan nichts Neues, schließlich durfte man dort Duelle wie Hong-Man Choi gegen Fedor Emelianenko oder Genki Sudo gegen Eric "Butterbean" Esch u.ä. sehen, was die Kritik an diesen Aufeinandertreffen nicht geringer machen würde.

Die Frage die Toneys Promoter sich stellen werden ist sicherlich wo es die meisten Einnahmen generieren würde, in Japan, den USA und dort ob im Ring oder Käfig. Noch ist nichts entschieden, doch scheinbar erreicht Toney sein Ziel: Aufsehen erregen und Zuschauer anlocken.

Am 27. Januar wird Toney seinen Titel im Boxen verteidigen, danach ist er nach eigener Aussage für alles offen, ob Ring oder Käfig. Vielleicht hat Toney dann doch noch ein As im Ärmel und überrascht alle unverhofft?

Überraschung? (Foto via mmaopinion.com)