Kolumnen

Hat Fedor Angst?

Fedor und Overeem (Artwork von GroundandPound.de).

Spätestens seit Fedor Emelianenkos Ankunft in der kalifornischen MMA-Promotion Strikeforce, im vergangenen Jahr, warten MMA-Fans weltweit nur auf eine einzige Begegnung: Fedor vs. Overeem. Der amtierende Strikeforce Champion Overeem verteidigte seinen Titel in drei Jahren lediglich ein einziges Mal. Fedors bisherige Gegner wurden zudem als Fallobst und Lückenfüller abgehandelt. Dann der Schock: Der letzte Kaiser unterlag „Aufbaugegner“ Werdum nach nur wenigen Sekunden via Armbar. Doch einen Rückkampf will kaum einer sehen. Die MMA-Welt hält eine Wiederholung dieses Ergebnisses für geradezu unmöglich. Werdum nimmt sich zudem eine verletzungsbedingte Auszeit – der Kampf den alle sehen wollen ist also nach wie vor: Fedor vs. Overeem. Doch das Management um den Russen zeigte bislang wenig Interesse an einer solchen Begegnung.

Ende gut, alles gut?


Vor wenigen Tagen dann die Überraschung: Fedor und M-1 Global fordern den holländischen Thaiboxer in einer Pressemitteilung offiziell heraus. Nachdem man den Russen monatelang vorwarf, Overeem aus dem Weg zu gehen, ist nun also doch Ende gut, alles gut?

Weit gefehlt. Erst kürzlich verkündete Overeem, sich nach Fedors Niederlage und Werdums Auszeit nun wieder mehr dem K-1 widmen zu wollen. Seine Teilnahme am Final 16 im Oktober ist bereits bestätigt.

„Ich bin in die Staaten gekommen, um gegen den Gewinner des Fedor/Werdum-Fights zu kämpfen und das war eben Werdum“, so Overeem. „Es gibt also keinen Grund gegen jemand anderen anzutreten. […] Ich habe nicht mehr viele Chancen, im K-1 zu kämpfen, also will ich die auch nutzen.“

Genau zu diesem Zeitpunkt fordert M-1 Global den Holländer heraus? Bislang wollte man von einem Fight gegen den Golden Glory-Fighter doch nichts wissen. Fedor vs. Werdum II wurde den Fans als einzig mögliche Option verkauft. Ein recht unglücklicher Zeitpunkt für einen Sinneswandel, fürwahr.

Obendrein verlangen Fedor und M-1 Global nun Dopingtests nach olympischen Statuten. Ähnlich wie im Fall der beiden Boxer Floyd Mayweather Jr. und Manny Pacquiao, deren Traumkampf aufgrund ähnlicher Forderungen Mayweathers seit Monaten nicht zustande kommt. Einerseits mag eine solche Forderung verständlich sein – vor allem im Hinblick auf die enormen Massezuwächse des einst schmächtigen Overeems, der mittlerweile fast an ein Mammut erinnert. Dennoch befindet sich Fedor – ebenso wie Mayweather – nun automatisch in der Position des Feiglings. Overeems Camp stimmt – ebenso wie das von Pacquiao - diesen verschärften Tests nämlich nicht zu. Sie sind der Meinung, die Standardtests der Sportaufsichtsbehörden genügen. Eine Sonderbehandlung komme nicht in Frage. Dennoch ist der Buhmann offenbar Fedor. Zu Recht?

Angst oder Taktik?


Nun, was etwas seltsam anmutet, ist die Tatsache, dass Fedors Management sich, außer bei Overeem, in der Vergangenheit noch nie – wirklich niemals – über Steroidmissbrauch oder unzulängliche Dopingtests beschwert hatte. Nicht bei Tim Sylvia (der in der UFC bereits positiv getestet wurde), nicht bei Josh Barnett (der bereits zweimal durch einen Test fiel und, nachdem der Vertrag für Affliction Trilogy bereits unterschrieben war, auch durch einen dritten) und auch sonst bei niemand anderem. Es gibt obendrein bereits Gerüchte um einen möglichen Kampf gegen Barnett bei der japanischen Sylvestershow Dynamite! Ob das Thema Doping hier thematisiert werden wird? Wohl eher nicht.

Hat Fedor also Angst vor Overeem? Natürlich nicht. Man darf aber nie vergessen, welch gerissene und abgebrühte Geschäftsleute Vadim Finkelchtein und seine ganze M-1 Crew doch sind. Fedor hat eine Niederlage gegen einen Gegner hinter sich, den vorher niemand wirklich auf der Rechnung hatte. Der Vorwurf, einen Kampf gegen Overeem zu meiden, steht seit Monaten im Raum. Die Reputation des Russen sinkt also stetig. Und das mit einem großen Fight gegen Barnett so gut wie in trockenen Tüchern.

Overeem zum jetzigen Zeitpunkt, unter besagten Bedingungen herauszufordern, bringt einige Vorteile für die  Russen mit sich. Entweder der Kampf kommt nicht zustande. Dann muss man sich immerhin den Vorwurf, einen Kampf gegen den Holländer zu umgehen, nicht mehr länger gefallen lassen. Schließlich forderte man ihn offiziell heraus. Oder der Kampf kommt tatsächlich zustande. Dann hat man mit den Dopingtests ein vertragliches Druckmittel, dass zähe Verhandlungen und hohe Gagen garantiert. Man erinnere sich nur an die Strikeforce Show im April, die Aufgrund von Vertragsstreitigkeiten und aberwitziger Verhandlungstaktiken seitens M-1 ohne Beteiligung Fedors auskommen musste.

Und sollten sich beide Kämpfer tatsächlich irgendwann im Ring oder Käfig gegenüberstehen, dann hat Fedors Camp wenigstens die Absicherung, dass ein dopingfreier Overeem auf ihren Kämpfer wartet. Die Zeiten, in denen es dem letzten Kaiser egal sein konnte, gegen wen er wann in den Ring steigt, sind nämlich leider schon lange vorbei.

 

Eure Meinung ist gefragt! Kommentiert dieses Beitrag, diskutiert im Forum oder sagt dem Autor eure Meinung unter twitter.com/MarkBergmann.

 

Anzeige:

Fight Equipment gibt es bei Vantage Fighting.