Kolumnen

GNP1-Prognosen für UFC on FOX 18

Herzlich Willkommen zur neuesten Ausgabe unserer hauseigenen Expertentipprunde. Dieses Mal werden wir für UFC on FOX 18 einen Blick in unsere Kristallkugeln werfen und unsere Einschätzungen zu den vier Hauptkämpfen abgeben.

Für die Veranstaltung am heutigen Samstag geben Chefredakteur Elias Stefanescu sowie die Redakteure Florian Sädler, Fabian Habel und Stephan Voland ihre Prognosen ab:

Anthony Johnson vs. Ryan Bader

Elias: Ryan Bader kann stolz auf eine Siegesserie von fünf Kämpfen blicken, allerdings fehlt ihm ein ganz großer Sieg, damit er einen Titelkampf bekommt. Diesen könnte er jetzt gegen Anthony Johnson einfahren, der vor zwei Kämpfen selbst im Titelduell stand. Ich sehe allerdings wenige Optionen für Bader. Weder sein Ringen, noch sein Standkampf können mit dem von Johnson mithalten. Er selbst ist anfällig bei harten Schlägen, was man in Begegnungen gegen Glover Teixeira oder Lyoto Machida festellen konnte. Dafür hat Bader allerdings eine solide Ausdauer, somit ein Vorteil, sofern der Kampf über mehrere Runden gehen sollte. Falls dies nicht geschieht, gehe ich davon aus, dass Johnson früher oder später eine harte Aktion ins Ziel bringt, die der Anfang vom Ende für Bader sein wird. Anthony Johnson durch T.K.o. in Runde 2

Florian:
Hier fällt es leicht, Bader zu unterschätzen. Vor ein paar Jahren wäre ein K.o.-Schläger mit der Power eines Anthony Johnson keine gute Ansetzung für Bader gewesen, mittlerweile dürfte er aber im Stand kompetent und kontrolliert genug sein, um sich nicht von „Rumble“ überwältigen zu lassen. Johnson scheint an seiner Ausdauer gearbeitet zu haben, trotzdem sollte Bader in dieser Kategorie einen deutlichen Vorteil haben.

Für mich ist die große Frage in diesem Kampf, ob Bader einerseits Johnsons Power vermeiden, andererseits aber auch genug Offensive anbringen kann, um dem Kampf seinen Stempel aufzudrücken? Phil Davis hat das nicht geschafft und zwar nach Punkten, aber dennoch deutlich verloren. Ich traue Bader zu, es besser zu machen: Auszählen darf man jemanden wie Johnson nie, falls er nicht früh genug die harten Treffer setzt, rechne ich aber mit einer späten Submission oder Ryan Bader nach Punkten

Stephan: Der Kampf zwischen Bader und Johnson ist für mich ein Kampf zwischen Ausdauer und Knock-Out-Power. Wenn man sich die letzten Kämpfe von Ryan Bader ansieht, dann wird einem schnell klar, dass seine Taktik stets darauf abzielt seine Gegner Stück für Stück durch unaufhörliche Takedown-Versuche auf den Boden zu bringen, um sie physisch und mental zu zermürben. Bader ist ein absolutes Arbeitstier, gegen das Johnson große Schwierigkeiten haben sollte, wenn der Kampf in die späten Runden gehen sollte. Schließlich glänzte Johnson in der Vergangenheit nicht gerade mit einer großen Ausdauer. Ob es jedoch soweit kommen wird, ist die Frage. Johnsons größte und gefährlichste Waffe besteht in seiner 1-Schlag-Knock-Out-Power. Ein auch nur halbwegs gut platzierter Schlag von ihm reicht, um selbst Gegner wie den schwedischen Superstar Alexander Gustafsson auszuknocken. Sollte Bader in der Lage sein, den Schlägen auszuweichen und Johnson mit seinem Ringen zu Boden zu bringen, sehe ich jedoch keine Chance für Johnson. Ryan Bader nach Punkten

Fabian: Der Sieger dieses Duells darf sich berechtigte Hoffnungen auf einen Titelkampf in nicht allzu ferner Zukunft machen. Beide Athleten haben ihre Wurzeln im Ringen, nutzen diese Fähigkeiten jedoch sehr unterschiedlich. Bader bringt sein Ringen auf sehr offensive Weise zum Einsatz, indem er seine Kämpfe auf den Boden verlagert, um auf diese Weise Punktsiege einzufahren. Johnson dagegen glänzt durch seine Takedown-Verteidigung. Den Unterschied in diesem Kampf wird die Kraft von „Rumble“ Johnson machen. Der ehemalige Titelherausforderer hat fünf Runden Zeit, mit einem seiner gefürchteten Schläge das Kinn von Bader zu finden, und diesem einen kurzen Abend zu bereiten. Die einzige Chance für Bader besteht darin, die ersten drei Runden zu überstehen, um dann Druck aufzubauen und einen Punktsieg einzufahren. Soweit wird es jedoch nicht kommen. Anthony Johnson durch T.K.o. in Runde 2

