Kolumnen

Jones vs. Sonnen als Rettung für TUF?

Jon Jones soll seinen Titel wieder gegen ein Mittelgewicht aufs Spiel setzten (Foto: Mark Bergmann/GroundandPound)

Die UFC scheint ein wenig an den schlechten Quoten für die aktuelle Staffel von The Ultimate Fighter zu verzweifeln, das wäre zumindest die einfachste Erklärung für die Verkündung von Halbschwergewichtschampion Jon Jones und Chael Sonnen als die Trainer für die nächste Staffel und den damit verbundenen Titelkampf für Sonnen.

Schließlich würde Jones damit zum zweiten Mal hintereinander gegen einen Kämpfer ins Octagon steigen, der seine letzten Kämpfe im Mittelgewicht bestritten hat. Im Gegensatz zum Kampf gegen Vitor Belfort wäre Sonnen allerdings keine Notfalllösung, sondern ein lange aufgebauter Kampf mit Vorspiel in der Reality-Serie. Dazu hat Sonnen auch noch seinen letzten Kampf im Mittelgewicht deutlich verloren und bekommt nun gleich einen Titelkampf in seinem ersten Kampf im Halbschwergewicht seit 2005.

Natürlich war die UFC auf der Suche nach jemandem, der bei TUF ein wenig für Unterhaltung sorgt und die Zuschauerzahlen nach oben kurbelt, allerdings sollten die Verantwortlichen eigentlich seit dem Auftritt von Brock Lesnar in der Show wissen, dass es nicht die Trainer sind, die die Zuschauer vor den Fernseher locken.

Seit dem Ausfall von Georges St. Pierre ist Jon Jones das Aushängeschild der UFC in Nordamerika und durchaus für stabile Pay-per-View-Zahlen verantwortlich, allerdings hat sein Ansehen bei den Fans, besonders nach dem Ausfall von UFC 151, sehr gelitten. Damals wollte er den Kampf gegen Sonnen aufgrund der kurzfristigen Ansetzung nicht annehmen, zudem ließ er vorher auf Twitter verlauten, dass er es Sonnen nicht erlauben würde, sich in einen Titelkampf zu reden, was dieser nun aber doch geschafft hat.

Damit gerät langsam auch der Wert dieses Titels in Gefahr. Wie ernst kann man einen Titelträger nehmen, der der beste Kämpfer der Welt sein will, seinen Titel aber nur gegen Kämpfer verteidigt, die eigentlich nicht in seiner Gewichtsklasse kämpfen? Natürlich hilft TUF dabei, Jones während seiner Verletzungspause in den Köpfen der Fans zu behalten, aber anstatt Sonnen den Titelkampf zu geben, hätte man die Zeit nutzen sollen, um einen richtigen Nummer-1-Herausforderer zu bestimmen.

Mit Mauricio „Shogun“ Rua und Alexander Gustafsson treffen bereits im Dezember zwei Kämpfer aufeinander, denen man bei einem Sieg einen Kampf gegen Jones hätte geben können. Auch ein Duell zwischen Lyoto Machida und Dan Henderson hätte einen würdigen Herausforderer krönen können. Dazu stehen mit Phil Davis und Glover Teixeira zwei weitere Kämpfer in den Startlöchern, die nach ein/zwei Siegen gegen gute Gegner ebenfalls als würdige Herausforderer zur Verfügung ständen.

Stattdessen geht der Titelkampf an einen Mann, der bereits zwei Titelkämpfe in einer niedrigeren Gewichtsklasse hatte, und beide nicht gewinnen konnte. Dabei hatte UFC-Präsident Dana White nach UFC 153 noch getönt, dass er Anderson Silva mit Geld überhäufen würde, um den Kampf zwischen ihm und Jon Jones auf die Beine zu stellen. Auch daraus wird nun nichts.

Sicherlich ist es nicht das erste Mal, dass ein Kämpfer einen Titelkampf bekommt, nachdem er zuvor in einer niedrigeren Gewichtsklasse einen Titelkampf verloren hatte. Randy Couture hatte bereits 2006-2007 den Präzedenzfall dafür geschaffen, als er den dritten Kampf gegen Chuck Liddell verlor und anschließend Tim Sylvia besiegte und sich wieder den Schwergewichtstitel sicherte. Allerdings war damals das Schwergewicht sehr schwach besetzt und kaum Herausforderer für Sylvia vorhanden, während es für Jones durchaus noch die ein oder andere Aufgabe in seiner Gewichtsklasse gibt.

Natürlich hat man in letzter Zeit immer wieder gesehen, dass, nur weil etwas geplant ist, es noch lange nicht dazu kommen muss, aber mit dieser Ansetzung setzt die UFC definitiv das falsche Zeichen. Ein großes Mundwerk zählt mehr als Leistung darf einfach nicht das Motto einer MMA-Organisation werden. Dan Henderson äußerte seinen Unmut bereits auf Twitter: "Ich sollte wohl mit dem Training aufhören, um Kämpfe zu gewinnen, und damit, die Fans zu unterhalten, und einfach zur Trashtalk-Schule gehen."

Sicherlich geht es beim MMA auch darum, Geld zu verdienen – was EliteXC, PRIDE FC und Co. leidvoll erfahren mussten, aber man sollte die Fans nicht auf Dauer für dumm verkaufen und ihnen ungleiche Duelle immer wieder als hochspannende Kämpfe verkaufen, bei denen alles passieren kann.

Irgendwann kommen auch die Gelegenheitszuschauer darauf, dass ein Kämpfer, der es in einer leichteren Gewichtsklasse in zwei Versuchen nicht geschafft hat, den Champion zu besiegen, wohl auch kein besonders gefährlicher Gegner für den Champion in der höheren Gewichtsklasse sein wird. Und dann darf man sich nicht wundern, wenn die Zuschauern sich weigern, die 50 oder 60 Dollar für den Pay-per-View auszugeben und sich dafür lieber die kostenlosen Events auf Fox, FX oder Fuel ansehen.

Dazu sollte die UFC bedenken, dass nächstes Jahr Bellator auf Spike TV zu sehen sein wird. Und Spike hatte sich bereits als MMA-Sender in den USA etabliert, bevor die UFC zu Fox wechselte. Mit Bellator haben Sie nun eine Organisation im Programm, die genau das Gegenteil von dem repräsentiert, was die UFC im Moment betreibt: Titelkämpfe müssen verdient werden und werden nicht einfach so vergeben. Vielleicht sollte sich die UFC daran ein Beispiel nehmen, ansonsten könnte es passieren, dass die Fans nächstes Jahr wieder beim altbekannten Spike TV einschalten und die Zuschauerzahlen bei TUF weiter sinken – egal, wer da als Trainer vor der Kamera steht.