Kolumnen

GNP1-Prognosen für UFC 192

Herzlich Willkommen zur neuesten Ausgabe unserer hauseigenen Expertentipprunde. Dieses Mal werden wir für UFC 192 einen Blick in unsere Kristallkugeln werfen und unsere Einschätzungen zu den fünf Hauptkämpfen abgeben.

Für die Veranstaltung am heutigen Samstag geben Elias Stefanescu, Kai Ruhle und Jan Großöhmigen ihre Prognosen ab:

Daniel Cormier vs. Alexander Gustafsson

Elias: Daniel Cormier wird versuchen die Reichweite seines Kontrahentes zu überbrücken und Gustafsson mit guter Clincharbeit am Käfig oder mit Takedowns zusetzen. Falls der Schwede keine Antwort auf diese druckvolle Taktik hat, wird er frustiert einbrechen und früher oder später resignieren. Ich halte es für möglich, dass Cormier den Druck erhöht und mit seiner ausgezeichneten Ausdauer den Sack in den späten Runden durch T.K.o. zumacht. Für Gustafsson muss es wie damalig gegen Jon Jones heißen: Cardio, gute Beinarbeit und variable Angriffe im Stand, gepaart mit guter Takedown-Abwehr. Nach den letzten Leistungen schwer vorstellbar. Daniel Cormier via T.K.o. in Rd. 4

Kai: Hier ist es sehr schwer zu beurteilen, wer den Abend als Champion beenden wird. Cormier ist bekannt dafür, dass ihm Reichweitennachteile kaum etwas ausmachen. Wenn Cormier Gustafsson zu Boden ringen kann, wird er definitiv die bessere Figur abgeben. Bei Gustafsson muss man sich fragen, ob er nun das Nervenkostüm besitzt, einen wichtigen Kampf zu entscheiden. Bisher hatte er zwei wichtige Kämpfe und zwei Mal machten ihn seine Nerven einen Strich durch die Rechnung. Falls Gustafsson jetzt ohne Kopf nach vorne geht, wird ihn D.C. ausknocken. Daniel Cormier via T.K.o. in Rd. 3

Jan: Die Strategien von Daniel Cormier und Alexander Gustafsson müssten klar sein: Cormier wird versuchen, die Distanz zu überbrücken, um Gustafsson im Infight am Käfigzaun mit Dirty Boxing zuzusetzen, ihn auf die Matte zu zerren und dort weiter mit Ground and Pound zu bearbeiten. Gustafsson wird versuchen, Cormier auf Distanz zu halten und mit geraden Schlägen anzuknocken. Vergangene Kämpfe haben gezeigt, dass Gustafsson sehr verwundbar ist, wenn es dem Gegner gelingt, die Distanz zu ihm zu überbrücken und Cormier hat schon mehrfach bewiesen, dass er die Fähigkeiten hat, dies umzusetzen. Daniel Cormier nach Punkten

Ryan Bader vs. Rashad Evans

Elias: Im Normalfall ist Evans hier der haushohe Favorit. Man muss sich allerdings fragen in welcher Verfassung er nach einer so langen Auszeit (fast 2 Jahre) zurückkehrt. Sollte er "der alte" Rashad sein, gewinnt er dieses Duell vorzeitig. Falls nicht, wird es entweder eine enge Kiste oder er bricht womöglich ein, je nach Kondition. Evans geht in der Regel nach gutem Boxen zum Ringen über und beendet Kämpfe durch Ground and Pound. Die gleiche Strategie verfolgt auch Bader, der ebenfalls ein guter Ringer ist. Sollte er es schaffen Evans zu stellen und womöglich selbst mit Takedowns zu punkten, wird es spannend. Auch wenn ich Baders Nehmerqualitäten anzweifle, denke ich trotzdem nicht, dass er hier vorzeitig K.o. gehen wird. Rashad Evans nach Punkten

