Kolumnen

Heavy Duty: Eine Klasse für sich!?

Zwei Gewichtsklassen? Ben Rothwell (li., 1,96m, 130kg) und Pat Barry (re., 1,80m, 108kg)

Wer nicht erst seit gestern die UFC verfolgt, weiß dass die Schwergewichtsdivision der Promotion so sehr gespickt ist mit guten Kämpfern und möglichen Kampfpaarungen wie nie zuvor. Es ist heute kaum vorstellbar, dass noch vor wenigen Jahren Tim Sylvia Titelhalter war und Leute wie Paul Buentello als Top-Herausforderer gehandelt wurden. Von UFC 51 bis 61 mussten besagter Sylvia und Andrei Arlovski sage und schreibe dreimal gegeneinander kämpfen. Der Grund: Mangel an Alternativen.

Diese schrecklichen Zeiten sind zum Glück vorbei. In Fachkreisen gilt das Schwergewicht mittlerweile als eine der am besten besetzten Gewichtsklassen überhaupt. „Stacked“ nennt sich dieser Zustand im MMA-Jargon. Wären die Verhältnisse noch wie zu den finsteren Zeiten die ich Eingangs beschrieben habe, wäre die folgende Überlegung vollkommen unnötig und utopisch. Aber so möchte ich mal ein Gedankenspiel wagen, dessen Grundüberlegung sicher für Fans wie Athleten nicht uninteressant sein dürfte.

Ich wende mich heute der UFC zu, weil sie erstens die populärste Promotion ist und zweitens ein Gewichtslimit selbst bei Schwergewichten hat. Wenn wir ihre Gewichtsklasslen also zunächst mal am „grünen Tisch“ betrachten so fällt auf, dass alle übrigen Divisions Athleten umfassen, die sich in einem Bereich von 4,5 bis 9 Kilo (10 bis 20 lbs) bewegen. Im Durchschnitt umfasst eine Gewichtsklasse also Sportler deren Gewichtsunterschied nicht größer als 6,8 kg (15 lbs) sein darf. Im Schwergewicht ist das anders. Die Gewichtsklasse umfasst Athleten die über 93kg (205 lbs) und unter 120kg (265 lbs) liegen. Dass sich innerhalb dieses 27 Kilo-Radius die verschiedensten Arten von Körperformen wieder finden lassen, haben wir ja bereits in der Vergangenheit klären können.

Der entscheidende Unterschied vom Schwergewicht zu anderen Gewichtsklassen besteht darin, dass sich (vielleicht Japan ausgenommen) die leichteren Athleten immer an der oberen Grenze des Gewichtslimits bewegen. Wenn ein Kämpfer im Alltag mit 80kg anzutreffen ist, hat er die Möglichkeit entweder 3kg Gewicht abzukochen für seinen Kampf oder er wird noch ein paar Kilogramm an Muskelmasse zunehmen und dann bis 84kg kämpfen. Natürlich ist das stark vereinfacht gesagt, aber es hilft an dieser Stelle ein grundlegendes Problem darzustellen. Viele Kämpfer aus dem Schwergewicht haben schlicht und ergreifend nicht die physischen bzw. genetischen Voraussetzungen 120kg zu wiegen. Im Idealfall müssten sie sogar wie z.B. der amtierende Champ Brock Lesnar, sein letzter Gegner Shane Carwin oder auch Ben Rothwell noch Gewicht abkochen vor einem Kampf.

Was machen nun eben solche Athleten, die irgendwo in der Mitte der Gewichtsklasse gefangen sind? Diejenigen die zu schwer sind um im Leicht-Schwergewicht anzutreten, aber gleichzeitig zu leicht um am oberen Ende der Gewichtsklasse zu kämpfen? Ihnen bleibt eigentlich keine andere Wahl als sich mit dem notwendigen Übel anzufreunden, dass sie nun mal Gefahr laufen auf weitaus schwerere Gegner zu treffen. Wer selbst noch nie Boxhandschuhe anhatte, dem darf versichert sein, dass 10kg Gewichtsunterschied auch einen gehörigen Unterschied machen was am anderen Ende der Faust ankommt. Und seitdem es Athleten wie Lesnar gibt, ist auch das Argument dass schwerere Athleten ja auch langsamer seien nur noch bedingt schlagkräftig. Vielleicht könnte es auch eine Strategie sein darauf zu warten, dass der schwerere Gegner einfach früher ermüdet. Sobald ihm die Luft ausgeht könnten die leichteren Athleten ihren Vorteil nutzen. Das Problem an der Strategie ist, dass sie erst einmal bis dahin durchhalten müssen.

Die Lösung des Problems liegt eigentlich auf der Hand! Eine Zwischen-Gewichtsklasse sollte eingeführt werden. Diese könnte beispielsweise Kämpfer von 93-105kg umfassen. Damit wäre gewährleistet, wofür das Prinzip der Einteilung von Athleten in Gewichtsklassen überhaupt entwickelt wurde: Die Vergleichbarkeit der erbrachten Leistungen. Letztlich wäre jedem mit dieser Lösung geholfen. Die Promotion hätte einen Champion mehr den sie vermarkten könnte. Den Athleten und ihrem technischen Know-How wäre Rechnung getragen. Und es könnten mehrere Gewichtsklassen übergreifende Superfights angesetzt werden. Natürlich war an eine solche Regelung nicht zu denken, als die UFC ihre Gewichtsklasseneinteilungen vorgenommen hat, aber angesichts der Entwicklung des Sports scheint sich eine derartige Veränderung immer mehr aufzudrängen.

Wer immer noch nicht überzeugt ist der kann sich vielleicht einmal vor seinem geistigen Auge einen Kampf zwischen Pat Barry und Shane Carwin vorstellen. Noch schrecklicher ist die Vorstellung Stefan Struve müsste gegen Brock Lesnar ran. Mann müsste sich ernsthaft Sorgen machen, dass der Weltmeister den armen Jungen entzwei bricht. Auch Gilber Yvel ist eigentlich viel zu leicht um mit den Top-Schwergewichten mithalten zu können. Und letzten Endes wäre die Einführung einer Gewichtsklasse bis 105kg vielleicht auch die einzige Möglichkeit Roy Nelson jemals dazu bewegen zu können, etwas an seiner Figur zu verändern.

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