Kolumnen

GNP1-Prognosen für UFC 195

Wer macht bei UFC 195 das Rennen - Robbie Lawler oder Carlos Condit? (Fotos: Florian Sädler).

Herzlich Willkommen zur neuesten Ausgabe unserer hauseigenen Expertentipprunde. Dieses Mal werden wir für UFC 195 einen Blick in unsere Kristallkugeln werfen und unsere Einschätzungen zu fünf Hauptkämpfen abgeben.

Für die Veranstaltung am heutigen Samstag geben Chefredakteur Elias Stefanescu und die Redakteure Florian Sädler, Alexander Petzel-Gligorea und Kai Ruhle ihre Prognosen ab:

Robbie Lawler vs. Carlos Condit

Elias: Ein wahrer Kracher steht uns wieder bevor. Carlos Condit ist sehr beweglich und hat Energie für 25 Minuten wie kein zweiter. Zudem setzt er neben seine schnellen Fäusten gerne Ellenbogen, Knie und Kicks ein - also somit das gesamte Arsenal. Nicht umsonst bezeichnete ihn George St. Pierre als unangenehmsten Gegner, dem er je gegenüberstand. Mit ihm muss Champion Robbie Lawler fertig werden. Ich bin gespannt ob es gelingt. Lawler besitzt zwar die größere Schlagkraft, allerdings könnte er mit dem hohen Tempo und der Vielfalt von Condit Probleme bekommen. Dieser ist auch schwer zu Boden zu bekommen - ich denke vereinzelte Takedowns sind nötig, damit Lawler am Ende die Nase vorne hat. Beide sind extrem zäh, so das ich denke, dass die Begegnung über die Zeit gehen wird. Robbie Lawler nach Punkten

Florian: Was für eine Ansetzung. Ganz ohne Trashtalk bin ich auf diesen Kampf genauso gespannt wie auf McGregor vs. Aldo oder Weidman vs. Rockhold, was unter anderem daran liegt, dass ich mir auch hier unzählige verschiedene Kampfverläufe vorstellen kann. Unglaublich zäh sind sie beide und Aufgeben wird niemand, und obwohl auch Condit einige richtig fiese Waffen im Arsenal hat, denke ich, dass Lawlers schiere körperliche Wucht und höhere Schlagkraft ihm in einer Materialschlacht langfristig die besseren Chancen gibt. Robbie Lawler nach Punkten

Alexander: Carlos Condit, Robbie Lawler, viel besser geht es wirklich nicht. Ein wirklich schwer zu vorherzusehendes Duell, da beide brandgefährlich sind. Condit ist der variablere Striker aus der Distanz und dürfte mit seinen Kicks ein paar Akzente setzen, während Lawler ihn ablaufen und die Distanz verkürzen wird. Die Frage ist, ob Condit einen ähnlichen Gameplan umsetzen kann wie Rory MacDonald, der wohlgemerkt eine 3-1-Rundenführung gegen Lawler in den letzten Durchgang mitnahm, bevor sein Körper aufgab. Falls nicht, wird ihn Lawler Runde um Runde zermürben. In der "Pocket" ist ihm in der UFC keiner gewachsen und etwaige Vorteile im Clinch, die Condit anderen Weltergewichten gegenüber hat, negiert Lawler mit seinen harten Fäusten in der Nahdistanz. Für Condit sehe ich maximal eine "Stick-and-Move"-Taktik erfolgsversprechend, wie er sie schon gegen Nick Diaz gefahren hat. Hoffentlich kann Lawler das verhindern. Robbie Lawler nach Punkten

Kai: Beide Kämpfer besitzen gute Nehmer-Qualitäten, haben eine blendende Kondition und teilen viel aus. Sollte Lawler nicht die stärkeren Treffer landen, wird er die Begegnung immer wieder auf die Matte verlagern und kann so den Kampf eventuell nach Punkten gewinnen. Aber Lawlers Dynamit-Fäuste dürfen keineswegs unterschätzt werden. Ich denke, dass Lawler zu viel Kraft in der ersten Runde lassen wird und tippe daher darauf, dass Condit ihn auf Distanz hält und in den Runden vier und fünf auspunktet. Carlos Condit nach Punkten

