Kolumnen

Heute vor fünf Jahren: 01. Oktober

Seit einem halben Jahrzehnt versorgt euch GroundandPound schon mit Nachrichten, Interviews und Kolumnen zum Thema MMA, K-1, Muay Thai und Boxen. Viel ist seitdem passiert - auf unserer Seite und in der weiten Welt des Kampfsports. Wir werfen anlässlich dieses großen Jubiläums einen Blick zurück in unser Archiv und fragen uns: Was passierte heute vor fünf Jahren?

01. Oktober 2005

Sean Sherk (Foto via ufc.com)

Am Samstag, dem 01. Oktober 2005, ging GroundandPound online und versorgte die deutsche MMA-Szene zum ersten Mal mit Insider-Infos aus Deutschland, Europa und Übersee. Eine unserer ersten Nachrichten überhaupt betraf Sean „The Muscle Shark“ Sherk, der damals noch ein aufstrebender Kämpfer war und vom ganz großen Scheinwerferlicht nur träumen konnte. Trotz einer Bilanz von 29-1-1 hatte Sherk den großen Sprung bislang noch nicht geschafft. In unserem Artikel machte er die Feigheit der anderen Kämpfer, die ihn ob seiner „brutalen Schlaghärte“ mieden und die Borniertheit der Veranstalter, die ihn wegen seines „biederen Stils“ nicht verpflichteten, dafür verantwortlich. Er spielte daher mit dem Gedanken, zu seinem alten Beruf als Parkettverlger zurückzukehren.

Den Gedanken verwarf er jedoch und gehört heute, einen UFC Leichtgewichtstitel und einen Steroidskandal später, zu den besten Leichtgewichten in der UFC. Ausschließlich gegen zukünftige Champions musste der Trainingsfanatiker Niederlagen hinnehmen: Georges St.Pierre, BJ Penn und Franky Edgar. Zuletzt gewann er bei UFC 119 jedoch nur sehr umstritten nach Punkten gegen Evan Dunham.

Bad Boy for Life: Lee Murray

Einer, dessen Karriere ebenfalls einen anderen Verlauf als geplant genommen hat, ist der britische MMA-Veteran Lee Murray. Schon immer als Bad Boy bekannt, musste Murray nach einer Messerstecherei ins Krankenhaus eingeliefert werden. Während einer Geburtstagsfeier von "Seite 3-Mädchen“ Lauren Pope stieß man ihm vor dem Funky Buddha Nightclub in Mayfair, London, im Verlauf eines riesigen Tumults mit 25 Beteiligten, mehrfach eine Klinge in die Brust und verletzte damit Lunge und Arterie. Er versuchte selbstständig zu fliehen, brach aber nach einem Kilometer zusammen. Eine sofortige Notoperation rettete Murray das Leben, berichtete GroundandPound damals.

Ist diese Geschichte schon filmreif genug, so klingt der spätere Werdegang Murrays selbst für ein Hollywood-Skript zu verrückt: Murray sitzt mittlerweile für zehn Jahre in einem marokkanischen Gefängnis. Im Juni dieses Jahres verurteilte man ihn als eine der Schlüsselfiguren im „größten Geldraub in der Geschichte Englands“. Im Februar 2006 wurde ein Gelddepot in Kent mit Waffengewalt ausgeraubt. 53 Millionen Pfund (63,5 Millionen Euro) wurden dabei erbeutet. Murray wurde zur Last gelegt, den Raub geplant, organisiert und aktiv ausgeführt zu haben. Von den 53 Millionen Pfund sind bislang nur 21 Millionen wieder aufgetaucht. Es wird vermutet, dass Murray einen großen Anteil der Beute versteckt hält. Nach dem Raub floh er nach Marokko, wo er gefasst und festgehalten wurde, da er die dortige Staatsbürgerschaft besitzt.  Verhaftet wurde er dort aber zunächst nicht wegen des Tatverdachts in England, sondern wegen „Mitführens harter Drogen“. Murray ist sicher ein interessanter Kandidat für einen ähnlichen Rückblick in 10 oder 15 Jahren.

Tarver vs. Jones III

Wie bereits erwähnt, war der 01. Oktober ein Samstag. Große MMA-Events gab es an diesem Tag jedoch keine – dafür ging es im Boxring rund. Bereits zum dritten Mal trafen Erzfeinde Antonio Tarver und Roy Jones Jr. in einem Profikampf aufeinander. Schon damals war GroundandPound eine erstklassige Adresse für Freunde des Boxsports, so dass wir einen Vorbericht zum alles entscheidenden dritten Gefecht verfasst haben. Es stand eins zu eins zwischen beiden Boxlegenden. Der Herbst 2005 markierte allerdings auch den beginnenden Herbst von Jones Karriere. Nach zwei KO-Niederlagen in Folge (einer davon gegen Tarver, in deren zweiten Aufeinandertreffen) stand er nun mit dem Rücken zur Wand. Den ersten Kampf gewann Jones umstritten nach Punkten, verlor den Rückkampf aber in Runde zwei.