Josh Barnett vs. Ben Rothwell

Elias: Immer noch wird Ben Rothwell von vielen MMA-Fans und Kämpfern nicht ernst genommen. Die Quittung für die Ignoranz bekam u.a. Alistair Overeem oder Brandon Vera zu spüren, der von Rothwell kampfunfähig geschlagen wurden. Er besitzt harte Fäuste und überzeugte in letzter Zeit durch gute Ausdauer und taktisch kluges Kampfverhalten. Ihm steht jedoch der "Warmaster" Josh Barnett gegenüber, der nicht nur im Stehen als brandgefährlich gilt, sondern besonders auf der Matte unangenehm ist. Im Stehen kann im Schwergewicht alles passieren, doch gehe ich davon aus, dass Barnett die Begegnung auf den Boden bringen wird, um dort seine Vorteile auszuspielen und einen vorzeitigen Sieg einzufahren. Josh Barnett durch Submission in Rd. 3

Florian: Schwer zu tippen der Co-Hauptkampf. Barnett sah zuletzt gut aus gegen Roy Nelson, trotzdem bleiben bei einem alternden Veteranen, der nicht mehr allzu häufig kämpft, immer Fragen offen. Rothwell hat mehr Momentum als je zuvor im Rücken, hat Knockout-Fähigkeiten bewiesen, ist am Boden ebenso gefährlich und besitzt definitiv die Werkzeuge, um Barnett zu bezwingen, trotzdem sehe ich für ihn weniger Routen zum Sieg als für Barnett.
Für den Ex-Champion dürfte eine ähnliche Strategie wie gegen Nelson am vielversprechendsten sein – Rothwell unter Druck setzen und nicht seinen Rhythmus finden lassen, harte Gegentreffer vermeiden und dafür selbst konstant im Clinch Punkte sammeln. Nicht zuletzt Rothwells Comeback-Sieg gegen Matt Mitrione zeigt, dass man gegen ihn nie sicher ist, Barnett wird aber, denke ich, allzu kostspielige Fehler vermeiden können. Josh Barnett nach Punkten

Stephan: Josh Barnett ist ein Ex-UFC-Champion und hat in verschiedenen anderen Organisationen, wie Pride und Strikeforce zahlreiche Siege und Auszeichnungen errungen. Er hat einen beeindruckenden Kampfrekord von 34 Siegen und nur 7 Niederlagen. Die Frage ist allerdings, ob die vielen Kämpfe nicht langsam ihren Tribut zollen. Zwar konnte Barnett zwei seiner letzten Kämpfe in der UFC gegen Frank Mir und Roy Nelson gewinnen, jedoch sind diese beiden Gegner meiner Meinung nach nicht vergleichbar mit einem hochmotivierten Ben Rothwell.
Rothwell hat drei Kämpfe in Folge gegen namenhafte Gegner wie Alistair Overeem und Matt Mitrione gewonnen, einen davon per Submission und zwei per Knock-Out. Er wirkte in seinen letzten Erscheinungen extrem selbstbewusst und motiviert. Die psychische Komponente sehe ich in diesem Kampf als die entscheidende an. Ben Rothwell via K.o. in Runde 3

Fabian: Mit drei Siegen in Folge in einer derart dünnen Gewichtsklasse wie dem Schwergewicht steht Ben Rothwell kurz davor, zum ersten Mal in seiner Karriere um den Gürtel antreten zu dürfen. Zuvor muss er jedoch an dem ehemaligen Titelträger Josh Barnett vorbei. Hier wird die Cinderella-Story des „Big-Ben“ enden. Trotz solider Fähigkeiten in allen Aspekten des MMA ist der „Warmaster“ sowohl im Stand als auch am Boden eine Nummer zu groß für ihn. Zudem besitzt Barnett die Erfahrung aus zahlreichen Aufeinandertreffen mit den absoluten Größen des Sports, die Rothwell fehlt. Zwar hat bei den schweren Jungs jeder die Chance, einen schnellen K.o. zu landen, doch dafür ist der Veteran Barnett zu abgebrüht. Rothwell wird in New Jersey die Erkenntnis erlangen, dass sein Können nicht für die absolute Spitze reicht. Josh Barnett nach Punkten