Stipe Miocic vs. Andrei Arlovski

Elias: Für die Oldschool-Fans wäre es ein Highlight, wenn Andrei Arlovski, ein Kämpfer der alten Garde, wieder um das UFC-Gold kämpfen kann. Dafür muss er allerdings an Stipe Miocic vorbei. Der Amerikaner mit kroatischen Wurzeln besitzt schnelle Hände, solides Ringen, sehr gute Ausdauer und ist unangenehm zu kämpfen - zudem hat er ein gutes Kinn und legt ein hohes Tempo vor. Arlovski hingegen ist nicht bekannt für das beste Kinn im Business und bekommt des Öfteren Probleme, wenn er nach hinten gedrängt wird. Ich "befürchte", dass Miocic diesen Sieg mit einem vorzeitigen K.o. eintüten wird, wenn Arlovski müde wird, doch würde ich Arlovski, aufgrund der Erfahrung, eine Punchers-Chance geben - im Schwergewicht ist schließlich alles möglich. Stipe Miocic durch K.o. in Runde 1

Florian: So hoch der Nostalgiewert wäre, wenn Arlovski noch einmal um einen UFC-Gürtel kämpfen würde – ich denke, dass Miocic der Feelgood-Story hier einen Strich durch die Rechnung machen wird. Arlovski kann man nie auszählen, aber obwohl Roy Nelson, Mark Hunt und Co. andere Kämpfertypen als Arlovski sind, hat Miocic bewiesen, dass er mit gefährlichen K.o.-Schlägern umgehen kann. Sein Ringen dürfte außerdem gut genug sein, um den Ort des Geschehens zu bestimmen; alles in allem rechne ich Miocic damit die besseren Chancen aus. Stipe Miocic nach Punkten

Alexander: Ich weiß nicht, ob Stipe Miocic schon bereits ist für einen Titelkampf. Er hat mir trotz Niederlage gegen Junior dos Santos imponiert, aber nach dessen K.o. durch Overeem stellt sich mir die Frage, was der Kampf noch wert ist. Gegen Arlovski dürfte es noch reichen für den Feuerwehrmann. Miocic ist ein versierter Standkämpfer, der zur rechten Zeit Takedowns einstreuen kann, wenn es auf den Beinen zu gefährlich ist. Zudem hat man erst gegen Browne bei UFC 187 gesehen, dass Arlovskis Kinn wackliger ist als ein Betrunkener um fünf Uhr morgens an Neujahr. Der Weißrusse hat Glück, dass Miocics Boxen eher auf Präzision denn auf Kraft ausgelegt ist, sodass der Kampf über die Distanz geht. Stipe Miocic nach Punkten

Kai: Ein wieder erstarkter Arlovski will den aufstrebenden Miocic stoppen. Der Kampf verspricht Spannung.  Beide sind gut am Boden geschult - der Weißrusse durch seine Sambo Vergangenheit, während Miocic eine starke Ringer-Karriere am College durchzog. Konditionell sind beide auf Augenhöhe. Ich denke, dass sich die Erfahrung des „Pitbulls“ durchsetzen wird. Andrei Arlovski nach Punkten

Lorenz Larkin vs. Albert Tumenov

Elias: Lorenz Larkin ist brandgefährlich im Stand und auch am Boden, aus der Oberlage, lehrt er Gegner das fürchten. Albert Tumenov gilt jedoch auch als K.o.-Maschine, so dass ich hier mit einem Feuerwerk rechne. Ich halte den Russen für zäher und schlagstärker, was sich in den späten Runden auszahlen wird. Larkin besitzt nicht das beste Kinn und schwächelt manchmal konditionell. Das wird Tumenov ausnutzen. Albert Tumenov durch T.K.o. in Runde 3

