Kolumnen

GNP1-Matchmaker: Steht Rousey sich selbst im Weg?

UFC-Championesse Ronda Rousey (Foto: Narek75/Creative Commons).

„Rousey to the rescue!“ Vier Stunden lang dümpelte UFC 190 am Wochenende in Rio vor sich hin, bevor Ronda Rousey mit gewohnt todernster Mine das Octagon betrat und ihre aktuellste Rivalin nach einer halben Minute mit einer einzigen Rechten unsanft auf die Bretter gehen ließ. Titelverteidigung Nummer sechs scheint die Pay-per-View-Verkäufe endgültig durch die Decke getrieben zu haben, aber ist Ronda „Rowdy“ nicht schon ein bisschen zu dominant? Wer zahlt schon gutes Geld, um dafür ein paar Sekunden Action zu bekommen? Und gibt es überhaupt noch jemanden, der ihre unantastbare Aura gefährden könnte?

Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends und fragen uns, wie es mit den Siegern weitergeht:

Ronda Rousey
Ist Ronda Rousey der größte Star, den die UFC momentan unter Vertrag hat? Alle Anzeichen sprechen dafür – laut Dana White schickt sich der Pay-per-View-Trend von UFC 190 jedenfalls gerade an, die imposanten Verkaufszahlen von UFC McGregor – Verzeihung – UFC 189, zu überholen. Ganz ohne PR-Welttour und 3D-Grafiken im Octagon und Live-Musik. Nur mit dem Namen Rousey auf dem Veranstaltungsposter.
Stolze 34 Sekunden hat am Wochenende Bethe Correia durchgehalten, bevor sie den ersten „One-Punch-Knockout“ in der UFC-Historie der Damen bewusstlos und mit dem Gesicht auf der Matte hautnah miterleben durfte. Sarkastische Bemerkungen sollte man sich an dieser Stelle übrigens verkneifen, denn immerhin hat es Correia länger im Käfig mit Rousey ausgehalten als ihre letzten beiden Gegnerinnen zusammen…

Rouseys beeindruckendste Leistung in Rio de Janeiro war es vermutlich, Kommentator Joe Rogan als erster UFC-Kämpfer überhaupt mit ihrem Erfolg um ein Haar zu Tränen gerührt zu haben. Was aber ist es an Rousey, das selbst einen gestandenen Kerl wie Rogan einen großen Kloß in den Hals treibt? Vermutlich eine Mischung aus Charisma, einem ganz und gar nicht leichten Start ins Leben und ihrem jetzigen hart erarbeiteten, bahnbrechenden Erfolg. Genau der könnte Rouseys Karriere im Rückblick aber eben jene Aura nehmen, die sie jetzt noch versprüht. Mit ein paar Jahren Abstand wird der krachende K.o. gegen Bethe Correia nicht so sehr in Erinnerung bleiben wie der Wunsch nach einem Kampf, in dem der Ausgang nicht von Vornherein festzustehen scheint. Ob das eine Anspielung auf den kommenden Kampf gegen Miesha Tate ist, eben jene ehemalige Strikeforce-Championesse, der Rousey zunächst ihren Titel abnahm und die sie im Rückkampf erneut vorzeitig besiegte?

Sicherlich nicht – der einzig wirklich interessante Kampf, bevor die 28-Jährige sich irgendwann in Richtung Filmkarriere verabschiedet, ist und bleibt bis auf weiteres Cristiane „Cyborg“ Justino. Der zweite Rückkampf gegen Tate gibt Rousey, „Cyborg“ und der UFC noch einige Monate mehr Zeit, um sich vielleicht doch noch über die Rahmenbedingungen einzig zu werden, allzu lange sollte der Kampf aber nicht aufgeschoben werden – der Ansetzung soll es nicht wie den unzähligen anderen Super-Kämpfen ergehen, die entweder nie oder viel zu spät zustande kamen.
Nächste Gegnerin: Miesha Tate

Shogun Rua
Ist „Shogun“ zurück? Kann er wieder einen Anlauf auf den Halbschwergewichtstitel starten? Bis vor knapp eineinhalb Jahren hat man solche Aussagen noch häufiger gelesen, als schnelle Niederlagen noch als Ausrutscher abgetan werden konnten und Rua weniger zehrende Jahre von seiner Zeit als Champion getrennt haben. 2015 allerdings ist jeder „Shogun“-Sieg eher ein erleichternder Aufschub für seine Fans, die sich einigermaßen sicher sein können, ihr Idol noch mindestens ein Mal mehr im Käfig anfeuern zu können.

Der Punktsieg gegen Antonio Rogério Nogueira war sicherlich ein solider Erfolg für den 33-Jährigen, der ein paar brenzlige Situationen überstand und Nogueiras Rippen an die unbändige, fast schon vergessene Wucht seiner Kicks erinnerte. Anzeichen einer Rückkehr zu alter Top-Form hat Rua am Samstag aber dennoch kaum gegeben. Höchstwahrscheinlich hat der frühere Chute Boxe-Schüler nach unzähligen Schlachten im Ring wie im Gym und mehreren schweren Knie-Operationen ohnehin gar nicht mehr die physische Grundlage für einen erneuten Lauf, wenn auch sein Kämpferherz unbestreitbar ist.

Spaßige Kämpfe gäbe es für den Veteranen in der UFC theoretisch aber dennoch zur Genüge. Kurz nach dem Kampf meldete sich online bereits Quinton „Rampage“ Jackson zu Wort, den Rua 2005 bei PRIDE FC in der ersten Runde ausknockte und der zehn Jahre später seine Revanche will – Rua scheint ebenfalls daran interessiert zu sein. Sinn macht der Kampf nach aktuellen Siegen der beiden allemal und der Nostalgiewert sollte sowieso schon Grund genug sein, um das Duell einmal mehr auf die Beine zu stellen.
Nächster Gegner: Quinton Jackson

Antonio Silva
Ein weiterer brasilianischer Star, der mit einer Niederlage wohl unweigerlich in den Ruhestand „outgesourced“ worden wäre, ist „Bigfoot“: Antonio Silva. Der vielleicht einzige Kämpfer im Kader der UFC, dem die Testosteron-Ersatztherapie hätte gestattet werden sollen (Deswegen), legte nach dem Verbot der Hormon-Spritzen zwei grauenhafte Kämpfe hin, die in schweren K.o.-Niederlagen gegen Andrei Arlovski und Frank Mir endeten.

Den Wettquoten nach zu urteilen standen die Chancen gut, dass sein Heimspiel gegen den neuseeländischen „Hulk“ Soa Palelei ähnlich ausgehen würde, der chronische Underdog Silva allerdings zeigte es seinen Kritikern einmal mehr und knipste seinem selbst K.o.-gefährlichen Gegner in der zweiten Runde die Lichter aus. Dieser Sieg öffnet Silva plötzlich ungeahnte Türen, um in den Schwergewichts-Ranglisten relevant zu bleiben. Sinn würde sicherlich ein Duell mit Stefan Struve machen, der am gleichen Abend die brasilianische Legende Rodrigo Nogueira bezwang. Scheinbar haben beide bereits Interesse an dem Kampf bekundet, gegen Ende des Jahres könnte es also im Octagon „Bigfoot“ vs. „Skyscraper“ heißen.
Nächster Gegner: Stefan Struve