Kai: Schöne Ansetzung für Evans' Rückkehr ins Octagon. Bader hat das sogenannte „Momentum“ auf seiner Seite, mit seiner Siegesserie von vier Kämpfen. Ich bin gespannt, ob Evans noch immer der starke Ringer ist. Die andere Frage ist, ob sich Bader in einen Clinch mit Evans traut oder ob beide aus der Distanz agieren werden. Falls beide nur aus der Distanz agieren, wird es ein ziemlich langweiliger Kampf, bei dem der Sieger derjenige sein wird, welcher seinen Gegner öfters getroffen hat. Ryan Bader nach Punkten

Jan: Vor seiner langen Verletzungspause war Rashad Evans in allen Aspekten des MMA-Sports besser als Ryan Bader. Okay, das Power-Double von Bader ist explosiver gewesen als das von Evans, aber was das Boxen, die Beinarbeit, den Clinch am Käfigzaun, die Kontrolle auf der Matte oder das Ground and Pound betrifft, ist Evans klar vorne. Es stellt sich allerdings die Frage, in welcher körperlichen Verfassung sich Evans befinden wird, und damit ist nicht der Ringrost gemeint, den er zweifelsohne angesetzt haben wird. Wie stabil ist sein Knie nach mehreren Verletzungen noch? Wenn Evans fit ist, bezwingt er Bader früh durch T.K.o., aber ich befürchte, dass er nicht mehr so spritzig ist wie früher. Ich denke, er wird Baders rechtem Schwinger nicht immer ausweichen können und auch das eine oder andere Takedown abgeben müssen. Ryan Bader nach Punkten

Shawn Jordan vs. Ruslan Magomedov

Elias: Zwei echte Haudegen, die gerne mal den Plan über Bord werfen und wild schwingen. Jordan ist bekannt dafür, einfach nach vorne zu gehen und den K.o. zu suchen. Dabei vergisst er allerdings die eigene Deckung und wurde schon einige Male schlafen geschickt. Ob er diese Strategie auch diesmal gegen Magomedov verfolgt, bleibt abzuwarten. Fraglich ist es auch, ob er sein Ringen so einsetzen kann, um mit Ground and Pound zu punkten. Magomedov selbst ist kein schlechter Ringer und im Stehen dürfte er den Vorteil gegen Jordan haben, allerdings weiß man bei den Schwergewichten, dass jeder Treffer das Ende einleiten kann. Sollte Magomedov sich gut bewegen und seine Kondition ausspielen, müsste er hier den Sieg einfahren können - wenn er nicht vorher durch einen wilden Angriff auf die Matte geschickt wird. Ruslan Magomedov via T.K.o. in Runde 2

Kai: Nun sind die schweren Jungs dran. Beide haben im Moment eine kleine Siegesserie vorzuweisen. Allerdings wird nur ein deutliches Ende die entsprechende Person nach vorne bringen. Jordan ist der klar erfahrenere Mann. Ich denke diese Erfahrung wird er ausnutzen und Magomedov zermürben. Ob es allerdings für ein vorzeitiges Ende reicht, muss man sehen, weil beide einstecken können. Shawn Jordan nach Punkten

Jan: Ruslan Magomedov ist nicht der prototypische Überringer aus Dagestan, sondern ein technisch sauberer Kickboxer. Auf dem Boden hat er bislang noch nicht gut ausgesehen, aber da er vor UFC 192 einer der Haupttrainingspartner von Daniel Cormier war, hat er mit Sicherheit einiges im ringerischen Bereich dazugelernt. Für ein Schwergewicht, das seine Stärken im Stand hat, fehlt es ihm meiner Ansicht nach an Schlagkraft – sieben Punktsiege aus den letzten acht Kämpfen sind nicht überzeugend. Vielleicht reißt diese Serie aber gegen Shawn Jordan, denn dessen Defensive im Stand ist fast nicht vorhanden und sein Kinn ist auch nicht das Beste: Viermal wurde er schon K.o. geschlagen. Jordan hat viel Power in den Händen, aber Magomedov ist ein ausgezeichneter Techniker, der defensiv so gut geschult ist, dass er Jordans Offensive entgehen kann. Ruslan Magomedov via T.K.o. in Runde 1

