Kolumnen

Jon Jones: Der neue "Bad Boy" der UFC?

Jon Jones wird sich vielen Fragen stellen müssen. (Foto: Mark Bergmann/GroundandPound)

Es ist schon interessant, wie schnell sich das Blatt für einen Kämpfer wenden kann. Noch vor wenigen Wochen wurde Jon „Bones“ Jones gefeiert, weil er einen Werbevertrag mit Nike abgeschlossen hat, und nun wird er als Feigling verspottet, weil er einen Kampf gegen Chael Sonnen abgelehnt hat, woraufhin UFC 151 abgesagt wurde.

Das ist nicht nur für die Fans ärgerlich, die sich Karten für den Event gekauft, Flüge und Hotelzimmer gebucht haben, sondern ganz besonders für die weniger bekannten Kämpfer, die an dem Abend in den Käfig steigen sollten, da sie alle mit einem Gehaltscheck gerechnet haben, der nun ausbleibt.

Daran ist aber nicht alleine Jon Jones Schuld. Sicherlich, wenn er den Kampf gegen Sonnen akzeptiert hätte, hätte der Event wie geplant stattgefunden und alles wäre gut gewesen, allerdings muss sich aber auch die UFC die Frage gefallen lassen: Warum muss man einen Event absagen, weil ein Kampf ausfällt?

Die ganzen letzten Events waren von Absagen gebeutelt und fanden doch statt. Hier kann man von Seiten der UFC darauf verweisen, dass man in acht Tagen keinen neuen Mainevent auf die Beine stellen konnte. Hätte man aber von Anfang an einen etwas besser besetzten Event zusammengestellt, hätte ein gut besetzter zweiter Hauptkampf als Ersatz einspringen können – wie es beispielsweise bei UFC 147 der Fall, als Anderson Silva vs. Chael Sonnen verschoben werden musste und Wanderlei Silva gegen Rich Franklin den Event schließlich anführte.

Das ist somit eine Thematik, mit der sich die UFC in der nächsten Zeit sicherlich noch auseinandersetzen muss. Jones hat sich dagegen mit seiner Aussage, den Kampf gegen Sonnen, der kurzfristig für den verletzten Dan Henderson eingesprungen wäre, nicht anzunehmen, klar positioniert. Er hat nicht vor, sich bei irgendwem beliebt zu machen. Jones geht es um Jones.

Noch vor wenigen Tagen sagte der amtierende Halbschwergewichtschampion der UFC noch, dass es ihm vor allem darum ginge, Geld zu verdienen. Dann muss er sich erst recht die Frage gefallen lassen, warum er den Kampf gegen Sonnen abgelehnt hat. So muss er nun bei UFC 152 gegen Lyoto Machida antreten - zum zweiten Mal innerhalb von einem Jahr - ein Kampf, den er eigentlich nicht wollte, da „Machida hohes Risiko birgt und wenig Pay-per-View-Verkäufe bringt.“

Jones hatte sich für einen Kampf gegen Dan Henderson vorbereitet, einen hervorragenden Ringer mit KO-Power in den Fäusten. Stattdessen hätte er nun gegen Sonnen antreten sollen, einen hervorragenden Ringer, der seit 2007 niemanden mehr KO geschlagen hat, seinen letzten Kampf im Mittelgewicht bestritten und verloren hat und noch gar nicht im Training war, weil sein nächster Kampf erst im Dezember stattfinden sollte.

Zudem soll der letzte Kampf von Sonnen die höchsten Pay-per-View-Zahlen für die UFC dieses Jahr erzielt haben, womit ein Kampf gegen Sonnen wahrscheinlich lukrativer und weniger risikoreich gewesen wäre, als der Kampf gegen Machida. Warum also hat Jones den Kampf abgesagt? Wirtschaftlich und sportlich gesehen wäre es der bessere Schachzug gewesen, gegen Sonnen zu kämpfen.

Sicherlich hätte Jones im Kampf gegen Sonnen nicht viel zu gewinnen gehabt. Er wäre als haushoher Favorit in den Kampf gegangen und alles andere als ein spektakulärer und dominanter Sieg wäre eine Enttäuschung gewesen. Bei den zum Teil äußerst umstrittenen Punktrichterentscheidung in letzter Zeit hätte er, wenn es ganz schlecht gelaufen wäre, vielleicht sogar verlieren können. Aber sollte sich einer der besten MMA-Kämpfer Gedanken wegen einer Niederlage machen?

Er hätte der gute Junge sein können, der einem Kämpfer einen Titelkampf gegeben hat, der aus einer anderen Gewichtsklasse kommt und seinen letzten Kampf verloren hat, nur damit der Event stattfindet. Nun ist er laut Dana White der erste Champion der Zuffa-Ära, der einen Kampf abgelehnt hat. Zudem hat er dafür gesorgt, dass die Zuffa-UFC zum ersten Mal einen Event absagen musste. Kein guter Weg, um sich das Wohlwollen des UFC-Präsidenten zu sichern. Auch bei den Fans und bei den anderen Kämpfern, die bei UFC 151 hätten antreten sollen, wird er sich keine Freunde mit seiner Entscheidung gemacht haben.

White hatte den Verantwortlichen für die Absage von Jones in dessen Trainer Greg Jackson gefunden. Dieser soll zu Jones gesagt haben, dass es „der größte Fehler seiner Karriere wäre, wenn er den Kampf annehmen würde.“ Natürlich ist es immer noch die Entscheidung von Jones einen Kampf anzunehmen oder nicht, weswegen er sich jetzt die Anschuldigung von vielen Fans gefallen lassen muss, dass er ein Feigling ist.

Sonnen nutzte in einem Interview bereits dessen Werbevertrag und schlug einen neuen Werbeslogan für Nike vor: „Just do nothing“. Alleine daran, dass Sonnen auf einmal die Rolle des „Guten“ übernommen zu haben scheint, sieht man, wie sehr das Saubermann-Image von Jones in letzter Zeit gelitten hat.

Bereits vor seinen letzten Kämpfen kam Jones bei den Fans nicht mehr so gut an und wurde immer häufiger als arrogant bezeichnet. Dazu kam seine Festnahme wegen Alkohol am Steuer und die Tatsache, dass er offen zugab, hauptsächlich des Geldes wegen zu kämpfen. Ein cleverer Stratege wie Jackson könnte die Gelegenheit gesehen haben, um Jones endgültig in den Mann zu verwandeln, den die Menschen entweder lieben oder hassen – Hauptsache sie wollen ihn kämpfen sehen.