Florian: Dieser Kampf fliegt gewaltig unter dem Radar – Albert Tumenov ist für mich eines der vielversprechendsten Talente im UFC-Weltergewicht, und hier rechne ich mit einem Durchbruch-Sieg für den jungen Russen. Tumenovs (Konter-) Kombinationen, sein Timing, seine Takedownverteidigung und die Fähigkeit, sich an den Kampfverlauf anzupassen, sind zusammen in der Von-allem-ein-bisschen-Welt des MMA ein Problem, das für eine Menge Kämpfer kaum zu lösen ist. Larkin sah im Weltergewicht bisher hervorragend aus und hat dank seiner körperlichen Fähigkeiten bis 77 Kilo gegen die meisten eine Chance, hier rechne ich jedoch damit, dass Tumenov früher oder später so durchkommt, dass Larkins athletische Vorteile gar nicht erst groß zum Tragen kommen. Albert Tumenov via T.K.o. in Runde 2

Alexander: Ein Hammer-Matchup außerhalb der Top 15 und genau die richtige Strategie, um ein Talent wie Tumenov Stück für Stück zu testen. Der Russe geht als Favorit in diese Begegnung und das auch zurecht, denn Larkin ist einer der unkonstantesten und vor allem defensiv offensten Standkämpfer der UFC. Der Wechsel ins Weltergewicht hat ihm zwar gut getan, die Geschwindigkeit ist geblieben, aber Larkin geht immer noch zu viele Risiken ein, um seine Offensive zu etablieren. Gegen einen so starken Standkämpfer wie Tumenov dürfte das auf Dauer zum Problem werden. Je länger der Kampf dauert, desto deutlicher wird der Vorsprung des "Einstein", der eine Verzweiflungsaktion Larkins zum vorzeitigen Sieg nutzen wird. Albert Tumenov via T.K.o. in Runde 3

Kai: Ein Duell, was verspricht, nicht über die volle Distanz zu gehen. Beide haben ihre Schlagkraft unter Beweis gestellt. Ich denke auch in diesem Duell werden die beide nicht abwarten, sondern nach vorne gehen. Albert Tumenov via T.K.o in Rd. 2

Diego Brandao vs. Brian Ortega

Elias: Brian Ortega ist noch ungeschlagen und das nicht ohne Grund. Gegen Thiago Tavares überzeugte er im letzten Duell mit einem vorzeitigen T.K.o. und wird dem wesentlich erfahneren Diego Brandao große Probleme bereiten. Der Brasilianer hatte vor den Niederlagen gegen Dustin Poirier und Conor McGregor meiner Meinung nach das Feuer verloren, sah in den letzten zwei Begegnungen jedoch wieder gut aus. Trotzdem denke ich, dass er einen "Breaking-Point" hat, bei dem er aufgibt. Sollte Ortega, wovon ich ausgehe, mit viel Druck und pausenlosen Angriffen das Tempo angeben, wird er Brandao knacken. Brian Ortega durch T.K.o. in Runde zwei

Florian: Hier soll Brian Ortega vermutlich einen prestigeträchtigen Sieg einfahren, Diego Brandao allerdings ist der Typ Kämpfer, der ein solches Vorhaben schnell aus den Fugen geraten lassen kann. Brandao hat seinen früher oftmals überaggressiven Kampfstil mittlerweile ein wenig in den Griff bekommen, fällt aber trotzdem immer wieder mal zurück in alte Angewohnheiten. Ortega hat gegen Thiago Tavares gezeigt, dass er einen wilden Kampf durchstehen kann und sollte genug Möglichkeiten haben, sich aus den ganz brenzligen Situationen herauszuhalten und dem Kampfverlauf seinen Stempel aufzudrücken – falls er sich dazu entscheidet, und sich nicht auf eine Schlägerei einlässt. Brian Ortega via Aufgabe in Runde 3

Alexander: Interessanter Test für Ortega, der nach Tavares den nächsten Veteranen vor die Fäuste bekommt. Mit einem Erfolg über Brandao dürfte er seinen Status als Kämpfer mit großer Zukunft untermauern. Aber es wird nicht einfach. Brandao ist ihm in vielen Facetten überlegen. Der Brasilianer bringt sich aber in seinen Begegnungen oft selbst um den Lohn seiner Arbeit. Cardio und Kämpfer-IQ haben ihn schon manchen Kampf gekostet und Ortega könnte vor allem die Konditionsschwäche mit seiner BJJ-basierten Taktik ausnutzen. Falls Brandao ruhig bleibt und sich seine Kräfte einteilt, wird er Ortega schlagen können. Leider ist das "Falls" eine sehr große Unbekannte und zu unsicher, um sich auf Brandao festzulegen, daher Brian Ortega nach Punkten

