Kolumnen

Krieg und Frieden im japanischen Kampfsport

„Sie müssen mich umbringen, um die UFC aus Japan fern zu halten“ - Dana White, 2009

Mit dem angeführten Statement machte der UFC-Geschäftsführer, Dana White, schon 2009 klar, dass Japan ein vorrangiges Ziel innerhalb der weltweiten Expansionspläne der Ultimate Fighting Championships darstellt. Mehr als ein Jahr später gibt es zwar noch immer keine konkreten Pläne für einen Event im Land der aufgehenden Sonne, doch Japan ist weiterhin ein primäres Ziel der Organisation.

Im Gespräch mit FightersOnly erklärte Mark Fischer, der Verantwortliche für die UFC-Expansion in Asien, dass man sobald wie möglich einen großen Event in Japan abhalten möchte. „Wir können zwar noch nichts bestätigen, aber wir hoffen auf eine Veranstaltung gegen Jahresende oder Anfangs des nächsten Jahres“, so Fischer. Die Schwierigkeiten, um am japanischen Kampfsportmarkt Fuß zu fassen, sind der UFC dabei bewusst. „Es ist ein Schritt-für-Schritt-Prozess. Es gelingt nicht über Nacht. Wir möchten eine Fanbasis aufbauen, unsere Medienaufmerksamkeit steigern,… bevor wir einen Event dorthin bringen.“

Der mühsame Weg zurück in den japanischen Markt gleicht jedoch einer Sisyphusarbeit. Zu den großen TV-Sendern besteht derzeit kein Zugang und die japanischen Medien schenken der UFC nur wenig Aufmerksamkeit. Neben dem kleinen Sender „WOWOW“ konnte man zwar weitere Verträge mit „TV Bank“ und „NTT Plala“ abschließen, der große Durchbruch scheint damit jedoch ebenfalls unwahrscheinlich. Der Zugang zu den großen japanischen TV-Sendern wird derzeit von den Köpfen hinter K-1/DREAM kontrolliert. Außerdem darf im Kampfsportgeschäft auch die japanische Mafia, die Yakuza, nicht außer Acht gelassen werden. Diese trug sowohl zum Aufstieg der japanischen Kampfsportindustrie, als auch zu deren Einbruch bei und hat seit jeher großen Einfluss in diesem Bereich.

Ohne ernstzunehmende TV- und Medienpräsenz wird es derzeit schwer für die UFC eine rentable Großveranstaltung in Japan auf die Beine zu stellen, weshalb die UFC wohl noch weitere Anstrengungen betreiben muss, bevor es tatsächlich zur Rückkehr nach Japan kommen kann.

Einen weiteren Stein in der Diskussion um das Kampfsportgeschäft in Japan hat ESPN-Reporter Josh Gross ins Rollen gebracht, welcher berichtete, Strikeforce plane ebenfalls eine Expansion in den japanischen Markt. Dabei möchte man laut Gross nicht lange mit Taten auf sich warten lassen und schon im April mit dem zweiten Teil des Schwergewichts- Grand Prix eine Veranstaltung nach Japan bringen.

Der Strikeforce-Geschäftsführer, Scott Coker, soll bereits auf dem Weg nach Japan sein, um mit Real Entertainment (dem ehemaligen Co-Produzent von PRIDE und derzeitigem DREAM-Veranstaltungspartner von FEG) zu verhandeln. Die Kämpfe Alistair Overeem gegen Fabricio Werdum und Josh Barnett gegen Brett Rogers könnten damit schon in Japan stattfinden. Böse Zungen wittern dahinter jedoch lediglich die Absicht, den Dopingtests der amerikanischen Sportkommissionen zu entgehen, nachdem Barnett schon mehrmals positiv getestet wurde und Alistair Overeem ebenfalls der Einnahme von leistungssteigernden Substanzen bezichtigt wird.

Sollte es gelingen, mit Real Entertainment einen japanischen Partner an Board zu holen, könnte man zwar einige Risiken, die mit einer Veranstaltung auf fremdem Territorium einher gehen, vermeiden, ist jedoch noch mit weiteren Problemen konfrontiert. Als weitgehend unbekannte Organisation in Japan wird es sicherlich schwer werden, sich dort zu behaupten.

Würde man hingegen die Partnerschaft mit DREAM im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung intensivieren (ein Kämpferaustausch läuft bekanntlich bereits seit einiger Zeit), könnte man die Chancen für eine erfolgreiche Expansion steigern. FEG kämpft jedoch derzeit mit eigenen Problemen, weshalb es unklar ist, ob Strikeforce in diese Pläne passt. Nichtsdestotrotz könnte eine Partnerschaft für beide Seiten erhebliche Vorteile bringen. Andererseits zeigten sich japanische Veranstalter in Bezug auf Partnerschaften in der Vergangenheit nicht immer verlässlich. Außerdem ist das japanische Kampfsportgeschäft von viel Politik geprägt und sehr komplex.

In einer Nussschale: Es ist für ausländische Veranstalter schwer im japanischen Markt Fuß zu fassen, was sowohl für die UFC, als auch für Strikeforce gilt. Besonders anbetracht der Tatsache, dass sich das japanische MMA derzeit in einer Degenerationsphase befindet und selbst die japanischen Organisationen mit ernsten Problemen zu kämpfen haben. Es wird demnach interessant zu beobachten sein, wie sich diese Situation in den kommenden Monaten entwickeln wird.