Kolumnen

GNP1-Matchmaker: Phänomenales Déjà-vu

Ist Vitor Belfort zurück? Noch nicht ganz (Fotos: Tobias Bunnenberg/GNP1.de).

UFC Sao Paulo hat sich angefühlt wie ein Film, den man nach einer gefühlten Ewigkeit zum zweiten Mal sieht. Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren, in einem anderen Octagon im gleichen Land, hat Vitor Belfort schon einmal sein Schienbein in Dan Hendersons Gesicht versenkt – auch, wenn die Hintergrundsituation damals eine völlig andere war.

Auch im Laufe der restlichen elf Kämpfe gab es überaus solide Action zu sehen – von Glover Teixeiras erfolgreichem Karriere-Comeback über Thomas Almeidas aktuellstem Knockout bis hin zu Thiago Tavares Blitz-Submission gegen Clay Guida.

Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends.

Vitor Belfort

Das war es wohl fürs Erste mit den Rücktrittsforderungen. Im schnelllebigen MMA-Zirkus vergisst man schon mal, was explosive Power in Armen und Beinen anrichten kann – mit oder ohne chemischem Tuning. Mit seinem Headkick-Knockout gegen Dan Henderson hat Vitor Belfort zumindest genau da weitergemacht, wo er vor seinem verkorksten Titelkampf gegen Chris Weidman aufgehört hat, und zwar buchstäblich. Mit einem Headkick-Knockout gegen Dan Henderson hatte Belfort sich im November 2013 eben jenen Titelkampf verdient, in dem er im Mai in der ersten Runde untergegangen ist.

Natürlich kann man dagegen argumentieren, dass Henderson im Octagon mittlerweile hauptsächlich von seiner eigenen Zähigkeit auf den Beinen gehalten wird. Angesichts der seit Jahren brodelnden Doping-Vorwürfe hat Belfort außerdem noch einiges an Arbeit vor sich, um die zahlreichen kritischen Fans davon zu überzeugen, dass der „Junge Dinosaurier“ noch lange nicht am Ende ist. Gegen wen ließe sich das besser bewerkstelligen als gegen einen der größten Doping-Kritiker in der UFC? Tim Kennedy mag den Sport zwar schon auf halbem Weg verlassen haben, hat aber kürzlich selbst angekündigt, dass er sämtliche „Betrüger“ in der UFC verprügeln wolle.

Um den Gürtel wird Belfort in naher Zukunft ohnehin nicht kämpfen – stattdessen kann er genauso gut seinen Kritikern einen reinwürgen, indem er ihren öffentlichen Vertreter ins Land der Träume schickt. Das mag die Stimmen aus dem Hintergrund nicht verstummen lassen, es würde aber zumindest eine deutliche Nachricht schicken: Man braucht den „Alten Löwen“ nicht zu mögen, akzeptieren aber muss man ihn.
Nächster Gegner: Tim Kennedy

Glover Teixeira

Auch Glover Teixeira musste in den letzten eineinhalb Jahren am eigenen Leib erfahren, wie schnell die MMA-Welt selbst die beeindruckendsten Erfolge vergisst. Es ist noch gar nicht so lange her, flößte das von Chuck Liddell herangezogene Halbschwergewicht seinen Gegnern Angst ein, noch bevor der Kampfvertrag vor ihnen lag. Zwei Punktniederlagen gegen Top-Kämpfer später war die Aura dahin, mit seinem Aufgabe-Sieg gegen Ovince St. Preux und dem technischen Knockout gegen Patrick Cummins am Wochenende ist Teixeira aber auf dem besten Weg zurück dorthin.

Wie geht es also weiter? Einen Titelkampf wird er nach der einseitigen Niederlage gegen Jones im letzten Jahr wohl nicht so schnell bekommen. Alexander Gustafsson ist – wenn seine zwei Titelniederlagen auch deutlich knapper waren – in einer ähnlichen Situation. Wenn ein Kampf zwischen den beiden Ex-Herausforderern Sinn macht, dann also jetzt: Der Sieger kommt einer neuen Chance aufs Gold ein großes Stück näher, der Verlierer muss sich überlegen, was er ändern muss, um an der Spitze zu bestehen.
Nächster Gegner: Alexander Gustafsson

Thomas Almeida

24 Jahre alt, 21 mal gewonnen, nie verloren. Thomas Almeida könnte gut und gerne das nächste große Ding in der auch nach fünf Jahren in der UFC noch recht dünn besetzten Bantamgewichtsklasse sein. Technische Finesse, Aggressivität, Zähigkeit und natürlich zerstörerische Schlagkraft haben für das untere bis mittlere Level der Gewichtsklasse bisher locker gereicht – nach vier Siegen (und vier „Fight Night“-Boni) ist es an der Zeit, „Thominhas“ einen harten Test vorzusetzen.

Perfektes Timing also, dass John Dodson gerade jetzt aus dem Fliegen- zurück ins Bantamgewicht wechselt. Der ehemalige Titelherausforderer mag zwei Mal an Champion Demetrious Johnson gescheitert sein, hat aber jeden anderen Gegner geschlagen, und das meist durchaus überzeugend – sein K.o.-Sieg gegen TJ Dillashaw ist zwar mittlerweile schon ein paar Jährchen her, macht sich aber immer noch bestens auf der Bilanz.

Genau dieses Kaliber braucht Almeida, um den nächsten Schritt in seiner Karriere zu machen. Behutsames Herantasten an die großen Kämpfe ist gut und schön, Almeidas Schneise der Verwüstung, die er schon jetzt durch die Gewichtsklasse gezogen hat, spricht allerdings für sich selbst.
Nächster Gegner: John Dodson