Iuri Alcantara vs. Jimmie Rivera

Elias: Hier treffen zwei Allrounder aufeinander, die eine spannende Begegnung versprechen. Die Bilanz von Jimmy Rivera ist beeindruckend. 18 Siege aus 19 Auftritten sprechen für sich. Alcantara hingegen hält mit 33 Erfolgen aus 40 Kämpfen dagegen. In der UFC hatte Alcantara einige Probleme gegen starke Konkurrenz, der er ringerisch nicht das Wasser reichen konnte. Rivera besitzt in meinen Augen die größere Schlagkraft, doch hat Alcantara einen Vorteil in Punkto Reichweite. Auf dem Boden sind beide Athleten solide, kämpfen vorzugsweise aus der Oberlage. Ich kann mir eine Submission von Alcantara vorstellen sowie einen K.o. von Rivera, doch gehe ich eher davon aus, dass sie sich über 15 Minuten bekriegen werden, in einem engen Duell. Jimmy Rivera nach Punkten

Florian: Am Anfang von Alcantaras UFC-Karriere hatte ich große Hoffnungen in ihn, seitdem wurden dem Brasilianer jedoch ein paar Mal seine Grenzen aufgezeigt. Ob Jimmie Rivera ihn bis dorthin pushen kann? Rivera kann zwei solide Kämpfe in der UFC und eine ordentliche Bilanz vorweisen, Alcantara aber ist ein anderes Level als Riveras bisherige Gegner und hat seinerseits gegen bessere Leute gekämpft. „El Terror“ hat Potential und ein Sieg gegen seinen langsam alternden Kontrahenten würde mich nicht schockieren, trotzdem denke ich, dass Alcantara – sollte er in guter Tagesform auflaufen – in allen Bereichen noch ein kleines bisschen zu viel für den Lokalmatadoren sein wird. Iuri Alcantara nach Punkten

Stephan: Auch wenn man es Alcantara nicht so ansieht, er ist 35 Jahre alt und ist auch in Kampfjahren nicht gerade jung. Er bestritt insgesamt 40 Kämpfe in seiner bisherigen MMA-Karriere. Andererseits gewann Alcantara 26 seiner Kämpfe frühzeitig, was das Risiko für Verletzungen verringert und den Körper geschont haben könnte. Auch die Statistiken sprechen sich positiv für Alcantara aus. Er ist nicht nur größer als Rivera, sondern hat auch eine höhere Quote im vorzeitigen Beenden von Kämpfen per Knock-Out oder Submission. Jimmie Rivera sah allerding sehr überzeugend in seinen letzten Kämpfen aus und mit seinen 26 Jahren ist er mal eben 9 Jahre jünger als sein Gegner. Rivera ist ein junger aufstrebender Kämpfer, der in seinen ersten zwei UFC-Kämpfen zwei Siege nach Hause fuhr. Alacantara hat in der Vergangenheit Schwierigkeiten gegen starke Ringer gezeigt. Wenn Rivera diese Schwäche ausnutzen kann und mit dem Selbstbewusstsein seiner bisherigen UFC-Erfolge in den Ring tritt, könnte er trotz einigen statistischen Vorteilen von Alcantara gewinnen. Jimmie Rivera nach Punkten.

Fabian: Ein interessantes Duell im Bantamgewicht erwartet uns ebenfalls in New Jersey. Erstmals in seiner Karriere trifft der aufstrebende Rivera auf einen Kämpfer innerhalb der Top 15 der UFC. Iuri Alcantara kratzt seit Jahren an der Spitze der Gewichtsklasse, konnte sich aber nie für einen Titelkampf ins Gespräch bringen. So kommt ihm nun in diesem Duell eine Gatekeeper-Rolle zu. Setzt sich Rivera durch, findet er sich nach nur drei Kämpfen in der UFC in deren Top 15 wieder, verliert er, bleibt der Status Quo bestehen. „Marajo“ wird letzteres geschehen lassen. Im Standkampf bringt er sowohl einen signifikanten Größen- als auch Reichweitenvorteil mit ins Octagon. Diese wird er jedoch nicht nutzen, sondern sich auf seine Wurzeln besinnen und den Kampf schnell auf den Boden verlagern. Dort hat der Brasilianer leichtes Spiel mit dem Striker Rivera. Iuri Alcantara durch Submission in Runde 2