Auch den dritten Kampf entschied Tarver für sich. Er schlug Jones einstimmig nach Punkten und setzte somit den Grabstein auf die Karriere des einst Unantastbaren. Mittlerweile versucht Jones es mehr schlecht als recht als Promoter und Veranstalter, verdingt sich aber bis heute hauptsächlich als Preisboxer, um gegen mittelmäßige Gegner noch einen Scheck abzustauben. Seine bemerkenswertesten Kämpfe seitdem waren ein Punktsieg über einen alternden Felix Trinidad, eine Punktniederlage gegen den großartigen Joe Calzaghe, der ihn vorführte, eine Niederlage in einem IBF Cruisergewichtstitelkampf gegen Danny Green und eine Niederlage gegen Bernard Hopkins, im April dieses Jahres. Hopkins war dabei, ebenso wie Jones selbst, weit über seinen Zenit hinaus. Am kommenden Samstag bestreitet Jones einen Kampf gegen Danny Santiago.

Cro Cop, Barnett, Kharitonov und Werdum

„Schwergewichtskracher angekündigt“ - So hieß eine der ersten Schlagzeilen von GroundandPound. Die Rede war von zwei Paarungen in der Königsklasse der japanischen Liga PrideFC, bei deren „Fully Loaded“-Veranstaltung. Dort sollte Mirko „Cro Cop“ Filipovic, nach seiner bitteren Niederlage im Megakampf gegen Fedor Emelianenko, zum zweiten Mal auf Josh Barnett treffen. Zusätzlich berichteten wir über einen Eliminatorkampf zwischen dem Jiu Jitsu-Experten Fabricio Werdum und dem gefährlichen Russen Sergei Kharitonov. Dem Sieger gehörte das Recht, gegen Champion Emelianenko antreten zu dürfen.

Aus heutiger Sicht ist natürlich zunächst einmal zu bemerken, dass PrideFC nicht mehr existiert. Als Verbindungen der Veranstalter zur japanischen Mafia bekannt wurden, kündigten die TV-Partner ihre Verträge und die Liga ging pleite. Ihr größter Konkurrent, die UFC, kaufte das Unternehmen schließlich zu einem Spottpreis auf und begrub es ein für allemal.

Die Konstellation der vier Kämpfer ist aber auch aus einem anderen Grund recht amüsant: Der Werdegang fast aller Vier ist nämlich bis heute recht eng miteinander verknüpft. Cro Cop besiegte Barnett nach Punkten und konnte kurze Zeit später mit dem Gewinn des Pride Absolute Grand Prix, in dessen Finale er Barnett ein weiteres mal besiegte, den größten Erfolg seiner Karriere feiern. Er wechselte schließlich zur UFC und seine Karriere begann im Sand zu verlaufen. Nach unzähligen traurigen Vorstellungen, vorzeitigen Niederlagen und Rücktrittsbekundungen war der Gipfel des Eisbergs, nach einem fürchterlichen Kampf bei UFC 119, mit einer KO-Niederlage gegen Frank Mir erreicht.

Kharitonov gewann seinen Kampf gegen Werdum knapp nach Punkten, bekam seinen versprochenen Titelkampf gegen Fedor aber nie. Er verabschiedete sich mehr und mehr von der Leistungsspitze, bis er im April letzten Jahres, nach einer erschreckend schnellen Niederlage gegen Jeff Monson, vollkommen von der Bildfläche verschwand. Werdum hingegen wechselte bald darauf zur UFC, wo er nach durchwachsenen Leistungen zwei Jahre später wieder entlassen wurde. Angekommen bei Strikeforce heimste er zwei leichte Siege ein und bekam endlich - fast fünf Jahre später - den ersehnten Kampf gegen Fedor Emelianenko. Als absoluter Außerseiter schockte er die Welt, als er den Russen nach nur gut einer Minute mit einem Triangle Choke zur Aufgabe zwingen konnte.

Wer der nächste Gegner des ehemals besten Schwergewichts der Welt sein wird, steht bislang noch nicht hunderprozentig fest. Als sicherer Kandidat gilt aber Strikeforce-Neuzugang Josh Barnett. Lustig, nicht wahr?

 

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