Kolumnen

Hat er noch was es braucht?

Shane Mosley (Foto via espn.com)

Er war einst einer der besten Boxer der Welt, ein großartiger Sportler im Seilquadrat. Shane Mosley gehört auch heute noch zur Weltspitze, doch ist er nunmehr ein Abbild seiner früheren Selbst, gealtert und müde. Nach der erwartungsgemäßen Niederlage gegen Floyd Mayweather, im Mai dieses Jahres, wollte er gegen Sergio Mora nun zurück auf die Siegerstraße. Er gewann deutlich nach Punkten, zumindest dachten das alle Zuschauer – das Punktgericht entschied jedoch auf Unentschieden.

Die Leistung, die Mosley während des Kampfes zeigte, war alles andere als großartig. Mora befand sich mehr im Rückwärtsgang als alles andere – doch Mosley schaffte es einfach nicht, dem jungen Mexikaner seinen Kampf aufzuzwingen. „Es ist hart jemanden zu treffen, wenn der sich konstant bewegt“, äußerte Mosley nach dem Kampf in einem Interview. Weisheiten eines Boxprofis.

„Ich finde, ich habe den Kampf gewonnen... aber so ist das eben, wenn man seinen Gegner nicht KO schlägt.“ Adäquate Fehleranalyse des Veteranen. Die Frage, die sich alle Welt seit der unglaublich einseitigen Niederlage gegen Floyd Mayweather gestellt hat, ist: Hat „Sugar“ Mosley noch das, was es braucht, um an der Spitze mithalten zu können? Der Mora-Fight konnte sie nicht beantworten. Fakt ist: Viele große Kämpfe wird er nicht mehr bestreiten können, bevor das Alter seinen Tribut fordert. Ebenso sicher ist aber auch, dass Mosley keiner ist, der die Handschuhe zu früh an den Nagel hängt, sondern stattdessen länger im Ring stehen wird, als gut für ihn wäre. Die Frage ist nur: Was hält die Zukunft noch für ihn bereit?

Schon seit Monaten ist ein Kampf gegen Manny Pacquiao im Gespräch, den sich Mosley sehnlich wünscht. Gemessen an der Tatsache, dass Pac der momentan wohl beste Boxer der Welt ist, Mosley aber schon daran scheitert, drei Punktrichter eindeutig von einem Sieg gegen ein Kaliber wie Mora zu überzeugen, sollte er sich diesen Kampf lieber aus dem Kopf schlagen. Kein schöner Zahltag der Welt ist es wert, dafür live im Bezahlfernsehen hingerichtet zu werden.

Ebenfalls im Raum steht ein möglicher Kampf zwischen Mosley und Saul Alvarez – der am Wochenende in einem Vorkampf einen abgehalfterten Carlos Baldomir spektakulär umhauen konnte. Für Alvarez wäre es ein super Fight. Der 20-Jährige Heißsporn braucht große Namen, um seine Karriere weiter zu pushen. Mit Mosley könnte er eine weitere Legende auf seiner Checkliste abhaken. Mosley hätte vermutlich keine Chance gegen den jungen mexikanischen Rotschopf. Gegen Mora ging ihm ab Runde neun die Luft aus, seine Schläge hatten nicht einmal halb soviel Kraft und Schnelligkeit wie sonst. Gegen Alvarez müsste er einem Ansturm gewachsen sein, der notfalls über 12 Runden konstant bleibt – ein Dauerfeuerfeuer wenn man so will. Wenn der Kampf überhaupt 12 Runden ginge. Mosley wäre ein weiteres Sprungbrett für Alvarez. Und nach einer solch schillernden Karriere sollte ein Mann nicht als Sprungbrett für einen anderen enden.

Böse Zungen behaupten, Mosley sollte sich im Spätherbst seiner Karriere lieber mit Boxern einlassen, die, ähnlich wie er, ihre besten Jahre bereits hinter sich haben, aber immernoch die Namen besitzen, um auch in großen Hallen viele Sitze voll zu bekommen. Auch ein Rückkampf gegen Miguel Cotto wäre möglich. Cotto besiegte Mosley 2007 nach Punkten, doch ist ebenfalls nicht mehr derselbe Kämpfer wie noch vor drei oder vier Jahren. Der Fight würde daher vielleicht sogar Sinn machen. Als Fan von Cotto und Mosley muss ich allerdings sagen, dass ich froh wäre, ein solches Trauerspiel nicht mit ansehen zu müssen.

Nach der wirklich erschreckend schlechten Vorstellung vom Samstag wäre es in meinen Augen besser, wenn Mosley sich alles noch einmal durch den Kopf gehen lassen und schlussendlich zurücktreten würde. Mosley ist mittlerweile 39 Jahre alt. Er sieht keinen Tag jünger aus, weder im Gesicht, noch im Ring. Im Laufe seiner erstaunlichen Karriere hatte der Amerikaner wahre Schlachten geschlagen, die alle Substanz gekostet haben. In der derzeitigen Form wäre ein Kampf gegen einen Boxer vom Kaliber Pac-Mans oder Alvarez purer Selbstmord.

Als Fan ist es zum einen frustrierend, Kämpfe zu sehen, in denen einer der Boxer nicht so recht will (wie Mora). Noch viel schlimmer, weil trauriger, ist es jedoch, wenn der andere will, aber nicht mehr kann.

 

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