Kolumnen

Hat Zuffa sich übernommen?

Muss Zuffa noch weitere Events absagen?

Die Verletzungsseuche der UFC hat nun auch auf die Schwesterorganisation Strikeforce übergriffen. Strikeforce musste die für das kommende Wochenende geplante Veranstaltung absagen, da Leichtgewichtschampion Gilbert Melendez seine Titelverteidigung gegen Pat Healy verletzungsbedingt absagen musste. Da Showtime den Event ohne vernünftigen Hauptkampf nicht senden wollte, wurde dieser kurzerhand gestrichen, womit zwei Zuffa-Events innerhalb eines Monats ausgefallen sind.

Auch wenn der Aufschrei nach der Strikeforce-Absage lange nicht so laut war, wie nach der Absage von UFC 152, muss Zuffa sich vielleicht langsam der Tatsache stellen, dass sie sich mit ihrer Expansion etwas übernommen haben. UFC-Events in Brasilien, Kanada, Japan, China, Schweden und natürlich den USA verlangen nach immer mehr Kämpfern, die die UFC zweifelsohne hat, aber wenn die Stars verletzungsbedingt ausfallen, dann hat auch das MMA-Schwergewicht Probleme.

Noch schwerer treffen solche Ausfälle Strikeforce. Da Zuffa deren Top-Talente Dan Henderson, Nick Diaz und Alistair Overeem ohnehin bereits in die UFC verschoben hat, sind kaum noch bekannte Namen in Strikeforce vorhanden, die einen Event tragen können. Deswegen stehen die Verantwortlichen auch bei der für den 3. November angesetzten nächsten Strikeforce-Veranstaltung vor einem Problem, da mit Frank Mir bereits ein Teil des Hauptkampfes ausgefallen ist. Sollte kein adäquater Ersatz für den ehemaligen UFC-Champion gefunden werden, könnten die Verantwortlichen auch bei der Veranstaltung Probleme bekommen, Showtime dazu zu bringen, den Event zu übertragen.

Wenn man das Ganze von außen betrachtet, scheint die Lösung offensichtlich zu sein: Strikeforce auflösen und die Kämpfer in die UFC holen. Damit hätte man mit Gilbert Melendez, Luke Rockhold, Gegard Mousasi, Nate Marquardt, Ronaldo Souza und Tyron Woodley einige Kämpfer, die auch in der UFC für gute Kämpfe sorgen würden. Dazu würden die anderen Kämpfer regelmäßig Einsätze bekommen und wären nicht so hart von einer Event-Absage betroffen, wie jetzt Pat Healy und die anderen Strikeforce-Kämpfer, die im Moment nicht wissen, wann sie mit ihrem nächsten Gehaltscheck rechnen können, da Strikeforce die Kämpfe nicht so leicht auf andere Events verteilen kann, wie die UFC.

Und da Dana White langsam anzufangen scheint, Frauen-MMA zu akzeptieren, und nicht mehr vollkommen ausschließt, dass die UFC irgendwann Frauen-Kämpfe überträgt, wäre das wieder etwas Neues, was man den Fans präsentieren könnte, und was weitere Kämpfe garantieren würde.

Es darf allerdings bezweifelt werden, dass Zuffa im Moment ernsthaft darüber nachdenkt, Strikeforce aufzulösen, schließlich ist da noch der TV-Vertrag mit Showtime, an den man einerseits gebunden ist, andererseits möchte man den Platz auch nicht für einen anderen Veranstalter freigeben. Schließlich bekommen die Fans nächstes Jahr schon Bellator auf Spike TV zu sehen, ein weiterer Konkurrent, auch wenn es auf einem Pay-TV-Sender wäre, dürfte Zuffa da kaum schmecken.

Natürlich ist es verständlich, dass die UFC die Zahl ihrer Events nicht runterfahren möchte, um weiter expandieren zu können, allerdings wird es dann immer häufiger vorkommen, dass anfänglich interessante Events – wie UFC 147 – nach einigen Änderungen kaum noch jemanden interessieren. Durch die vielen Veranstaltungen muss die UFC ihre Stars auf mehr Events verteilen, womit stark besetzte Events wie UFC 100, UFC 101 oder UFC 126 immer seltener werden, wenn nicht sogar ganz aussterben.

Damit könnte die UFC Gefahr laufen, sich dem Boxen anzupassen, wo die meisten Fans einen Pay-per-View nur wegen des Hauptkampfes kaufen. UFC 151 war nicht die erste Veranstaltung, bei dem die UFC nur auf den Hauptkampf gesetzt hat, aber es war der erste Event, bei dem es richtig schief gegangen ist.

Man braucht sich doch nur die letzten beiden Events ansehen, in denen Brock Lesnar im Hauptkampf stand. Wäre Lesnar kurzfristig bei UFC 141 ausgefallen, hätten wohl kaum Nate Diaz und Donald Cerrone den Pay-per-View angeführt und auch Jake Shields gegen Martin Kampmann hätte man den Fans nur schwer als Mainevent von UFC 121 verkaufen können. Und was wäre gewesen, wenn Anderson Silva nicht kurzfristig eingesprungen wäre, um UFC 153 nach dem Ausfall von Jose Aldo und Quinton „Rampage“ Jackson zu retten? Und was würde mit UFC 154 passieren, wenn Georges St. Pierre sich wieder verletzen sollte?

Die UFC läuft derzeit auf einem sehr schmalen Grat. Wie will man den Fans Events wie UFC 147 als Pay-per-View verkaufen, wenn sie kostenlos UFC on Fox, UFC on FX und UFC on Fuel schauen können. Sollte sich UFC on Fox 5 nicht noch großartig verändern, bekommen die Fans dort einen Leichtgewichtstitelkampf zwischen Benson Henderson und Nate Diaz, einen Kampf zwischen dem ehemaligen Halbschwergewichtschampion Mauricio „Shogun“ Rua und Alexander Gustafsson, wo der Gewinner möglicherweise einen Titelkampf bekommen könnte, und die Rückkehr des ehemaligen Leicht- und Weltergewichtschampions BJ Penn zu sehen – eine Besetzung, die den ein oder anderen Pay-per-View dieses Jahr an namenhaften Kämpfern übertrifft.

Wenn die UFC weiterhin am Pay-per-View-Modell festhalten und es sich nicht mit Fox verscherzen will, dann brauchen sie mehr gute Kämpfer, die im Fall eines verletzungsbedingten Ausfalls einspringen können. Sicherlich kann man den Ausfall von GSP, Anderson Silva oder Jon Jones nicht 1:1 kompensieren, aber wenn man bei UFC 151 noch einen Kampf zwischen Gegard Mousasi und „Shogun“ angesetzt hätte, dann hätte einer der beiden Kämpfer für Henderson einspringen können.

Auf jeden Fall sollten sich die Verantwortlichen Gedanken machen, wie sie die Situation in den Griff bekommen wollen. Schließlich werden sie sich nicht ewig darauf verlassen können, dass Anderson Silva oder Rich Franklin da sind, um einen Event zu retten. Und wenn man bei Strikeforce die Kämpfer weiter grundlos nur einmal pro Jahr kämpfen lässt, dann darf man sich auch dort nicht wundern, wenn weitere Events aus Mangel an „Star-Power“ gestrichen werden.