Kolumnen

GNP1-Matchmaker: rot-weiß-blaue Knockout-Party in Holland

Sehen wir Overeem als nächstes um den UFC-Titel kämpfen? (Foto: Florian Sädler).

Zum ersten Mal hat am Wochenende die Champions League des MMA im K1-Mekka Holland Halt gemacht – und mit der 87. UFC Fight Night landete die Organisation gleich einen vollen Erfolg. Solide Kämpfe und brodelnde Atmosphäre bei vollem Haus sorgten im Rotterdam Ahoy für einen so kurzweiligen wie erinnerungswürdigen Abend. Entscheidend dazu beigetragen haben die drei Niederländer auf dem Programm: Alistair Overeem, Stefan Struve und Germaine de Randamie, die allesamt imposante Siege nach Hause holten.

Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends:

Alistair Overeem

Mit seinem vierten Sieg in Folge dürfte Alistair Overeem sich vor heimischem Publikum endlich den langersehnten UFC-Titelkampf erarbeitet haben. In die Quere kommen könnte ihm höchstens ein imposanter Sieg von Cain Velasquez, der im Juli bei UFC 200 auf Travis Browne treffen wird.

„The Reem“ selbst allerdings gibt sich seit Monaten äußerst zuversichtlich, dass ein Sieg gegen Trainingspartner Andrei Arlovski ihm eine Chance auf den einzigen großen Titel einbringen würde, den er noch nicht gewonnen hat. Eine möglicherweise interessante Hintergrundinfo: Overeems letzter Kampf, ein Knockout gegen Ex-Champion Junior dos Santos, war der letzte auf seinem alten Vertrag.

Nachdem er sich auf dem Markt umgeschaut hatte, unterschrieb Overeem anschließend doch wieder bei der UFC – eventuell mit Versprechungen auf einen Titelkampf, falls er Arlovski bezwingen würde?

Falls dem so war, dann hat Overeem seinen Part am Sonntag mit einem spektakulären Knockout gegen den „Pit Bull“ erfüllt. Für den Niederländer heißt es jetzt vor allem anderen erst einmal abwarten: Am kommenden Wochenende wird in Brasilien bei UFC 198 der Schwergewichtstitel zwischen Champion Fabricio Werdum und Herausforderer Stipe Miocic ausgekämpft.

Je nach Verlauf und Ergebnis dieses Duells sollte Overeem im restlichen Verlauf des Jahres tatsächlich die besten Chancen haben, um das Gold antreten zu dürfen. Verdient hätte er es nach seinem aktuellen Lauf allemal. Nächster Gegner: Fabricio Werdum oder Stipe Miocic

Gunnar Nelson

Von der schlechtesten Leistung seiner Laufbahn direkt zu seiner besten: Gunnar Nelsons rundum gelungener Sieg gegen K.o.-Schläger Albert Tumenov dürfte „Gunni“ nicht nur zurück in die Top 15 befördert, sondern vor allem wieder Selbstbewusstsein aufgebaut haben.

Nach der überdeutlichen Niederlage gegen Demian Maia im Dezember war der Aufgabe-Sieg am Sonntag genau das, was Nelson gebraucht hat: Nicht nur bewies der Isländer seine ohnehin erwartete Überlegenheit auf der Matte, Nelson legte sich mit dem brandgefährlichen Tumenov im Stand an und landete eine ganze Reihe harter Treffer, bevor er den Kampf auf die Matte brachte und dort beendete.

Mit diesem Sieg hat Nelson bewiesen, dass ihm zumindest in der weiter gefassten Spitzenregion einer extrem harten Gewichtsklasse definitiv ein Platz zusteht. Seine Chance, wieder in die Top Ten durchzubrechen, könnte er gegen Neil Magny (7) bekommen.

Magny musste sich seit 2014 in elf Kämpfen lediglich Maia geschlagen geben, kann trotz seines Sieges gegen Hector Lombard im März aber noch einen weiteren bekannten Namen auf der Bilanz gebrauchen, um sich in den Köpfen der Fans endgültig in der Top Ten des Weltergewichts zu etablieren. Nächster Gegner: Neil Magny

Kyoji Horiguchi

Der Titelkampf im April 2015 mag ein ganzes Stück zu früh gekommen sein für das noch immer erst 25 Jahre junge Top-Talent Kyoji Horiguchi, in Rotterdam aber bewies der Japaner einmal mehr, warum er trotzdem noch eine der größten Hoffnungen im Fliegengewicht ist.

Mit seinem so unterhaltsamen wie dominanten Punktsieg gegen einen taffen Neil Seery hat Horiguchi sich den zweiten Erfolg nach seiner Niederlage gegen Champion Demetrious Johnson geholt.

Hat er sich damit zurück in Griffweite des Gürtels gearbeitet? Vor Rotterdam stand Horiguchi auf Platz fünf der Rangliste, irgendwie könnte man einen Titelkampf im verzweifelt nach Herausforderern für den dominanten Johnson lechzenden Fliegengewicht also rechtfertigen. Trotzdem sollte man nicht den gleichen Fehler zwei Mal begehen – eine zweite Titelniederlage wäre auf Jahre hinweg ein Karrierekiller für Horiguchi, ein paar weitere Kämpfe auf dem Weg zurück an die Spitze würden ihm gut tun.

Zum Beispiel gegen Wilson Reis. Der Brasilianer ist ein zäher Gegner – ein erfahrener, ausgebuffter Kämpfer und genau der richtige Test für ein aufstrebendes Talent. Als solche sind in der UFC bereits Joby Sanchez und Dustin Ortiz an Reis gescheitert, mit einem Sieg könnte Horiguchi sich also endgültig in das A-Team der nächsten Kämpfer-Generation einschreiben. Nächster Gegner: Wilson Reis