Kolumnen

Jon Jones: Believe the Hype

Bild von Josh Hedges/Zuffa.

Im Nachgang zu UFC 128 überschlägt die MMA-Presse sich mit Artikeln über Jones Jones. Viele lobpreisen den jungen Amerikaner, der bibeltreu lebt, spanischen Omas ihre gestohlenen GPS-Geräte zurückbringt und darüber auch noch "lustige" Geschichten erzählen kann, als wäre er der schwarze Jesus. Die anderen geben sich lieber alternativ: überschätzt sei Jones, noch niemnand hätte ihn im Octagon bislang getestet. Der Kampf gegen einen wirklich Großen, der fehle ihm. Denn wen habe er schon geschlagen? Einen Brandon Vera, der selbst dem steinalten Couture unterlag? Einen (ebenfalls überschätzten?) Ryan Bader? Und einen nach der dritten Knieoperation reichlich immobilen Shogun? Ja, sicher  - aber den wahren Test habe er noch vor sich.

Dieser Autor schlägt sich weiß Gott nicht immer auf die Seite der breiten Masse, aber diesmal muss er es, denn sie hat ganz einfach Recht. Nicht nur, dass Jones über eine (faktisch) ungeschlagene Kampfbilanz gegen eine Reihe durchaus namhafter Gegner verfügt; er hat diese Gegner bereits seit seinem zwanzigsten Lebensjahr konstant von Anfang bis Ende eines jeden Kampfes dominiert, ohne auch nur irgendwie in Schwierigkeiten zu geraten. Von welchem anderen Top-Halbschwergewicht kann man das sagen? Zudem wird Jones von Kampf zu Kampf merklich besser; er trainiert erst seit drei Jahren im MMA-Sport und ist bereits Champion in einer der hochkarätigsten Gewichtsklassen in der mit Abstand größten MMA-Organisation weltweit. Bei aller Skepsis liegt der Schluss doch nahe: Jones muss über geradezu aberwitziges Talent verfügen, das sich zudem mit einer überlegenen Physis und hochprofessionellem Training vereint.

Und damit der Punkt nicht in Vergessenheit gerät: Seinen Kampf gegen einen Top Fünf-Kämpfer hat Jones gehabt. Bader mag vielleicht am unteren Ende der Top Ten gewesen sein, aber Shogun war zweifellos in den Top Fünf. Wenn Shogun fit ist, wie er es noch in Pride war, ist er Weltklasse. Wenn er schlecht trainiert ist, wie gegen Griffin oder Coleman, ist er trotzdem noch immer in den Top Ten. Aber man darf bezweifeln, dass seine Performance bei UFC 128 viel mit seiner Form zu tun hatte. Jones hatte den Kampf wieder einmal durchgängig dominiert und Shogun schon früh in der ersten Runde mit schweren Treffern erwischte, die dem Brasilianer den Wind aus den Segeln nahmen. Danach wurde er zwischen Jones' kranichartiger Reichweite, seinen erfolgreichen Takedowns und seinem dominanten Top-Game zerrieben. Die Frage muss erlaubt sein: Wen sollte man in der 93 Kilo-Klasse gegen "Bones" favorisieren? Rashad Evans? Den Rashad Evans, der gegen Thiago Silva nur eine laue Lay'n'Pray-Punktentscheidung rausgeholt hat und auch gegen einen alten und konditionsschwachen "Rampage" Jackson nur mit Mühe und Not gewinnen konnte? Die Buchmacher sind da jedenfalls anderer Meinung...

Zum Abschluss eine kleine Relativierung: Der Halbschwergewichts-Titel ist seit Lidells Niederlage gegen Quinton Jackson Anfang 2005 in acht Kämpfen nur zweimal verteidigt worden, und hat sechs verschiedene Träger in sechs Jahren gesehen. Natürlich ist Jones nicht unschlagbar, natürlich kann auch er besiegt werden. Aber ihn immer noch als jemanden zu sehen, der sich erst einmal gegen "die Besten" beweisen muss, statt als Teil "der Besten", heißt einfach, ignorant gegenüber seiner Leistung und seinem Potential zu sein. Er ist der Weltmeister - er ist "der" Beste.