Sage Northcutt vs. Bryan Barberena

Elias: Sage Northcutt ist aktuell DER Shootingstars der UFC. Mit nur 19 Jahren konnte er sein Können bereits zweimal erfolgreich unter Beweis stellen und überzeugte besonders im Stand. Jetzt trifft er auf einen Ersatzgegner und in einer neuen Gewichtsklasse an. Ob seine ungeschlagene Bilanz in Gefahr gerät? Wer weiß. Bryan Barberena ist ein solider Kämpfer, der seit seinen Niederlagen 2010 in acht aufeinanderfolgenden Kämpfen nur einmal eine Pleite erlitt. Seine Siegesserie ist länger als die Profikarriere von Northcutt. Barberena ist ein Striker, den ich jedoch in diesem Duell im Nachteil sehe. Northcutt ist zu aggressiv im Stand und durch das Gewicht, das er nicht abkochen musste, auch konditionell auf der Höhe. Für Barberena wird es weitaus schwieriger als gedacht, doch wird er Northcutts Kinn auf Herz und Nieren testen und dabei wahrscheinlich den Kürzeren ziehen. Sage Northcutt durch T.K.o. in Rd. 3

Florian: Ich wäre nicht überrascht, wenn Northcutt hier irgendetwas Spektakuläres auspackt und schnell gewinnt – trotzdem glaube ich, dass er hier richtig getestet werden wird. Barberena kann getroffen werden, ist aber zäh und furchtlos. „Bam Bam“ hat eine Tendenz dazu, seine Gegner in harte Gefechte reinzuziehen: Er ist schlagbar, man wird aber mit hoher Wahrscheinlichkeit auch mit einem Sieg Federn lassen.

Wie reagiert Northcutt, für den bisher oft pure körperliche Vorteile und ein großes Angriffsarsenal zum Sieg gereicht haben, falls sein Gegner auch nach ein paar harten Runden noch nach vorne geht? Dieses Szenario muss ich gesehen haben, bevor ich auf den Hype-Zug aufspringe. Northcutt ist laut den Buchmachern der größte Favorit des Abends, da könnte sich eine Wette auf den Underdog lohnen. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und tippe auf Bryan Barberena nach Punkten

Stephan: Auch wenn Northcutt erst zwei Kämpfe in der UFC bestritten hat, ist er schon jetzt extrem bekannt und die Erwartungen an ihn sind hoch. Er ist gerade einmal 19 Jahre alt und in seinen zwei ersten Kämpfen in der UFC besiegte er seine Gegner frühzeitig. Er verfügt über sehr gute Fähigkeiten im Stand, da er seit seiner frühesten Kindheit Karate trainierte und an Wettkämpfen teilnahm. Speziell seine Kicks sind schnell und präzise. Er trainierte einige Zeit im Tristar-Gym, eine MMA-Schule, die auch Rory McDonald und George St. Pierre ihr zu Hause nennen. Daher  erwarte ich von Northcutt zusätzliche Verbesserungen im Ringen und Grappling, die er womöglich auch im nächsten Kampf gegen Barberena einsetzen wird.
Der 26 jährige Bryan Barberena hingegen wird versuchen seinen letzten Kampf, den er nach Punkten bei UFC 186 verlor, wieder gut zu machen. Die Niederlage unterbrach eine Erfolgskette von sieben Siegen, von denen er sechs frühzeitig für sich entscheiden konnte, inklusive eines technischen Knock-Outs im Kampf gegen Joe Ellenberger.           
Beide Kämpfer sind jung und von beiden konnte man noch nicht viele Kämpfe auf dem Niveau der UFC beobachten. Dennoch glaube ich, dass Northcutt seinem Hype-Zug alle Ehre machen wird und mit seinen Fähigkeiten, speziell im Stand, Barberena überlegen sein wird. Sage Northcutt durch Submission in Runde 3

Fabian: Ein weiterer Aufbaukampf für den angehenden Posterboy der UFC. Mit Bryan Barbarena bekommt Sage Northcutt erneut einen Kontrahenten vor die Fäuste, der am unteren Ende der Organisation zu finden ist. Gespannt sein darf man auf die Form von „Super“, der diesen Kampf kurzfristig annahm und dafür eine Gewichtsklasse nach oben geht. Die Athletik und Schnelligkeit des 19-Jährigen werden genügen, um Barbarena vorzeitig aus dem Kampf zu nehmen und möglicherweise einen weiteren „Performance of the Night“-Scheck mit nach Hause zu nehmen. Die Bereitschaft Barbarenas, Schläge mit seinen Gegnern auszutauschen, wird ihn gegen Northcutt teuer zu stehen kommen. Sage Northcutt durch T.K.o. in Runde 1