Kolumnen

GNP1-Matchmaker: Stürzt Conor McGregor zwei Gewichtsklassen ins Chaos?

Conor McGregor hält jetzt zwei UFC-Gürtel - und will keinen davon abgeben (Foto: Florian Sädler).

Das war es also, das Octagon-Debüt von New York City. UFC 205 bot alles, was man sich als Fan erwarten konnte, mit ein paar gut getimten technischen Problemen obendrauf. Innerhalb des Octagons dagegen gab es störungsfreie Action zu sehen: Von Conor McGregors Sieg im Hauptkampf über den Weltergewichts-Knaller zwischen Tyron Woodley und Stephen Thompson und dem polnischen Duell zwischen Joanna Jedrzjejczyk und Karolina Kowalkiewicz bis hin zu großartigen Leistungen in den Nicht-Titelkämpfen. Zu viel, um sie alle zu erwähnen.

Wir werfen hier daher lediglich einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends:

Conor McGregor

Von Conor McGregor mag man halten, was man will – der Mann hat Erfolg. Und davon jede Menge, zum Beispiel ist er jetzt der bisher einzige UFC-Kämpfer, der zwei Titelgürtel gleichzeitig hält. Auch ist er aktuell wohl der unumstrittene Bestverdiener im Kader der Liga und als solcher bestens gerüstet für die anstehende Familiengründung. Genau die aber könnte in den nächsten Monaten für einige Kontroverse im UFC-Zirkus sorgen.

Die Frage nach dem nächsten Schritt stellt sich für alle Kämpfer nach jedem Event, in McGregors Fall war sie aber schon immer etwas komplexer und gleicht mittlerweile einem diplomatischen Drahtseilakt.

Das Grundproblem: Statt der Top 5 einer starken Gewichtsklasse muss McGregor sich jetzt um gleich zwei Gruppen an Elite-Kämpfern kümmern. Und diese Truppe hat es gerade im Leichtgewicht in sich: Khabib Nurmagomedov, Tony Ferguson und Edson Barboza warten auf ihre Chance, außerdem schlummern noch Nate Diaz und sogar Weltergewichts-Champion Tyron Woodley als potentielle Gegner im Hintergrund. Den Zuschlag bekommen sollte aber jemand anderes.

José Aldo mag letztes Mal nur 13 Sekunden gegen McGregor durchgehalten und seitdem lediglich einen Kampf gewonnen haben. Trotzdem ist der Brasilianer jetzt Interims-Champion der 65-Kilo-Klasse (in der sich zusätzlich übrigens noch Namen wie Max Holloway, Frankie Edgar und Anthony Pettis in Titelnähe tummeln). Und in seiner Amtsfunktion sollte Aldo in näherer Zukunft eine Chance auf den richtigen – seinen alten – Gürtel bekommen, wenn das ganze Interims-Konzept noch irgendeine Bedeutung behalten soll. Nach zwei Mal 77 und ein Mal 70 Kilo sollten jetzt wieder die Federgewichte an der Reihe sein. Nächster Gegner: José Aldo

Tyron Woodley und Stephen Thompson

Seinen Gürtel hat er noch. Ob Tyron Woodley es aber geschafft hat, seine zahlreichen Zweifler von sich zu überzeugen, dürfte nach dem Unentschieden gegen Stephen Thompson fraglich sein. Der Kampf war ein Knaller, keine Frage, und niemand hat Thompson in der UFC derart in Bedrängnis bringen können wie „The Chosen One“.

Trotzdem hat „Wonderboy“ einen guten, spannenden Kampf abgeliefert und ist über fünf Runden haarscharf daran vorbeigeschrabbt, sich Woodleys Gürtel zu holen. Ein sofortiger Rückkampf wird nach vielen nicht völlig eindeutigen Titelkämpfen gefordert und zieht in ähnlich vielen Fällen zu Recht leidenschaftliche Kritik gelangweilter Fans und übergangener Kämpfer nach sich. In diesem Fall aber sagen die Umstände: Die naheliegendste Lösung für die aktuelle Situation ist gleichzeitig auch die sinnigste. Auch, wenn das Demian Maia nicht gefallen dürfte. Nächster Gegner: der jeweils andere

Khabib Nurmagomedov

Er ist nicht zu beneiden, dieser Khabib Nurmagomedov. 24 Siege am Stück, das ist zumindest quantitativ eine Serie, die im MMA ihresgleichen sucht. Trotzdem fliegt der Dagestaner unter dem Radar. Wenig PR, ein grapplinglastiger Kampfstil und eine lange Verletzungspause sind die Hauptgründe, warum der Sambo-Spezialist noch immer seiner großen Chance auf UFC-Gold hinterherjagt.

Verdient hätte Nurmagomedov den Titelkampf allemal. Sein Problem ist allerdings, dass das Leichtgewicht auch ohne ihn stark genug ist, um einen Champion über Jahre mit verdienten Herausforderern zu versorgen. Allen voran Tony Ferguson hätte nach neun Siegen in Folge – u.a. gegen Edson Barboza und Josh Thomson – seinerseits gute Gründe, sich zu beschweren, falls Nurmagomedov statt ihm die nächste Titelchance bekommen sollte. Vor allem deshalb, weil seine UFC-Bilanz sich in der Breite besser liest als die von Nurmagomedov, dessen bester Sieg weiter der gegen Rafael dos Anjos bleibt – der erst vor einer Woche gegen Ferguson verlor.

Angenommen, McGregor kehrt tatsächlich fürs Erste ins Federgewicht zurück, dann ließe das den Leichtgewichtsgürtel für einige Monate in der Luft hängen – vor allem jetzt, da bekannt ist, dass McGregor kommenden Mai Vater werden wird und sich ein wenig Zeit für seine angehende Familie nehmen will.

Den beiden Top-Leuten im UFC-Leichtgewicht wird möglicherweise also kaum etwas anders übrig bleiben, als zwischen einer langen Pause mit ungewissem Ausgang und einem alles entscheidenden Kampf untereinander zu wählen. Nächster Gegner: Tony Ferguson