Kai: Beide Athleten sind extrem stark. Ich denke, dass Brandao definitiv eine Chance auf den Sieg hat. Zumal Ortega kein großes Hindernis für ihn darstellen darf, auf dem Weg zurück in die Top 15 der UFC-Rangliste. Für Ortega ist es die Prüfung, ob er mit einem größeren Namen mithalten kann. Brandao muss seinen Gegner zu Boden bringen, um den Kampf für sich zu entscheiden. Sollte Brandao erneut mit dem Kopf durch die Wand wollen, wird Ortega ihn auspunkten, da die Ausdauer von Brandao bekanntlich nicht die beste ist. Daher tippe ich auf einen Sieg Ortegas nach Punkten. Brian Ortega nach Punkten

Abel Trujillo vs. Tony Sims

Elias: Beide Athleten steigen nach Niederlagen wieder ins Octagon. Man darf gespannt sein, wie die Psyche sein wird und ob sie damit ihre Leistung abrufen können. Bei Trujillo geht es wahrscheinlich um alles oder nichts. Eine dritte Niederlage in Folge kann sich der US-Amerikaner mit dem Spitznamen "Killa" nicht leisten. Ob er mit dem Druck umgehen kann? Tony Sims hat zwar nicht die gleiche Schlagkraft wie sein Gegenüber, besitzt jedoch die bessere Kondition und hat schnellere Fäuste. In den letzten Kämpfen brach Trujillo immer wieder ein, hatte keine Luft für 15 Minuten. Sollte er dies nicht verbessert haben, war es das für ihn in der UFC. Tony Sims nach Punkten

Florian: Was man auch von Abel Trujillo halten mag – wenn er ins Octagon steigt, stehen die Chancen gut, dass es irgendwann knallt. Tony Sims sorgt selbst gerne für Action, scheint aber der Typ Gegner zu sein, den Trujillo irgendwann durch einen schieren Kraft- und Massevorteil einbrechen lässt. Sofern er nicht von Sims ausgeboxt und müde wird, rechne ich damit, dass Trujillo irgendwann ein paar Mal gut durchkommt und mit einer Schlagsalve am Zaun oder auf dem Boden den Sack zumacht. Abel Trujillo via T.K.o. in Runde 2

Alexander: Hui, große Ehre für Trujillo und Sims, trotz Namen wie McDonald, Duffy und Poirier den PPV zu eröffnen. Ich denke, dieser Kampf wird kurz und schmerzhaft enden. Trujillo ist der bessere Athlet und hat die nötige Power, um Sims auszuknocken. Dieser kontert mit besserer Technik, ausgeglichener Kampfführung und einem ordentlichen Kinn. Ich denke, dass Sims die Anfangsoffensive Trujillos übersteht und dann selbst auf Kopfgeldjagd geht. Da Trujillo zu frühem Ermüden tendiert, wird er mit jeder Minute langsamer und offener werden. Das kommt Sims entgegen, der den Kampf in der dritten Runde beendet. Tony Sims via T.K.o. in Runde 3

Kai: Für den selbst ernannten „Killa“ ist es der Kampf, der über sein weiteres Dasein in der UFC entscheidet. Abel Trujillo verfügt über große Schlagkraft, ist aber nicht der beste Techniker und auch nicht der beste Ringer. Auf seinen Gegner treffen diese Attribute ebenfalls zu. Die Frage ist, ob beide auf Nummer sicher gehen und sich über drei Runden nur abtasten, um eine weitere Niederlage im Rekord zu verhindern. Ich denke jedoch, dass sie früher oder später ordentlich austeilen werden und ihre Pläne über Bord werfen. Tony Sims via T.K.o. in Rd. 3