Joseph Benavidez vs. Ali Bagautinov

Elias: Kondition wird hier über Sieg oder Niederlage entscheiden. Bagautinov wird den Clinch suchen, um somit Slams und Takedowns zu erzielen, während Benavidez auf Distanz bleiben will, um Treffer zu landen. Sollte Benavidez selbst Takedowns erreichen und mit Ground and Pound punkten, kann er sich einen guten Vorsprung erarbeiten. Selbiges plant allerdings auch sein Kontrahent. Es wird spannend und ich denke, dass hier beide die Chance auf einen Sieg haben. Ich denke zwar nicht, dass wir eine vorzeitige Entscheidung sehen, sondern einen Punktsieg. Joseph Benavidez nach Punkten

Jan: Eine spannende Begegnung zwischen zwei sehr guten Fliegengewichten, die jedoch nicht gut genug waren, um Demetrious Johnson zu entthronen. Joseph Benavidez ist im Stand schneller und variabler als Ali Bagautinov, der sich dort zu sehr auf seine starke Rechte verlässt. Allerdings ist Benavidez aufgrund seiner oftmals zu weiten Schwinger im Stand offener als Bagautinov. Ringen können sie beide sehr gut, wobei Bagautinov auf den brandgefährlichen Guillotine Choke aufpassen muss. Auf der Matte ist Benavidez etwas vielseitiger, da er sich nicht nur auf Ground and Pound beschränkt, sondern auch im BJJ sehr versiert ist. Benavidez hat in der UFC nur in Titelkämpfen verloren und ich denke, das wird auch nach UFC 192 so sein, da er meiner Ansicht nach in allen Bereichen ein klein wenig besser ist als Bagautinov. Joseph Benavidez nach Punkten

Jessica Eye vs. Julianna Pena

Elias: Pena war beeindruckend im letzten Auftritt im April dieses Jahres. Mit guten Takedowns und exzellentem Ground and Pound wird sie auch hier versuchen zu Werke zu gehen, allerdings muss sie vorher am Stand von Eye vorbei. Diese versteht es sich dem Takedown zu entziehen und die Begegnung zu einem Kickboxduell zu machen. Sollte Eye das gelingen, wird es richtig spannend. Im Schlagduell dürfte sie ihre Vorteile genießen und so den Punktsieg einheimsen. Für Pena ist es elementar den Takedown zu erzwingen und am Boden zu agieren, damit der Punkterfolg oder evtl. ein vorzeitiger Sieg zustande kommt. Julianna Pena nach Punkten

Kai: Eye wird erneut versuchen, den Kampf im Stand zu halten. Pena ist da genau die perfekte Gegnerin dafür. Relativ frisch erholt von ihrer schweren Verletzung, kriegt sie direkt eine „Gatekeeperin“.  Ein klarer Sieg kann sie nach oben bringen, eine Niederlage allerdings nicht weit zurückwerfen. Bei Eye ist es umgekehrt. Alle erwarten eine Leistungssteigerung, ansonsten sieht es düster aus für ihre UFC-Karriere. Ich hoffe, dass Eye an ihren Bodenfähigkeiten gearbeitet hat, weil Pena durch ihren BJJ-Hintergrund am Boden überlegen sein kann. Jessica Eye via T.K.o. in Rd. 2

Jan: Es ist schwierig, Julianna Pena nach ihrer Verletzungspause vernünftig zu beurteilen, da ihre Comeback-Gegnerin nicht gerade das Gelbe vom Ei war. Pena ist sehr athletisch und hat einen aggressiven Kampfstil, ihre Stärken hat sie im Ringen und Bodenkampf. Wenn sie in der Oberlage ist, richtet sie mit ihrem Ground and Pound erheblichen Schaden an, was dann im Kampfabbruch oder einem Aufgabegriff endet. Im Stand ist sie oftmals noch zu wild, was zu Lücken führt, die eine technische Kickboxerin wie Jessica Eye nur zu gerne ausnutzt. Wenn Pena das Takedown nicht gelingt, könnte sie gegen Eye im Stand Schwierigkeiten bekommen. Ihr Weg zum Sieg führt über den Bodenkampf, wo Eye bislang nicht durch eine sonderlich große Offensivstärke aufgefallen ist. Julianna Pena via Aufgabe in Runde 3